EZB-Gebäude  | Bildquelle: AFP

EZB-Entscheidung Leitzins bleibt bei 0,0 Prozent

Stand: 07.03.2019 16:34 Uhr

Die Zinswende in der Eurozone lässt weiter auf sich warten. Zumindest bis Ende des Jahres will die EZB an dem Nullzins festhalten. Zudem bekommen die Geschäftsbanken neue Kredite, um die Konjunktur anzuschieben.

Wie erwartet bleibt die europäische Geldpolitik im Krisenmodus. Während die amerikanische Notenbank Fed ihren Leitzins schrittweise erhöht hat, verharrt dieser in der Eurozone auf absehbare Zeit bei Null. Zumindest bis Jahresende will die EZB ihren Leitzins unverändert lassen, wie die Notenbank am Donnerstag mitteilte.

Bislang hatten die Währungshüter nur bis mindestens zum Ende des Sommers signalisiert, die Zinsen nicht anzutasten. Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.

Keine Überraschung

Tatsächlich bleibt die Inflationsrate mit zuletzt 1,9 Prozent im Zielkorridor der von den Notenbankern angestrebten Preisstabilität. Auch deuten die Konjunkturindikatoren auf eine deutliche Abkühlung der europäischen Wirtschaft hin. Die großen Forschungsinstitute haben ihre Vorhersagen längst heruntergeschraubt.

Weitere Kursinformationen zu Euro in US-Dollar

Unter diesen Bedingungen kommt die Entscheidung der EZB, den Leitzins bis auf weiteres unangetastet zu lassen, nicht überraschend. Ökonomen deuten zudem darauf hin, dass sich nur mit niedrigen Zinsen die ausufernden Staatsschulden in der EU finanzieren und damit die Eurozone zusammenhalten lasse.

Neue Darlehen für die Banken

Mehr noch: Um sich gegen den drohenden Abschwung im Euro-Raum zu stemmen, sollen die Geschäftsbanken neue Geldspritzen in Form von vergünstigten Langfristkrediten, TLTRO genannt, erhalten. Die Euro-Wächter stellten am Donnerstag eine Neuauflage dieser Darlehen in Aussicht.

Von den Geldsalven dürften vor allem die italienischen Banken profitieren, da sie noch immer 240 Milliarden fauler Kredite in ihren Büchern stehen haben und sich deshalb dringend refinanzieren müssen. Die neuen Geldspritzen sollen eine Laufzeit von zwei Jahren haben und ab September 2019 ausgegeben werden.

Weitere Kursinformationen zu Dax

Auch Anleihen im Bestand

Eine erste Serie von Krediten hatte die Notenbank bereits im Juni 2014 beschlossen, eine zweite im März 2016. Banken in Italien, Spanien und Frankreich griffen verstärkt zu.

Die EZB will zudem auch nach einer Zinswende noch für längere Zeit fällig werdende Anleihen aus ihrem Bestand ersetzen. Die Euro-Wächter bleiben damit ein großer Akteur am Anleihenmarkt. Ihre auf mehr als 2,6 Billionen Euro angeschwollenen Wertpapierkäufe hatten sie im Dezember eingestellt. Die Käufe waren in den vergangenen Jahren ihr zentrales Instrument gegen eine aus ihrer Sicht zu geringe Inflation.

lg

1/6

Das sagen Experten

Friedrich Heinemann

Friedrich Heinemann, ZEW-Ökonom
"Die EZB hat heute aktenkundig gemacht, was sich in den vergangenen Monaten bereits abgezeichnet hat. Die Zinswende wird zunächst einmal vom Herbst 2019 auf Anfang 2020 verschoben. De facto handelt es sich jedoch eher um einen Aufschub auf unbestimmte Zeit. Angesichts hoher ökonomischer Risiken und wachsender fiskalischer Unvernunft in wichtigen Hauptstädten der Eurozone ist die EZB nicht mehr frei in ihren Entscheidungen. Die Eurozone ist auf dem Weg in ein ungesundes Szenario der fiskalischen Dominanz. Die Geldpolitik muss dabei die Zinsen niedrig halten, um den Schaden einer unverantwortlichen Fiskalpolitik und fehlender nationaler Reformen für das Wachstum zu begrenzen.
 
Leider hat die EZB auch erneut zum problematischen Instrument sehr langfristiger Kredite für Europas Banken gegriffen. Damit erhärtet sich die Vermutung, dass im Zentralbankrat eine große Sorgen um die Überlebensfähigkeit von Kreditinstituten in Südeuropa besteht. Dieses Handeln nährt außerdem den Verdacht, dass die EZB nicht nur Geldpolitik für die Eurozone, sondern auch Bankenrettungspolitik für einzelne nationale Märkte betreibt."

Quelle: boerse.ard.de
Darstellung: