Geschlossener Kodak-Laden in Atlanta, Georgia

Kodaks Fehlentscheidung Ins digitale Abseits geschossen

Stand: 03.09.2018 06:45 Uhr

Kodak galt jahrzehntelang als Inbegriff für Foto und Film. Doch das Management unterschätzte die Digitalisierung. Dabei hatte es das Gerät, das alles veränderte, schon in der Hand. Es ist die Geschichte einer der spektakulärsten Fehlentscheidungen der Wirtschaftsgeschichte.

Es ist eine faszinierende Vorstellung, dass eine einzige Fehlentscheidung Weltreiche stürzen, oder ein Unternehmen in den Ruin treiben kann. Oftmals ist es aber doch eher eine Kette von Fehlern und falschen Einschätzungen, sodass es dem Management nicht gelingt, die erforderlichen Veränderungsprozesse einzuleiten. Und wenn die Unternehmensleitung kein Glück hat - und dann auch noch Pech dazu kommt - geht es schief. So wie bei Kodak.

Kodak-Balgenkamera
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Alte Werbung für Kodak-Balgenkamera

Jahrelang wurde die Begriffe Film und Kodak beinahe synonym verwandt. Eastman Kodak war einst eine der bekanntesten Marken der Welt, das Unternehmen schien unverwundbar zu sein, hatte grandiose Produkte und versorgte die Kino-, Film- und Fotoindustrie jahrzehntelang mit Innovationen. Die Liste ist beeindruckend lang.

Lukrativer Schritt in den Massenmarkt

Gegründet wurde Kodak von George Eastman im Jahr 1880. 1884 erfindet das Unternehmen beschichtete Papierstreifen, die auf einer Rolle befestigt werden. Damit ließen sich die bis dahin verwendeten Fotoplatten ersetzen. Der erste Schritt in den Massenmarkt ist getan.  

Kodak-Brownie Junior
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Kodak-Brownie Junior

Im Jahr 1900 brachte Eastman Kodak mit dem Modell „Brownie“ den ersten massentauglichen Fotoapparat für einen Dollar auf dem Markt. Eine Filmrolle kostete damals 15 Cent. Im Jahr 1928 folgte der erste Farbfilm für Amateur-Filmaufnahmen, ein Jahr später veränderte der erste Film für Kino mit Tonaufnahmen eine ganze Kunstform. Im Jahr 1962 überschritt der Umsatz erstmals die Marke von eine Milliarde Dollar. 75.000 Menschen arbeiteten damals für den Konzern.

Im Jahr 1969 gingen die vielleicht berühmtesten Bilder in der Geschichte der Fotografie um die Welt: Der Astronaut Neil Armstrong schoss mit einem Kodak-Film seine Bilder von der Mondoberfläche.

Digitalkamera erfunden – und ins Regal gestellt

Kodak Professional DC 40 Digital-Kamera 1995
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Kodak Professional DC 40 Digital-Kamera 1995

Nach den Schritten auf dem Mond wäre im Jahr 1975 beinahe der Schritt in die digitale Zukunft gelungen: Der Mitarbeiter Steven Sasson konstruierte bei Eastman Kodak die erste tragbare Digitalkamera, die Digitalbilder mit 100 × 100 Pixeln machen konnte. Wer sollte Kodak jetzt noch stoppen? Wenn der Gemeinplatz von der „Ironie der Geschichte“ einigermaßen passt, dann hier: Niemand konnte das so gut erledigen wie Kodak selbst.

Das Management entschloss sich aus Rücksicht auf das bestehende Geschäftsmodell, die digitale Idee nicht so konsequent weiterzuverfolgen, wie es erforderlich gewesen wäre. Man war der Ansicht, dass diese Innovation das lukrative Geschäft mit Filmen in Gefahr bringen würde. Deshalb machte man lieber so weiter wie bisher. Die "New York Times" zitiert den Erfinder Sasson, wonach die Firmenleitung damals gesagt haben soll: „Das ist hübsch. Aber behalte es bitte für dich.“

„Das ist hübsch! Wir machen was draus!“

Das war die falsche Antwort. Richtig wäre gewesen: „Das ist hübsch. Wir investieren jetzt kräftig in das faszinierende Produkt und wollen Marktführer werden.“ Rückblickend wissen wir mehr, aber damals war das Produkt noch weit entfernt von jeder Marktreife. Niemand konnte wissen, wie sich die technologischen Standards entwickeln würden, niemand ahnte, wohin die Reise gehen würde.

Antonio M. Pérez
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Antonio M. Pérez: Mit ihm ging es in die Insolvenz

Erst 1995 brachte Kodak schließlich eine Digitalkamera für den Verbrauchermarkt heraus. Das Unternehmen gehörte zwar zu den führenden Herstellern, aber man war einer unter vielen. Canon, Nikon, Olympus und andere boten ebenfalls solche Kameras an. Kodak versuchte zwar mit allen Mitteln, das Ruder herumzureißen und bediente den digitalen Markt auch mit anderen Produkten, jedoch es war zu spät.

Reiten auf der Krypto-Welle

Und nur ein wenig später drehte sich das Rad noch ein Stückchen weiter: 2002 brachten Nokia, Motorola, Siemens und Sony Ericsson die ersten Handys mit integrierter Kamera in Europa auf den Markt. Heute hat beinahe jeder den Alleskönner Smartphone in der Tasche – wozu noch eine Digitalkamera?

Nachdem Kodak jahrelang Verluste erwirtschaftet hatte, beantragte der damalige Vorstandschef Antonio Perez schließlich am 19. Januar des Jahres 2012 Gläubigerschutz nach Artikel 11 des US-Insolvenzrechts. Zeit genug hätte das wechselnde Management gehabt, den Fehler von einst zu korrigieren. Es ist also nicht richtig, dass alles nur von einem verschlafenen Moment im Jahr 1975 abhing. Aber gewiss hätte eine andere Entscheidung den Wandel erleichtert.    

Weitere Kursinformationen zu Eastman Kodak

Nach dem Insolvenzverfahren ist Kodak als Druck- und Fotospezialist wieder an der Börse. Diesmal setzt man auch auf den aktuellen Trend zu Krypto-Währungen. Ob das eine gute Idee ist? Ein Blick auf den langfristigen Aktienkurs verheißt jedenfalls nichts Gutes.

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Kodak: Glück, Geschick und eine tödliche Panne

Die erste Kodak-Kamera 1889

1888 ist die Geburtsstunde des Namens "Kodak". Dieser steht für die erste Kamera des Unternehmens, das damals noch Eastman Dry Plate Company hieß. Vier Jahre später wird es in Eastman Kodak umbenannt.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete BR Puls am 28. Januar 2015 um 15:00 Uhr.

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