Infineon | Bildquelle: dpa

20 Jahre an der Börse Die Neuerfindung von Infineon

Stand: 13.03.2020 06:17 Uhr

Heute vor 20 Jahren ging Infineon mit Vollgas an die Börse. Nach dem anfänglichen Hype brach der Kurs dramatisch ein und war zeitweise weniger als 1,00 Euro wert. Doch in den vergangenen Jahren hat sich der Chipkonzern neu ausgerichtet - mit Erfolg.

Von Notker Blechner, boerse.ARD.de

Ob im Smartphone, in der Waschmaschine, im Auto, in Chipkarten oder selbst bei Windanlagen - die Chips von Infineon stecken fast überall drin. Der Münchner Konzern beliefert die Autoindustrie, die Hausgerätebranche, die Telekom-Anbieter und auch die Energieversorger mit Halbleitern.

Künftig wird Infineon eine noch größere Rolle auf dem weltweiten Chipmarkt spielen. Mit der geplanten Übernahme des US-Rivalen Cypress steigen die Münchner zum achtgrößten Chiphersteller der Welt mit einem Umsatz von zehn Milliarden Euro auf. Bei der Autoelektronik klettert Infineon gar auf Platz eins.

Größte Übernahme der Firmengeschichte

Der neun Milliarden Dollar teure Zukauf, der nur noch von den chinesischen Behörden genehmigt werden muss, bringt dem Münchner Halbleiterhersteller zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten im Geschäft mit der Autobranche und dem Internet der Dinge. Die Firma aus Kalifornien stellt unter anderem Halbleiter für selbstfahrende Autos und Komponenten für das Smart-Home her.

"Die Übernahme ist die größte Transformation in der Unternehmensgeschichte", schwärmt Infineon-Chef Reinhard Ploss. Der Münchner Dax-Konzern dürfte nun vorerst geschützt sein vor dem Zugriff der Konkurrenz. "Wer uns kaufen könnte, wird es sich nicht leisten können", sagt Infineon-Chef Ploss. "Wir werden sperriger."

Der kurze Hype beim Börsengang

Ulrich Schumacher beim Infineon-Börsengang
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Ulrich Schumacher beim Infineon-Börsengang vor einem Porsche

Das war nicht immer so. Die Geschichte von Infineon verlief bisher sehr turbulent. Nachdem die Chip-Sparte von Siemens ausgegliedert und an die Börse gebracht wurde, erlebte sie einen regelrechten Hype. Beim Börsengang im März 2000 schoss die Aktie zunächst um 140 Prozent in die Höhe. Der damalige Vorstandschef Ulrich Schumacher fuhr gar im Porsche-Rennwagen vor das alte Börsengebäude, um zu demonstrieren, dass er mit Infineon voll durchstarten will.

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Infineon Chart, 2000 - März 2020

Doch der Hype währte nur kurz. Im Sog der geplatzten Dotcom-Blase stürzte auch Infineon ab. Einst bis zu 92 Euro wert, wurde die Aktie Ende 2008 gar zum Pennystock und kostete zeitweise nur noch 38 Cent. Der Chipkonzern stand kurz vor der Pleite.

Konzentration auf Autochips zahlt sich aus

Erst die Änderung der Geschäftsstrategie brachte die Wende. Infineon trennte sich von seinem defizitären Speicherchipgeschäft und fokussierte sich auf Spezialchips unter anderem für die Autoindustrie. Das zahlte sich aus. Binnen sieben Jahren verdoppelte sich nahezu der Umsatz auf acht Milliarden Euro.

Folglich hat sich auch der Aktienkurs von Infineon seit 2009 deutlich erholt - und stieg auf über 25 Euro. Zuletzt geriet der Dax-Titel aber ins Straucheln - wegen der Autoflaute und der sich eintrübenden Chipkonjunktur. Laut den Marktforschern von Gartner schrumpfte der Umsatz der Chipindustrie 2019 um fast zwölf Prozent - wegen des Preisdrucks bei Speicherchips und des Handelsstreits zwischen USA und China. Es war das schlechteste Chip-Jahr seit 2009. Wann es wieder aufwärts geht, ist ungewiss. Der Branchenverband ZVEI rechnet bis 2023 mit mageren Zeiten.

Weitere Kursinformationen zu Infineon

Profiteur der Elektromobilität

Nun hofft Infineon auf den raschen Umstieg hin zur Elektromobilität. Die Münchner sind in diesem Bereich stark unterwegs. "In acht der zehn meist verkauften Elektroautos und Plug-in-Hybriden stecken unsere Leistungshalbleiter", sagt Peter Schiefer, Chef der Infineon-Autosparte. Infineon profitiere vom Trend zu Elektrofahrzeugen und zum autonomen Fahren, meint Analyst Alexander Duval von Goldman Sachs. Pro E-Auto erzielen die Mikroelektronikhersteller doppelt so viel Umsatz wie bei einem konventionellen Wagen.

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Quelle: boerse.ard.de
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