Industrieanlage

Vierter Anstieg in Serie Immer mehr Aufträge für die Industrie

Stand: 06.10.2020 11:25 Uhr

Nicht nur die Produktionserwartungen der deutschen Industriebetriebe haben sich für die kommenden Monate verbessert. Auch die Auftragseingänge ziehen zum vierten Mal in Folge an. Aber steigende Corona-Fallzahlen mahnen zur Vorsicht.

Die Auftragsbücher der deutschen Industrie haben sich im August erneut gefüllt. Die Bestellungen wuchsen vor allem wegen der starken Nachfrage aus der Eurozone um 4,5 Prozent zum Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte. Das ist deutlich mehr als Ökonomen prognostiziert hatten: Von Reuters befragte Experten hatten lediglich mit einem Plus von 2,6 Prozent gerechnet.

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Deutsche Industrie mit unerwartet hohem Auftragsplus

Zudem wurde das Wachstum vom Juli von zunächst ermittelten 2,8 auf nunmehr 3,3 Prozent nach oben revidiert. Trotz der Aufholjagd liegen die Bestellungen aber immer noch unter dem Vorkrisenniveau: Im Vergleich zum Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland, ist der Auftragseingang noch um 3,6 Prozent niedriger.

"Rückschlagsgefahr erhöht"

"Der Aufholprozess der Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe setzt sich weiter mit bemerkenswertem Tempo fort", betonte das Ministerium. "Getragen wird er vor allem von der Nachfrage aus dem Ausland." Die Aufträge aus Deutschland legten um 1,7 Prozent zu, die aus dem Ausland wuchsen hingegen um 6,5 Prozent. Dabei legten die Bestellungen aus der Eurozone um 14,6 Prozent zu, die aus dem restlichen Ausland um 1,5 Prozent.

Auch Experten nehmen die frischen Daten zufrieden auf: "Das sind unzweifelhaft gute Nachrichten", meint Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank. Für die deutsche Industrie seien die Zahlen nach den schwierigen Lockdown-Monaten beruhigend.

Für eine Entwarnung ist es jedoch zu früh: "Die gestiegenen Corona-Fallzahlen haben die Rückschlaggefahr erhöht", unterstreicht Alexander Krüger, Chefökonom vom Bankhaus Lampe. Gitzel teilt diese Einschätzung: "Bei aller Erleichterung über das vierte Plus in Folge, Grund zur überschwänglichen Freude besteht nicht. Die zweite Corona-Welle gewinnt an Intensität."

Produktionserwartungen hellen sich auf

Ifo-Produktionserwartungen Industrie
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Ifo-Produktionserwartungen Industrie

Auch andere Konjunkturdaten zeigen positive Tendenzen für die Industriebranche: Die Ifo-Produktionserwartungen der deutschen Industriebetriebe für die kommenden Monate haben sich im September verbessert. Der Indikator stieg um 5,2 auf 20,8 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut zu seiner monatlichen Konjunkturumfrage mitteilte. "Der Ausblick in den einzelnen Branchen ist aber sehr unterschiedlich", schränkte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe ein.

Die Autobauer etwa blicken optimistisch in die Zukunft, während die Erwartungen der Maschinenbauer zurückhaltend bleiben. Die Neuzulassungszahlen für den September hatten gestern erstmals in der Corona-Krise den Wert des Vorjahresmonats übertroffen. Auch die Chemiebranche ist eher zuversichtlich, ähnlich wie die Hersteller von Metallerzeugnissen. In der Bekleidungsindustrie verbesserte sich die Situation zwar, doch erwarten die Betriebe weiterhin keine Ausweitung ihrer Produktion.

Das Bruttoinlandsprodukt ist wegen der Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung der Pandemie im zweiten Quartal im Rekordtempo eingebrochen. Es fiel um 9,7 Prozent niedriger aus als im Vorquartal. Für das gerade beendete Sommerquartal erwartet das Ifo-Institut ein Wachstum von 6,6 Prozent, dem ein Plus von 2,8 Prozent im laufenden Schlussquartal folgen soll.

ts

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Oktober 2020 um 11:00 Uhr.

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