Lufthansa-Maschinen am Frankfurter Flughafen |
Analyse

Aktionärsversammlung der Lufthansa Hauptsache keine Insolvenz

Stand: 25.06.2020 12:57 Uhr

Mit der Zustimmung von Großaktionär Heinz Hermann Thiele scheint eine drohende Insolvenz der Lufthansa nun vom Tisch. Ist das gut oder schlecht für die Zukunft der Airline?

Von Lothar Gries, boerse.ARD.de

Das Management der Lufthansa hatte frühzeitig gewarnt: Sollte Großaktionär Heinz Hermann Thiele, der 15,5 Prozent der Anteile besitzt, seine Zustimmung verweigern, sei die Airline am Ende und müsse Insolvenz anmelden. In diesem Fall drohe "zeitnah zur Hauptversammlung ein insolvenzrechtliches Schutzschirmverfahren", machte der Konzern unmissverständlich klar.

Für die Regierung ein Horrorszenario, ist sie doch überzeugt, dass eine Exportnation wie Deutschland auf eine heimische Fluggesellschaft angewiesen ist. Damit gilt die Lufthansa als systemrelevant und genießt einen ähnlichen Schutzstatus wie die Deutsche Bank. Eine Pleite muss also um jeden Preis verhindert werden.

Zugriff aus dem Ausland

Tatsächlich hätten Konkurrenten wie Air France oder KLM kaum ein Interesse daran, in Frankfurt oder München ein neues Drehkreuz aufzubauen. Dazu sind ihre Heimatbasen zu nahe und die Kosten zu hoch. Damit wäre das bevölkerungsreichste und wirtschaftsstärkste Land in Europa schlechter an den Rest der Welt angebunden als andere Staaten - mit entsprechenden Folgen für die eine auf den Export ausgerichtete Volkswirtschaft.

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Auch wurden Befürchtungen laut, staatlich getragene Airlines aus dem Ausland könnten im Fall einer Insolvenz ihre Hand nach dem Traditionskonzern ausstrecken, galt die Lufthansa doch vor der Corona-Krise als ein gesundes und gut geführtes Unternehmen.

Chance für einen Neuanfang

Dass der Bund eine Insolvenz der Lufthansa auf jeden Fall vermeiden wollte, hat natürlich auch mit einem handfesten finanziellen Interesse zu tun. Denn im Gegensatz zur Rettung der Commerzbank, die sich bis heute als teure Verlustaktion erwiesen hat, will der Fiskus diesmal Geld verdienen.

Wie sonst ist zu erklären, dass der Staat Aktien zum Sonderpreis von 2,56 Euro erwerben will, während die Lufthansa-Papiere an der Börse rund 10,00 Euro wert sind. Im Fall einer Insolvenz hätten die Aktionäre, also der Bund, Heinz Hermann Thiele und zahlreiche Privatanleger, ihr Geld wohl verloren.

Ein insolvenzrechtliches Schutzschirmverfahren hätte aber auch die Chance für einen kompletten Neuanfang bei der Lufthansa bedeutet.

Radikal verkleinern

Dabei hätte das Management unter Aufsicht eines Sachwalters weiter die Geschäfte führen können, das Unternehmen hätte sich alter Schulden entledigen und Tarifverträge neu verhandeln können. Alle vor der Insolvenz gebuchten Tickets hätten allerdings ihre Gültigkeit verloren.

Zudem hätte der neue Eigentümer die Lufthansa radikal verkleinern, aber schlagkräftiger aufstellen können, vermuten Experten. Doch genau diese Perspektive deutet sich auch jetzt an, ganz ohne Insolvenz. Die größten Opfer bringen dabei die Mitarbeiter.

Heinz Hermann Thiele |

Heinz Hermann Thiele, Knorr Bremse

Mit der Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verständigte sich die Lufthansa nun auf ein Sparpaket. Nach UFO-Angaben birgt es bis Ende 2023 ein Einsparpotenzial von mehr als 500 Millionen Euro, etwa durch einen Verzicht auf Lohnerhöhungen und reduzierte Flugstunden.

"Zähneknirschend zustimmen"

"Mit dem jetzt beschlossenen Krisenpaket kann das Unternehmen für die 22.000 Kabinenmitarbeiter der Deutschen Lufthansa AG betriebsbedingte Kündigungen für den Zeitraum der Krise vermeiden", erklärte die Lufthansa. Die UFO-Mitglieder müssen aber noch zustimmen. Eine Einigung mit der Piloten-Vereinigung Cockpit (VC) und der Gewerkschaft Verdi steht noch aus.

Damit ist der Rückbau der Lufthansa aber noch lange nicht erledigt. "Uns Aktionären bleibt nichts anders übrig, als der Kapitalerhöhung zähneknirschend zuzustimmen", erklärte Deka-Managerin Vanessa Golz. "Die staatlichen Finanzhilfen für die Lufthansa sind notwendig. Als Exportnation ist Deutschland auf eine funktionierende Luftfahrtgesellschaft angewiesen." Es müsse aber schnellstens ein Zukunftskonzept für eine verkleinerte Lufthansa auf den Tisch.