Neues Lufthansa Design

Quartalszahlen Lufthansa wieder im Steigflug

Stand: 31.07.2018 10:46 Uhr

Nach dem Jubeljahr 2017 hat die Lufthansa in diesem Jahr mit einigen Problemen zu kämpfen: Flugausfälle und der Ausbau von Eurowings kommen die Fluglinie derzeit teuer zu stehen. Die jüngsten Zahlen sind aber ermutigend.

Von Thomas Spinnler, boerse.ARD.de

Im vergangenen Jahr gehörte die Lufthansa zu den großen Stars an der Börse. Das Lufthansa-Papier sprang 2017 um fantastische 150 Prozent nach oben und beendete das Jahr als erfolgreichster Dax-Wert. Bis auf ein Rekordhoch im Januar dieses Jahres bei mehr als 31 Euro katapultierten die Investoren die Aktie nach oben. Und um die Sache abzurunden, beglückte die Lufthansa auch noch mit einem Rekordgewinn.

Dass es in diesem Tempo nicht weitergehen würde, dürfte den meisten klar gewesen sein. Es folgte ein Sturzflug. Zuletzt kosteten Lufthansa-Titel nur noch knapp über 20 Euro. Heute führen sie mit einem stattlichen Plus den Dax an.

Mehr Gewinn in schwierigem Umfeld  

Die aktuellen Zahlen zum ersten Halbjahr dürften einige Investoren wieder mit der Kranichlinie versöhnen, denn sie fielen besser aus als Fachleute prognostiziert hatten. Die Lufthansa erwirtschaftete einen Umsatz von 16,9 Milliarden Euro. Der Nettogewinn legte leicht um 0,7 Prozent auf 677 Millionen Euro zu. Das operative Ergebnis, eine besonders wichtige Erfolgskennziffer, sank allerdings um rund drei Prozent auf etwas mehr als eine Milliarde Euro.

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Zum einen schlugen sich Flugausfälle und Verspätungen in höheren Kosten nieder. Fluglotsenstreiks, Flugausfälle aufgrund schwieriger Witterungsbedingungen und Probleme mit Sicherheitskontrollen an Flughäfen belasteten. Und nicht zuletzt der gestiegene Kerosinpreis ist richtig teuer für die Lufthansa. Und das dürfte vorerst auch so bleiben.  

Das größte Problem: Der Ölpreis

Im vergangenen Jahr war die Flugbranche durch einen Faktor begünstigt, den selbst das beste Management nur begrenzt beeinflussen kann: Der niedrige Ölpreis. Das aktuell deutlich höhere Niveau ist natürlich nicht nur für die Lufthansa ein Problem, es betrifft alle Branchenmitstreiter.

Deutsche Lufthansa vs. WTI
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Entwicklung des Ölpreises und der Lufthansa-Aktie

Die internationale Luftfahrtindustrie schraubt vor allem deshalb die Gewinnerwartungen für 2018 Jahr herunter. Das noch im Dezember vorhergesagte Rekordergebnis von 38,4 Milliarden Dollar werde 2018 voraussichtlich nicht erreicht, sagte der Chef des Branchenverbandes IATA, Alexandre de Juniac. Die IATA senkte die Prognose gleich um zwölf Prozent auf 33,8 Milliarden Dollar.

Fast eine Milliarde Mehrkosten

Die IATA geht für 2018 mit einem durchschnittlichen Ölpreis von 70 Dollar pro Barrel (159 Liter) aus. Die bisherige Prognose betrug 60 Dollar, im Vorjahr waren es sogar nur 54,90 Dollar. Aktuell kostet ein Barrel der Sorte WTI tatsächlich knapp 70 Dollar. Der Ölpreis werde zunehmend zur Belastung für die Airlines, schreibt Barclays Analystin Rishika Savjani in einer aktuellen Branchenstudie.   

Bei der Lufthansa dürften die Treibstoffkosten im laufenden Jahr statt auf 5,8 Milliarden auf 6,0 Milliarden Euro klettern. Das sind 850 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.

Integration ist teuer

Carsten Spohr
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Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Aber die Lufthansa hat auch mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen. Die Expertin Savjani nennt insbesondere die gestiegenen Integrationskosten nach der Übernahme von Teilen von Air Berlin und Brussels Airline in Lufthansas Billigtochter Eurowings. "Wir haben in den letzten Monaten Wachstum vor Profitabilität stellen müssen, um Marktanteile zu sichern", hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr auf der HV im Mai gesagt.

Die Branchenkonsolidierung dürfte auch in diesem Jahr weitergehen. Welche Rolle wird Eurowings dabei spielen? "Ich werde nichts ausschließen, aber noch mal: Im Moment stehen keine weiteren Zukäufe auf unserer Liste", hatte Eurowings-Chef Thorsten Dirks jüngst der "Süddeutschen Zeitung" gesagt. Eurowings habe schnell und stark zugelegt und benötige jetzt erst einmal Zeit, die Flugbetriebe zu integrieren und zu harmonisieren. Der europäische Luftverkehr stehe erst am Beginn einer Konsolidierung. "Da wird noch mehr kommen."

Die Kosten für die Integration von Air Berlin dürften sich im laufenden Jahr auf rund 170 Millionen Euro belaufen, teilte das Management mit. Im ersten Halbjahr lag der operative Verlust der Lufthansa-Tochter bei 199 Millionen Euro. Im Gesamtjahr werden die Zahlen rot bleiben. Erst 2019 soll die Gesellschaft wieder profitabel sein.

Dabei könnten steigende Ticketpreise helfen. Im ersten Halbjahr legten die Durchschnittserlöse währungsbereinigt um 1,3 Prozent zu. Auch für das Gesamtjahr rechnet die Lufthansa jetzt mit einem leichten Anstieg. Bisher hatte die Konzernspitze für 2018 insgesamt eine Stagnation erwartet.

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Die Geschichte der Lufthansa in Bildern

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Lufthansa Rohrbach Roland I, 1926
In den 20er Jahren war das Fliegen nicht immer besonders bequem, aber dafür recht exklusiv. Nur besonders Vermögende konnten es sich leisten, mit dem Flugzeug zu reisen.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 31. Juli 2018 um 09:00 Uhr und 12:00 Uhr.

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