Minenentschärfung

Offener Brief an Anbieter Fonds sollen Waffenhersteller verbannen

Stand: 04.04.2019 06:45 Uhr

Vor allem Privatanleger investieren aus Kostengründen häufig in Indexfonds - und kaufen damit automatisch Aktien von Herstellern kontroverser Waffen mit. Ein Skandal, zumal es in vielen europäischen Ländern gesetzlich verboten ist, bestimmte Waffenhersteller direkt oder indirekt zu finanzieren. Doch die Indexanbieter stellen sich bislang taub. Eine Initiative aus der Schweiz will das jetzt ändern.

Von Lothar Gries, boerse.ARD.de

In einem offenen Brief fordern namhafte Fondsanbieter, Banken und Vermögensverwalter die Indexanbieter auf, Waffenproduzenten aus den großen Börsenindizes zu entfernen.

Die Finanzbranche sei in der Lage, verantwortliches Anlegen entscheidend zu fördern, und dazu sollte gehören, dass Herstellern "kontroverser Waffen" der Zugang zur Finanzierung erschwert wird, heißt es in dem Brief, den über 100 Großinvestoren unterzeichnet haben und der in mehreren Medien veröffentlicht wurde.

Hersteller von kontroversen Waffen ausschließen

Weiter heißt es in dem Schreiben, falls jemand trotzdem in "kontroverse Waffen" anlegen wolle, könne er dies in einem eigens dafür gedachten Index tun oder zu Direktanlagen greifen. "Wir sind zutiefst überzeugt, dass - in Übereinstimmung mit internationalen Konventionen, Anlagepraktiken sowie der öffentlichen Meinung - der Ausschluss von Herstellern kontroverser Waffen aus aktiven Anlagen Standard sein sollte", so die Vermögensverwalter in ihrem Brief.

Zu "kontroversen Waffen" gehören Nuklearwaffen von Ländern, die den Atomwaffensperrvertrag von 1970 nicht unterschrieben haben, biologische und chemische Waffen, Personenminen und Streubomben. Bisher sind die Investoren mit ihrer Forderung jedoch auf taube Ohren gestoßen.

Auch die DWS gehört zu den Unterzeichnern

Der Vorstoß kommt von der Schweizer Fondsgesellschaft Pictet Asset Management und wird vom Verein Swiss Sustainable Finance (SSF) verwaltet. Der SSF wurde vor fünf Jahren von großen Investoren wie den Versicherern Helvetia und Swiss Re gegründet. Er setzt sich zum Ziel, die Schweiz als führendes Zentrum für nachhaltige Finanzdienstleistungen zu etablieren.

Entsprechend finden sich auch viele Schweizer Investoren auf der Liste des nun veröffentlichten Briefes an die Indexanbieter. Dazu gehören die Fondstöchter der Banken Credit Suisse und UBS. Aber auch niederländische, britische und schwedische Unternehmen sowie die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, DWS, haben sich dem Protest angeschlossen. Eigenen Angaben zufolge verwalten die Unterzeichner in Summe umgerechnet rund sechs Billionen Euro.

Die Kritiker führen mehrere Argumente auf: Immer mehr Anleger – professionelle ebenso wie private – wollen aus Überzeugung nichts mit Waffenproduzenten zu tun haben. So hat der Indexanbieter MSCI Firmen ausgeschlossen, die chemische oder biologische Waffen herstellen.

In einigen Ländern gibt es Verbote

Außerdem ist es in Ländern wie den Niederlanden, Frankreich oder Spanien verboten, Hersteller sogenannter "kontroverser Waffen" wie Anti-Personen-Minen direkt oder indirekt zu finanzieren. Dennoch stellt eine kleine Zahl von börsennotierten Unternehmen immer noch solche Waffen her. Eine Übersicht über diese Produzenten hat beispielsweise der Verein für verantwortungsbewusste Kapitalanlagen (SVVK) zusammengetragen.

Anleger, die in ETFs investieren, die einen globalen Börsenindex abbilden, können sich solcher Firmen aber nicht erwehren. Institutionelle Investoren fordern deshalb seit geraumer Zeit von den Indexanbietern die Titel von Herstellern kontroverser Waffen aus ihren Hauptindizes zu verbannen.

Direktanleger haben es am Einfachsten

Schon gibt es Indizes, die solche Firmen meiden. Ein Beispiel dafür ist der MSCI ex Controversial Weapons. Was dieser Index allerdings nicht ausschließt, sind Produzenten von Atomwaffen.

Auch verbannen immer mehr Investoren Hersteller kontroverser Waffen aus ihren Portfolios. Weltweit seien 2016 verwaltete Vermögen im Wert von 13,5 Billionen Euro mit sogenannten Ausschlussfiltern versehen, die meist Hersteller von kontroversen Waffen betrafen, schreiben die Investoren in ihrem offenen Brief. In Europa beträfen diese Ausschlusskriterien knapp der Hälfte der angelegten Gelder.

Am einfachsten hat es der Anleger, der sein Geld direkt in einzelne Aktien investiert. Sein Anlageprozess beruht auf einer positiven Auslese.

1/5

Die Aktien dieser Waffenhersteller sollen verbannt werden

Hanwha

Hanwha
Hanwha ist ein südkoreanischer Mischkonzern, der neben Solarzellen, Schiffen und chemischen Produkten auch Panzer sowie Antipersonen-Minen und Streumunition herstellt.

Quelle: boerse.ard.de
Darstellung: