Nachhaltige Produktion

Lego will grüner werden

Stand: 03.09.2019 14:05 Uhr

Mit Harry Potter, Star Wars und neuen Läden sucht Lego einen Weg aus der Krise. Doch an einem Problem verzweifelt der Bauklötzchen-Riese: der Produktion eines Lego-Steins auf nachhaltiger Basis.

Von Angela Göpfert, boerse.ARD.de

An Selbstbewusstsein mangelt es Lego-Chef Niels Christiansen jedenfalls nicht. Ja, man habe im ersten Halbjahr weniger verdient. Der Nettogewinn schmolz um 12,2 Prozent auf 2,67 Milliarden dänische Kronen.

Doch das sei eine "ganz bewusste Entscheidung" gewesen. Man habe mehr Geld in die Hand genommen um zu expandieren, betonte Christiansen am Dienstag anlässlich der Präsentation der Halbjahreszahlen.

Bis Ende 2019 wollen die Dänen weltweit mehr als 160 neue Läden eröffnen. Nach 2018 dürfte somit auch 2019 ein Übergangsjahr für Lego werden.

Nach dem Gewinneinbruch 2017 hatte der Spielzeughersteller im vergangenen Jahr zwar dank der steigenden Nachfrage in China und des großen Interesse an seinen Harry-Potter- und Star-Wars-Welten die Wende geschafft, war aber unter seinen Rekordwerten aus den Jahren 2015 und 2016 geblieben.

Reingewinn der Lego-Gruppe 2013-2018

In der magischen Harry-Potter-Welt verspricht der "Stein der Weisen" seinem Besitzer ewiges Leben und unermesslichen Reichtum. Auch Lego ist auf der Suche nach seinem ganz persönlichen "Stein der Weisen". Grün muss er sein. So viel steht fest.

Das Schloss Hogwarts von Lego

Lego hat es sich nämlich selbst zum Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu sein. Zu diesem Zweck hat Lego bereits 2015 eine Milliarde dänische Kronen in das neu gegründete Forschungszentrum "Lego Sustainable Materials Centre" investiert.

Nur wenige Monate zuvor hatte Lego aus Angst um sein "Saubermann-Image" seine bis in die 1960er Jahre zurückreichende Kooperation mit dem Ölkonzern Shell beendet. Greenpeace hatte den Spielzeughersteller mit einem Video zum Untergang einer Legolandschaft mit Ölplattform massiv unter Druck gesetzt.

Doch auch heute noch, vier Jahre nach Gründung des Forschungszentrums, ist Legos ökologischer Fußabdruck riesig. 2017 lag der CO2-Ausstoß von Lego bei 1,1 Millionen Tonnen. Hauptproblem: Seit 1963 werden die Lego-Steine aus dem erdölbasierten Kunststoff Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymere (ABS) gefertigt.

Greenpeace-Demonstration vor einer Shell-Tankstelle

Das war übrigens nicht immer so: In den Anfangsjahren ab 1949 produzierte Lego seine Steine noch aus dem Biokunststoff Celluloseacetat.

Celluloseacetat ist ein Derivat des Naturstoffes Cellulose – ein natürliches Biopolymer aus Zuckermolekülen, Baumwolle besteht zu 95 Prozent daraus. Celluloseacetat wird somit zu den Biokunststoffen gerechnet, ist allerdings biologisch nur schwer abbaubar.

Bislang hat Lego auf seinem persönlichen Weg zum "grünen Stein der Weisen" nur geringe Erfolge vorzuweisen. Immerhin: Seit 2018 fertig Lego biegsame botanische Elemente wie Blätter, Büsche und Bäume aus pflanzlichem Kunststoff. Dieser wird aus Zuckerrohr gewonnen.

Doch für die harten Lego-Stein gelten andere Anforderungen: Sie müssen fest zusammenklicken, aber auch leicht wieder voneinander lösbar sein. Steine auf Mais-Basis erwiesen sich als zu weich. Steine auf Weizenbasis absorbierten die Farbe nicht gleichmäßig und hatten zu wenig Glanz. Kann Hanf hier eine Alternative sein?

Lego-Plastikbäumchen auf Zuckerrohrbasis

Nutzhanf oder Industriehanf hat nur einen sehr geringen Anteil der für ihre berauschende Wirkung bekannten Substanz THC, verfügt dafür aber als Baustoff über viele Vorteile: Nutzhanf ist biologisch abbaubar, verbessert die Qualität der Erde, in der er wächst, braucht wenig Dünger und Wasser, ist einer der effektivsten CO2-Speicher der Welt – und in der Bioplastik-Variante extrem haltbar.

Das wusste übrigens schon Henry Ford, der 1941 einen Auto-Prototypen entwickelte, dessen Karosserie aus Hanf- und Soja-Materialien bestand. Der amerikanische Autohersteller warb für sein "Hemp Car" damit, dass "Hanf-Plastik" zehnmal härter als Stahl sei.

Legendär: Henry Fords Hanf-Auto

Laut Branchenkennern könnten Hanf-Materialien auch beim Lego-Stein der Zukunft eine Rolle spielen. Mit ihren Problemen bei der Suche nach plastikfreien Alternativen stehen die Dänen derweil nicht alleine da. Wie das "Wall Street Journal" berichtete, kooperiert Lego mit großen börsennotierten Konzernen wie McDonald's, Coca-Cola, Nestlé und Procter & Gamble, um gemeinsam das Plastikproblem zu lösen.

Große Konzerne wollen gemeinsam das Plastikproblem angehen

Dem Markt für Biokunststoffe wird eine große Zukunft vorhergesagt. Auch in Deutschland wird auf diesem Gebiet viel geforscht. Im Rahmen der Nationalen Forschungsstrategie Bioökonomie 2030 haben sich allein im Cluster Biopolymere/Biowerkstoffe rund 150 Unternehmen und 40 Forschungseinrichtungen zusammengetan, um Kunststoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe herzustellen, heißt es aus dem Bundesforschungsministerium.

Gehört der Lego-Stein, mit dem Generationen von Kindern groß geworden sind, also tatsächlich schon bald der Vergangenheit an? Das ist, Stand 2019, noch reine Fiktion. Apropos Fiktion: Bei Harry Potter bekam am Ende nur derjenige den "Stein der Weisen", der ihn lediglich finden wollte. Wer ihn dagegen für seine eigenen Interessen benutzen wollte, für den war er unerreichbar.