Lufthansa-Maschinen am Frankfurter Flughafen

Coronafolgen für Airlines Massiv in der Krise

Stand: 19.03.2020 12:26 Uhr

Die Ausbreitung des Coronavirus gefährdet die Zukunft der gesamten Luftfahrtbranche. Lufthansa-Chef Carsten Spohr spricht längst offen über Staatshilfe. Aber im Vergleich zur Konkurrenz sieht Spohr sein Unternehmen im Vorteil. Wird die Lufthansa letztlich von der Krise profitieren?

Der Nachfrageeinbruch könnte die Luftfahrtbranche in diesem Jahr eine dreistellige Milliardensumme an Umsatz kosten, hatte der Branchenverband IATA vor einigen Tagen geschätzt. Voraussichtlich gingen den Airlines im Passagiergeschäft Erlöse von 63 bis 113 Milliarden US-Dollar (56 bis 100 Milliarden Euro) verloren. Das wäre ein Einbruch um 19 Prozent - vergleichbar mit den Folgen der weltweiten Finanzkrise 2008/2009.

Daniel Roeska, Luftfahrtexperte beim Analysehaus Bernstein, rechnet damit, dass der Luftverkehr vorerst um 70 bis 80 Prozent kollabiert. Aktuellen Zahlen zufolge sind seit Ende Januar laut IATA wegen der Ausbreitung des Coronavirus mehr als 185.000 Passagierflüge gestrichen worden.

Weitere Kursinformationen zu Lufthansa

Zukunft der Lufthansa ist ungewiss
tagesschau 20:00 Uhr, 19.03.2020, tagesschau 20:00 Uhr

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Es geht ums Überleben

Allerdings ist angesichts der sich ständig verschärfenden Lage jetzt bereits klar, dass es dabei wohl nicht bleiben wird. Die Krise ist schon jetzt so gravierend, dass viele Fluggesellschaften sich am Rande der Pleite bewegen werden.

Der Weltluftfahrtverband fordert deshalb von den Regierungen Kreditlinien und Steuererleichterungen, um die Fluggesellschaften zu stützen. "Ohne einen Rettungsring von den Regierungen kommt zum Gesundheitsnotstand obendrein noch eine Finanzkrise der Branche", warnt IATA-Generaldirektor Alexandre de Juniac.

Carsten Spohr
galerie

Lufthansa-Chef Carsten Spohr: Braucht Staatshilfe bei längerer Krise

Das sieht auch Nord/LB-Experte Wolfgang Donie so: Europas gesamte Luftfahrtindustrie kämpfe wegen der Corona-Krise ums Überleben, schreibt er in einer aktuellen Studie. Donie rechnet, wie viele Kollegen, damit, dass die Branche mit Staatshilfen gestützt werden müsse. Es geht, wie bei der Konkurrenz, auch bei der Lufthansa vor allem darum, die Turbulenzen zu überstehen. Und die Chancen auf eine bessere Zukunft sind womöglich gar nicht so schlecht für Europas größte Airline.     

"Ein schlimmer Sommer"

Doch leicht wird es nicht. Der Lufthansa stehe wegen der Corona-Krise ein schlimmer Sommer bevor, stellt Michael Kuhn, Analyst bei der französischen Großbank Société Générale, fest. Da die Einnahmen aufgrund der Reisebeschränkungen derzeit massiv schrumpfen, geht es zunächst bei allen Airlines insbesondere darum, Kosten zu sparen und die Zahlungsfähigkeit zu erhalten. Vorstandschef Carsten Spohr kündigte jüngst an, die Dividende in diesem Jahr zu  streichen. Das wird natürlich nicht reichen, auch Spohr scheint über Staatshilfe nachzudenken.

Ferner hat sich die Fluggesellschaft deshalb neue Kredite in Höhe von 600 Millionen Euro gesichert, hatte das Unternehmen in einer Ad-hoc-Mitteilung am vergangenen Freitag mitgeteilt. Damit verfüge der Konzern über flüssige Mittel von rund 4,3 Milliarden Euro, hieß es weiter. Hinzu kämen ungenutzte Kreditlinien von rund 800 Millionen Euro. Die Finanzverschuldung der Airline beläuft sich auf 4,3 Milliarden Euro.

Lufthansa
galerie

Lufthansa: Robuster als andere

Als positiven Faktor unterstreicht Luftfahrtexperte Kuhn, dass die Lufthansa mit Blick auf den Flottenanteil im Eigenbesitz in Europa führend sei. Das öffnet weitere Möglichkeiten, die der Konzern längst erkannt hat: Auch Flugzeugfinanzierungen will das Management nutzen: 86 Prozent der rund 780 Flugzeuge starken Flotte befänden sich im Eigentum der Lufthansa, davon seien knapp 90 Prozent unbelastet von Krediten. Das entspreche einem Buchwert von zehn Milliarden Euro.

"Auf jeden Fall länger"  

Aber je länger die Krise andauere, desto wahrscheinlicher werde es, dass die Zukunft der Luftfahrt ohne staatliche Hilfe nicht gewährleistet werden könne, teilte Spohr heute mit. Trotzdem verbreitet der Chef sozusagen gedämpften Optimismus: Spohr meinte jüngst, die Lufthansa könne die schwierige Situation finanziell "auf jeden Fall länger" durchstehen als andere Airlines. Droht der Branche eine Art Ausscheidungsrennen?  

Die dramatische Situation werde wohl zu einer Marktkonsolidierung führen, die bereits seit Jahren erwartet werde, meint Wolfgang Donie. Langfristig dürfte die Lufthansa als starke Airline davon profitieren, prognostiziert der Nord/LB-Experte. Denn wenn die Konkurrenz strauchelt oder gar stürzt, bieten sich im engen, von Preiskämpfen geprägten Markt für die Verbleibenden bessere Chancen. Allein im vergangenen Jahr gingen mehr als 20 Airlines pleite.

Gewinn 2019 halbiert

Auch die Lufthansa hat zu kämpfen. Im vergangenen Jahr sank der Gewinn das zweite Jahr in Folge. Er halbierte sich fast auf 1,2 Milliarden Euro. Immerhin kletterte der Umsatz um 2,5 Prozent auf 36,4 Milliarden Euro. Die bereinigte operative Marge sank auf 5,6 von acht Prozent. Als Gründe führte die Lufthansa höhere Treibstoffkosten, eine schwächere Nachfrage wegen des Konjunkturabschwungs und Preisdruck durch den scharfen Wettbewerb in Europa an.

Angesichts der Coronakrise wagt das Unternehmen keine Prognose für das laufende Jahr. Zumindest heute sind die Anleger nach den jüngsten Kursverlusten optimistisch. Die Aktie steigt um rund acht Prozent.

ts

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. März 2020 um 11:30 Uhr.

Darstellung: