Das Gebäude der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). | Bildquelle: dpa

US-Notenbank Fed erhöht erneut die Leitzinsen

Stand: 26.09.2018 21:21 Uhr

Ungeachtet der Kritik von US-Präsident Donald Trump strafft die Fed die Geldpolitik weiter. Sie erhöht zum dritten Mal in diesem Jahr den Leitzins und will bis Ende 2019 noch vier Mal nachlegen. Unklar bleibt nur, ob der nächste Zinsschritt noch vor Weihnachten kommt.

Angesichts des starken Wirtschaftsaufschwungs in den USA drehen die Notenbanker erneut an der Zinsschraube. Wie erwartet hob die Fed am Mittwochabend den Leitzins ein weiteres Mal um 0,25 Punkte auf nun 2,0 bis 2,25 Prozent an.

Nächste Zinserhöhung noch in diesem Jahr?

Und damit ist noch längst nicht Schluss mit der Zinsspirale. Bis Ende des kommenden Jahres stellt die Notenbank vier weitere Zinsschritte in Aussicht. Ob im Dezember die nächste Anhebung folgt, ließ sie aber offen. Die Schätzung für den langfristigen Zinssatz hob die Fed minimal von bisher 2,9 auf nun 3,0 Prozent an..

"Die Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte war erwartet und an den Märkten eingepreist", meinte Vermögensverwalter Thomas Altmann von QC Partners. "Darüber, ob es bei den bisherigen drei Zinserhöhungen in diesem Jahr bleibt oder ob Nummer vier im Dezember kommt, darf weiterhin gerätselt werden."

Dow steigt, Dollar fällt

Die Wall Street reagierte zunächst positiv auf die Ankündigungen der Fed. Der Dow baute seine Kursgewinne aus. Im Laufe des Abends schmolzen sie aber weg. Nach der Pressekonferenz von Fed-Präsident Jerome Powell drehte der Dow gar ins Minus.

Auch an den Devisenmärkten gab es mächtig Bewegung. Der Dollar legte eine Achterbahnfahrt hin. Zunächst gab er nach, erholte sich dann aber wieder. Der Euro stieg auf bis fast 1,18 Dollar, bevor er wieder auf 1,1740 Dollar abrutschte.

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"Fed musste handeln"

"Die Notenbank musste jetzt handeln", meint Nathan Sheets,, Ökonom von PGIM Asset Management. Denn der heiß gelaufene Job-Markt mit dem starken Arbeitsplatzaufbau mache eine Straffung nötig. "Dass die Fed auch gegen Kritik von US-Präsident Trump ihren Kurs durchzieht, zeigt, dass die Notenbank nicht auf den Präsidenten hört."

Die Fed bekräftigte in ihrer Erklärung zum Zinsentscheid ihre Einschätzung zur wirtschaftlichen Lage. Der Arbeitsmarkt habe sich weiter gefestigt, die wirtschaftliche Aktivität sei mit hohem Tempo gewachsen. Die Konsumausgaben und die Investitionen der Unternehmen seien stark expandiert, während die Inflation in der Nähe des Zwei-Prozent-Ziels der Fed liege. Die Währungshüter erhöhten ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr deutlich von 2,8 auf 3,1 Prozent. Für 2019 wurde die Prognose nur leicht angehoben.

Auch der Fed-Vorsitzende Jerome Powell äußerte sich zuversichtlich zum Zustand der US-Wirtschaft. "Unsere Wirtschaft ist stark", sagte der Notenbanker nach dem Zinsentscheid auf der Pressekonferenz. "Nicht alles ist perfekt, und nicht alle Amerikaner profitieren", räumte der Fed-Vorsitzende ein. "Aber wir tun alles, um die Wirtschaft stark zu halten."

Powell besorgt über Protektionismus

Besorgt zeigte sich der Fed-Chef hingegen über die Folgen einer protektionistischen Handelspolitik unter Präsident Trump. Zwar sei noch kein nennenswerter Effekt durch die höheren Zölle festzustellen. Allerdings beobachte Powell einen "wachsenden Chor" der Besorgnis unter den US-Unternehmen. Generell sei Protektionismus keine gute Entwicklung.

Ökonom Friedrich Heinemann vom Mannheimer Forschungsinstitut ZEW sieht den von Trump angezettelten Zollkonflikt als einen der Gründe dafür, dass die Notenbank die Zügel strafft: "Der amerikanische Präsident darf sich jetzt nicht über eine Beschleunigung der Zinserhöhungen beschweren. Seine Zollpolitik ist eine der Ursachen für die rasche Gangart der US-Notenbank." Denn die US-Sonderzölle auf chinesische Importe dürften für zusätzlichen Inflationsdruck sorgen. Seit Anfang Juli haben sich beiden größten Wirtschaftsmächte der Welt mit Straf- und Vergeltungszöllen überzogen.

nb

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 26. September 2018 um 21:00 Uhr.

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