Ulrik Svensson

Airline in der Krise Lufthansa-Finanzchef tritt zurück

Stand: 06.04.2020 08:32 Uhr

Mitten in der Corona-Krise verliert die Lufthansa ihren seit Januar 2017 amtierenden Finanzchef. Zudem verdichten sich die Gerüchte über einen möglichen Einstieg des Staates bei der Airline.

Wie die Lufthansa am Wochenende mitteilte, legt der 59-jährige Ulrik Svensson mit Wirkung zum 6. April - also am heutigen Montag - sein Mandat aus gesundheitlichen Gründen nieder. Der Aufsichtsrat werde zeitnah über eine Nachfolgelösung beraten und entscheiden. Nähere Angaben macht das Unternehmen nicht. Der Schwede war seit Januar 2017 Vorstandsmitglied.

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Lufthansa-Flugzeuge am Boden

Lufthansa ist wie alle anderen Fluggesellschaften schwer von den Folgen der Corona-Pandemie getroffen. Der Konzern hat nahezu die gesamte Flotte stillgelegt, Zehntausende Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt und wirbt um milliardenschwere Staatshilfen. Zuletzt hatte das Unternehmen Verhandlungen über verschiedene Beteiligungsformen des Staates bestätigt. Trotz der Turbulenzen hatte sich Svensson Mitte März überzeugt gezeigt, dass "die Lufthansa auch nach Corona noch fliegen und als Gewinner aus der Krise hervorgehen wird".

Frachtverkehr leidet ebenfalls

Derweil hat der Einbruch im Passagierverkehr auch gravierende Auswirkungen auf den Frachtbetrieb. Denn rund die Hälfte aller per Luftfracht versendeten Waren wird in Passagiermaschinen mittransportiert, heißt es vom Bundesverband der deutschen Luftverkehrswirtschaft.

"Im Prinzip kann man sagen, dass uns rund die Hälfte unserer Angebotsmenge im Frachtverkehr weggebrochen ist", sagte ein Sprecher von Lufthansa Cargo. Zwar gehe gleichzeitig auch das Frachtvolumen zurück - aber in deutlich geringerem Umfang. Bei der größten europäischen Frachtfluggesellschaft seien die 17 reinen Frachtmaschinen derzeit deshalb im Dauereinsatz.

Geht der Lufthansa das Geld aus?

Um die Kapazitätsengpässe aufzufangen, würden nun auch ungenutzte Passagierflugzeuge für den Warentransport eingesetzt. "Dies kann man aber nur als Notlösung betrachten", sagte der Sprecher. Mit diesen Flugzeugen könne nur ein Drittel der Menge bei sonst ähnlichen Kosten transportiert werden. Dass der Verkehr aus China zuletzt wieder zugenommen habe, bestätigte er auch für sein Unternehmen.

Weil nur noch fünf Prozent der ursprünglich geplanten Flüge stattfinden, droht der Lufthansa das Geld auszugehen. Zwar verfügt das Unternehmen eigenen Angaben zufolge über eine Liquidität von fünf Milliarden Euro, doch der Bedarf für das laufende Jahr wird auf neun bis zehn Milliarden Euro geschätzt. Damit dürfte es der Lufthansa schon bald an dem nötigen Geld mangeln.

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Steigt der Staat wieder ein?

Experten gehen davon aus, dass es bis mindestens Ende des Jahres oder gar bis Ostern 2021 dauert, bis die Luftfahrtbranche halbwegs zur Normalität zurückgekehrt sein wird. Ohne Hilfe des Staates dürften viele Airlines die Krise also nicht überleben. Ob auch die Lufthansa nach ihrer Privatisierung Mitte der 90ger Jahre, wieder teilverstaatlicht wird steht noch nicht fest, wenn gleich viele Fachleute ein solches Szenario für unvermeidlich halten.

Weder die Lufthansa noch das Bundeswirtschaftsministerium wollen sich zum aktuellen Stand der Gespräche äußern. Noch gebe es keine Entscheidung, erst soll alles andere versucht werden, um die Liquidität zu sichern, hieß es.

lg

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete die "Hessenschau" am 04. April 2020 um 19:30 Uhr.

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