Logos von Lyft und Uber | Bildquelle: REUTERS

Fahrdienste Der Wettlauf von Lyft gegen Uber

Stand: 12.04.2019 10:48 Uhr

Lyft ist fulmimant an die Börse gestartet. Der Optimismus ist riesig. Fahrer für private Fahrdienste zu vermitteln, ist für Lyft und den Konkurrenten Uber aber nur ein erster Schritt: Die Pläne reichen viel weiter. Wieder einmal soll die Zukunft neu gedacht werden.

Von Thomas Spinnler, boerse.ARD.de

Der Wettlauf um einen Riesenmarkt hat längst begonnen, der Glaube an eine grandiose Zukunft der Fahrdienstvermittler ist groß. Nur so lässt sich die hohe Bewertung rechtfertigen: Aktuell ist Lyft insgesamt über 25 Milliarden Dollar wert. Lyft vermittelt genau wie der Konkurrent Uber Fahrten mit privaten Fahrern, die Kunden per App bestellen können.

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Lyft: Wozu ein eigenes Auto, wenn man sich billig herumkutschieren lassen kann?

Dafür steckt man eine Vermittlungsgebühr ein. Willkommen in der modernen Plattform-Ökonomie, die längst schon den Sektor Mobilität betrifft: Der kontinuierliche Zuwachs der Stadtbevölkerung und die steigenden Kosten für das eigene Auto trieben die Akzeptanz des Modells „Transportation as a Service“ voran, kommentiert ein US-Analyst.  

Wetten, dass… Lyft irgendwann Gewinne macht?

Bislang ist der Konzern aus San Francisco noch weit von schwarzen Zahlen entfernt. Die Verluste 2018 betrugen 911 Millionen Dollar bei einem Umsatz von 2,2 Milliarden Dollar. 2017 lag das Minus noch bei rund 690 Millionen Dollar bei einem halb so hohen Umsatz. Nicht nur der Umsatz, auch der Marktanteil in den USA wächst, teilt Lyft im Börsenprospekt mit. Im Jahr 2016 habe er noch 22 Prozent betragen, aktuell liege er bei 39 Prozent. Die Daten wurden vom japanischen E-Commerce-Konzern Rakuten ermittelt, der mit 13 Prozent größter Anteilseigner und seit dem Jahr 2015 an Bord ist.  

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Bei aller Wachstumseuphorie bleibt das Risiko hoch. Das Management rund um die beiden Gründer Logan Green und John Zimmer warnt, dass Lyft auf Jahre hin nicht profitabel sein wird. Denn das Wachstum kostet viel Geld. Lyft stemmt hohe Kosten für Marketing, um Marktanteile zu gewinnen. Die „Financial Times“ zitiert einen Investor, der von einer „Langzeit-Wette“ spricht.

Das Wettrennen um die Spitzenposition 

Es ist nicht nur eine riskante Wette für die Investoren, es ist auch ein Wettrennen zwischen Lyft und Uber. Im April will Uber den Sprung an die Börse wagen. Eines haben viele der digitalen Umwälzungen der vergangenen Jahre gemeinsam: Sie funktionieren nach dem „The winner takes it all“-Prinzip. Wer den Wettlauf gewinnt, kann einen ganzen Markt gestalten. Wo sind die mächtigen Konkurrenten für Facebook, die Suchmaschine Google oder den Online-Riesen Amazon?

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Uber-Gründer Travis Kalanick: Investoren haben Druck gemacht

Im Moment liegt Uber noch vor Lyft. Anders als Lyft agiert Uber global und ist bereits in rund 60 Ländern aktiv. Erst am Dienstag stemmte Uber einen Milliardenkauf im Nahen Osten. Lyft ist lediglich in den USA und Kanada tätig. Ubers Marktwert ist fast sechsmal so hoch. Fachleute bewerten Uber mit bis zu 120 Milliarden Dollar. Damit würde sich Uber in einer Größenordnung bewegen, die Volkswagen und Daimler zusammen mit ihrer Marktkapitalisierung erreichen. 2018 waren die Uber-Verluste zwar in etwa so hoch wie beim Konkurrenten. Verglichen mit dem Umsatz von 11,3 Milliarden Dollar sieht die Bilanz aber besser aus.

Für Lyft dürfte es vorteilhaft sein, dass die Marke nicht skandalbehaftet ist. Uber hat den Ruf, die Expansion rücksichtslos voranzutreiben. Nach Sexismusvorwürfen, Berichten über Aggressivität am Arbeitsplatz und unfairen Arbeitsbedingungen musste Chef und Gründer Travis Kalanick auf Druck der Investoren zurücktreten.

Erst fährt der Fahrer, dann der Automat

Die Leute von Lyft gelten eher als freundliche Kapitalisten, die auch mal von Werten reden, nicht nur von Preisen. Soziale Einrichtungen sind beide Konzerne nicht. Wie bei Uber sind auch die Lyft-Fahrer „unabhängige Vertragspartner“, keine Angestellten. Um für Kunden attraktiv zu sein, ist der billige Fahrpreis entscheidend. Die Fahrer klagen, dass ihr Verdienst trotz vieler Stunden Arbeit kaum zum Leben reicht und die Zahlungen immer weiter gekürzt würden.

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Dreharbeiten des Martin-Scorsese-Films "Taxi Driver": "Fahrer so bald wie möglich durch Automaten ersetzen"

In Deutschland funktionieren die Geschäftsmodelle Ubers und Lyfts (noch) nicht, da die gesetzlichen Regelungen des Personenbeförderungsgesetzes beispielsweise vorsehen, dass Taxifahrer eine Lizenz brauchen und Fahrgäste versichert sein müssen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer will Fahrdienste allerdings bis 2021 zulassen.

Aber wie es sich für echte Tech-Konzerne aus dem Silicon Valley gehört, gehen die Pläne längst viel weiter, als die Ideen des CSU-Verkehrsministers. Ziel ist es, die Fahrer so bald wie möglich durch Automaten zu ersetzen. Wer beim autonomen Fahren vorne liege, werde langfristig vorne liegen, teilt das Lyft-Management im Börsenprospekt mit. Und Ubers Vision? Gemeinsam unter anderem mit der NASA arbeitet man am fliegenden Taxi. Im Jahr 2023 soll der Dienst an den Start gehen.

    

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Wen macht der Lyft-Börsengang reich?

Lyft-Gründer Logan Green und John Zimmer

Lyft-Gründer Logan Green und John Zimmer
Lyft wird mit dem Börsengang mehr als zwei Milliarden Dollar einsammeln. Weitere Aktienemissionen werden folgen. Insgesamt wird der Wert des Unternehmens auf rund 25 Milliarden Dollar geschätzt, da Lyft die Preisspanne für die Aktie von zuvor 62 bis 68 Dollar auf 70 bis 72 Dollar je Stück erhöht hat. Bei einem Preis von 68 Dollar je Aktie hätte der Wert des Anteils Logan Greens rund eine halbe Milliarde Dollar betragen, bei John Zimmer wären es knapp 400 Millionen Dollar gewesen. Jetzt wird es mehr sein.

Aber beiden Gründern geht es keineswegs nur um Milliarden. Sie wollen trotz des Börsengangs die Kontrolle über das Unternehmen behalten. Es wird deshalb verschiedene Aktiengattungen mit verschiedenen Rechten geben. Die Anteile der Gründer werden im Rahmen des IPOs mit jeweils 20 Stimmen ausgestattet. Die beiden sollen gemeinsam rund sieben Prozent des Kapitals halten, sodass ihnen ein 20-faches Stimmrecht die Mehrheit sichern würde. Facebook-Boss Mark Zuckerberg hatte einst den gleichen Trick angewandt.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. März 2019 um 11:41 Uhr.

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