Knorr-Bremse in München

Automobilzulieferer Vorstandschef von Knorr-Bremse wirft hin

Stand: 30.04.2019 17:40 Uhr

Es ist ein Abgang auf Knall und Fall. Völlig überraschend verlässt Klaus Deller mit sofortiger Wirkung seinen Posten als Vorstandschef des Fahrzeugzulieferers Knorr-Bremse. Was ist da los?

Als Grund für den plötzlichen Abgang des 57-jährigen Managers sprach das Unternehmen in einer Mitteilung von "unterschiedlichen Auffassungen von Führung und Zusammenarbeit". Deller hatte das Familienunternehmen, das mehrheitlich dem Milliardär Heinz Hermann Thiele gehört, im Herbst letzten Jahres an die Börse gebracht. Mit großem Erfolg, die Aktie legte seitdem zweistellig zu und stieg in die zweite Börsenliga auf, den MDax.

Die Anleger reagierten deshalb enttäuscht auf die Meldung von der Demission Dellers. Das Papier des nach eigenen Angaben Weltmarktführers für Lkw- und Zug-Bremsen brach um sechs Prozent ein, liegt aber noch 20 Prozent über dem Ausgabepreis. Knorr-Bremse versuchte zu beschwichtigen und erklärte, an der erfolgreichen Strategie werde sich nichts ändern.

"Voll im Plan"

Auch das laufende Geschäft liege in diesem Jahr "voll im Plan". Für das erste Jahr an der Börse zahlt Knorr-Bremse eine Dividende von 1,75 Euro je Aktie. Der Nettogewinn, den das Unternehmen bei der Bilanzpressekonferenz Anfang März noch nicht genannt hatte, stieg 2018 um sieben Prozent auf 630 Millionen Euro.

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Allein die Familie Thiele bekommt damit knapp 200 Millionen Euro an Dividenden überwiesen. Bis ein Nachfolger für Deller gefunden ist, sollen die drei verbleibenden Vorstände seine Aufgaben mit übernehmen. Am Dienstag hatte sich der Aufsichtsrat getroffen, um die Bilanz für 2018 abzunicken.

Insider berichten von Spannungen

Der ehemalige Daimler-Manager Klaus Mangold, der den Aufsichtsrat seit Oktober führt, lobte Deller für seine "außerordentlich erfolgreiche Arbeit". Thiele ist seit drei Jahren Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats, laut Brancheninsidern aber im Unternehmen immer noch sehr präsent, auch im operativen Geschäft.

Heinz-Hermann Thiele
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Heinz-Hermann Thiele

Der 78-Jährige habe sein Büro direkt neben dem von Deller. Ein Branchenkenner berichtete von Spannungen zwischen Thiele und dem bisherigen Vorstandschef. "Das war nur eine Zweckehe." Eine Knorr-Bremse-Sprecherin wollte sich dazu nicht äußern. Thiele hatte Deller 2015 als Vorstandschef installiert.

Vom Sachbearbeiter zum Firmenchef

Deller sollte damals eigentlich Chef des fränkischen Autozulieferers Schaeffler werden. Dann entschieden sich die Familieneigentümer aber doch für Finanzvorstand Klaus Rosenfeld und fanden Deller mit einer Millionensumme ab. Vorher war der Diplom-Ingenieur für Maschinenbau bereits fünf Jahre im Knorr-Bremse-Vorstand für das Nutzfahrzeug-Geschäft verantwortlich.

Thiele wacht mit Argusaugen über sein Lebenswerk. Der Jurist hatte sich seit 1969 vom Sachbearbeiter in der Patentabteilung in die Geschäftsführung des 1905 gegründeten Unternehmens hochgearbeitet und Knorr-Bremse 1984 übernommen, nachdem sich die früheren Eigner zerstritten hatten. Er formte das Unternehmen zu einem führenden Bremsenhersteller. Bis 2007 leitete er das Unternehmen selbst, bevor er in den Aufsichtsrat wechselte, den er bis 2016 leitete.

lg/rtr

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete BR24 am 30. April 2019 um 18:02 Uhr.

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