Thomas-Cook-Reisebüro in NRW

Studie Insolvenz trifft häufiger große Firmen

Stand: 29.11.2019 12:05 Uhr

Thomas Cook ist das jüngste Beispiel: Dieses Jahr sind hierzulande besonders viele große Unternehmen pleite gegangen. Ein Zeichen der abkühlenden Konjunktur?

Von Marc Stephan, boerse.ARD.de

Wie die Kreditversicherung Euler Hermes in einer aktuellen Studie ermittelte, wurden in den ersten neun Monaten dieses Jahres 27 Insolvenzen von Firmen mit mehr als 50 Millionen Euro Umsatz gezählt. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 19 Fälle. Das ist ein Anstieg um über 40 Prozent.

Trend hält auch im vierten Quartal an

Auch im vierten Quartal werde der Trend anhalten, so die Autoren der Studie. Grund dafür sei die Insolvenz von Thomas Cook und das Schutzschirmverfahren von Condor. Insbesondere in den großen Sektoren wie der Automobilbranche, dem Dienstleistungssektor sowie der Metall-, Textil-, Energie- und Agrarbranche sowie dem Handel sei es zu großen Insolvenzen gekommen.

Großinsolvenzen nach Branchen
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Großinsolvenzen nach Branchen, Q1-3, 2017-2019

Dazu zählten in diesem Jahr der Windanlagenbauer Senvion, der Autozulieferer Eisenmann, die Fluggesellschaft Germania und die Modekette Gerry Weber. Loewe, Kettler und Beate Uhse meldeten dieses Jahr bereits zum zweiten Mal Insolvenz an.

Die Zahl der Insolvenzen in Deutschland halte sich im laufenden Jahr aber recht stabil, insgesamt gebe es sogar weniger Fälle. Einen bekannten Namen und ein großes Unternehmen zu haben, schütze aber nicht vor einer Pleite.

2020 werden viele Puffer aufgebraucht sein

Euler Hermes rechnet für das kommende Jahr mit einem leichten Anstieg der Insolvenzen. Noch zehrten viele Unternehmen an ihren Puffern, welche sie sich in den vergangenen Jahren angelegt hätten. Durch die abkühlende Konjunktur würden aber immer mehr dieser Puffer aufgebraucht.

Ronald van het Hof
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Ronald van het Hof, Euler Hermes

Die noch leicht wachsende Wirtschaft in Deutschland "lässt insgesamt wenig Raum für große Sprünge. (...) Wenn sich die Schwäche nun auch negativ auf den Privatkonsum auswirkt, der sich aktuell als Fels in der Brandung der deutschen Wirtschaft erweist, wird es eng", warnt Ron van het Hof, Chef von Euler Hermes im deutschsprachigen Raum.

Gefahr vor Dominoeffekten

Er machte auch auf Dominoeffekte in der Lieferkette aufmerksam. "Das wirklich Dramatische an diesen großen Insolvenzen ist der Dominoeffekt auf viele Unternehmen in der gesamten Lieferkette." Oft bleiben den zuliefernden Unternehmen dann große Teile der Aufträge aus, was sie schnell in Bedrängnis bringen kann: "Nicht selten werden sie dabei mitgerissen und geraten selbst in den Abwärtssog, der im schlimmsten Fall in der Pleite endet", erläutert van het Hof.

Viele Branchen vor Herausforderungen

Die meisten Insolvenzen verzeichnete in den ersten acht Monaten dieses Jahres der Handel und das Baugewerbe (2.182 und 2.118 Fälle). Diese Branchen stehen derzeit vor vielen Herausforderungen, die vor allem mit der Digitalisierung zusammenhängen, so die Autoren der Studie. Auch die Nachhaltigkeitsrichtlinien beschäftigen viele Unternehmen. Schwache Nachfrage und Liquiditätsprobleme und oft zu niedrige Margen sind weiterhin Haupttreiber für Insolvenzen.

Schäden immer größer

Der durchschnittliche Umsatz der insolventen Großunternehmen und somit die Schäden für die betroffenen Unternehmen liege dieses Jahr bei bislang 339 Millionen Euro. Damit ist die Summe der Insolvenzschäden 81 Prozent höher als noch im Vorjahreszeitraum. "Das bestätigt den Trend: Wenn es knallt, dann richtig", so van het Hof.

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Große deutsche Insolvenzen 2019

Senvion-Windturbine

Senvion
Der Windkraftanlagenbauer galt als einer der Pioniere in der Branche. Im Sommer 2019 gab die in Luxemburg ansässige, aber vor allem in Deutschland aktive Firma ihre Zahlungsunfähigkeit bekannt. Probleme bei Auslandsprojekten, schlechtes Wetter und ein Bombenfund führten zur Insolvenz.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. November 2019 um 08:00 Uhr.

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