Jacobs Krönung Kaffee

Börsengang von Jacobs & Co Milliarden mit dem Muntermacher

Stand: 29.05.2020 16:53 Uhr

Inmitten der Corona-Krise hat die Milliardärsfamilie Reimann ihr Kaffee-Imperium an die Börse gebracht - mit Erfolg. Die "Jacobs"-Kaffee-Holding legte kräftig zu. Denn der braune Muntermacher ist begehrter denn je.

Von Lothar Gries, boerse.ARD.de

Der Börsengang der Kaffee-Holding mit dem sperrigen Namen JDE Peet's hat nach Angaben der begleitenden Banken mindestens 2,3 Milliarden Euro eingebracht. Dem Unternehmen selbst fließen dabei rund 700 Millionen Euro zu. Den Rest teilen sich der amerikanische Nahrungsmittelkonzern und ehemalige Jacobs-Eigentümer Mondelez und Anleger, die in die JAB Holding der deutschen Milliardärsfamilie Reimann investiert hatten. Insgesamt sind knapp 17 Prozent im Streubesitz.

Aktien heiß begehrt

Der Kaffeedurst der Anleger war groß. Die Aktien der "Jacobs"-Holding JDE Peet's schnellten am Freitag an der Börse in Amsterdam um bis zu 17 Prozent auf 36,78 Euro nach oben und trieben den Börsenwert des niederländischen Konzerns auf mehr als 18 Milliarden Euro. Am Nachmittag notierten die Titel mit 36,15 Euro weiter klar über dem Ausgabepreis von 31,50 Euro. Der erste Kurs hatte bei 35 Euro gelegen.

Weitere Kursinformationen zu JDE Peet's

Ursprünglich sollte das Börsendebüt der Nummer zwei auf dem weltweiten Kaffeemarkt hinter Nestlé am Dienstag nach Pfingsten stattfinden. Weil die Aktien sehr begehrt waren, entschied sich das Management aber für eine Erstnotierung bereits an diesem Freitag.

Ein lukrativer Wachstumsmarkt

Zu den neuen Miteigentümern gehören der Quantum Fonds von George Soros und der amerikanische Fondsriese Fidelity Management and Research (FMR), die als Ankerinvestoren gewonnen wurden.

Überraschend ist der Erfolg des Börsengangs nicht. Denn ungeachtet der derzeitigen Krise trinken die Menschen zunehmend Kaffee derzeit vielleicht sogar mehr als sonst. Im März und April dieses Jahres stieg der Konsum um rund drei Prozent, teilte der Deutsche Kaffeeverband mit. Tatsächlich ist Kaffee in den USA und vielen Städten Europas dank der allgegenwärtigen Angebote von "coffee to go" zu einem stetigen Begleiter des Alltags geworden.

Neben dem amerikanischen Marktführer Starbucks sind in den vergangenen Jahren immer neue Coffeeshops entstanden, die die Nachfrage nach dem Heißgetränk immer weiter befeuerten. Laut einer Studie des britischen Euromonitor-Instituts wuchsen die Einnahmen aus dem Verkauf von Kaffee und Tee von 83 Milliarden Euro 2007 auf 118 Milliarden Euro im vergangenen Jahr - ein Anstieg von über 40 Prozent innerhalb von nur 12 Jahren.

Hohe Margen

Neben hohen Wachstumsraten ist das Geschäft mit dem Verkauf von Kaffee auch äußerst lukrativ - und lockt mit hohen Gewinnen. So erzielt etwa Nestlé, die weltweite Nummer eins in der Branche, allein mit dem Verkauf von Nescafé, Nespresso & Co eine operative Marge von über 22 Prozent. In der Gastronomie lassen sich sogar noch weit höhere Renditen erreichen. So berichten Kaffeehausbetreiber, dass sich der Wareneinsatz bei einem Caffè Crema, für den der Kunde zwei Euro berappen muss, gerade einmal 14 Cent beträgt.

ARD-Börse: Kaffee krisensicher in turbulenten Zeiten. Jacobs an der Börse

29.05.2020 17:34 Uhr

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Kein Wunder, dass die großen Nahrungsmittel- und Getränkeanbieter hier mitverdienen wollen. Selbst der US-Brausegigant Coca-Cola ist auf den Zug aufgesprungen und hat 2018 die britische Coffeeshop-Kette Costa übernommen - für den stolzen Preis von 5,1 Milliarden Dollar. Damit wollte Coca-Cola weniger dem Marktführer Starbucks Paroli bieten, als endlich auch auf dem Markt für Heißgetränke präsent zu sein.

Reimann-Familie auf Einkaufstour

Neben Coca-Cola und Starbucks preschte in den vergangenen Jahren auch die deutsche Milliardärsfamilie Reimann vor: Die familieneigene JAB Holding kaufte eine Kaffeemarke nach der anderen, investierte in Jacobs und Senseo, übernahm die Coffeeshop-Kette Balzac sowie die in San Francisco ansässige Kette Peet's. Für letztere zahlte JAB sogar den stolzen Preis von knapp einer Milliarde Dollar.

Alle diese Marken wie Peet's, L'OR, Jacobs, Douwe Egberts, Senseo, Tassimo oder der Tee-Anbieter Pickwick wurden anschließend unter dem Dach von JDE Peet's vereint, das nun an die Börse gegangen ist. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 6,9 Milliarden Euro, das bereinigte operative Ergebnis verbesserte sich auf 1,26 Milliarden Euro, von 1,17 Milliarden im Vorjahr.

Bis heute hat sich der Verkauf von Kaffee also als ein krisenresistentes und wachstumsträchtiges Geschäft erwiesen. Für die Reimanns, eine der reichsten, aber auch verschwiegensten Unternehmerfamilien Deutschland mit einem geschätzten Vermögen von 35 Milliarden Euro, hat sich das Engagement gelohnt.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 29. Mai 2020 um 18:04 Uhr in "Profit - Das Wirtschaftsmagazin".

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