Ein Arbeiter mit riesigen Zahnrädern | Bildquelle: dpa

Konjunktursorgen nehmen zu Ifo-Index fällt unerwartet

Stand: 24.04.2019 10:26 Uhr

Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im April überraschend eingetrübt. Im März war noch Hoffnung aufgekommen, dass Deutschlands Wirtschaft die derzeitige Delle doch schneller verlässt als befürchtet.

Das Barometer für das Geschäftsklima fiel auf 99,2 Punkte von 99,7 Zählern, wie das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch zu seiner monatlichen Umfrage mitteilte. Ökonomen hatten dagegen mit einem Anstieg auf 99,9 Punkte gerechnet, nachdem es im März das erste Plus nach zuvor sechs Rückgängen in Folge gegeben hatte.

"Die deutsche Wirtschaft verliert weiter an Kraft", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Führungskräfte beurteilten ihre Geschäftslage schlechter, ebenso die Aussichten für die kommenden sechs Monate. Der deutschen Wirtschaft droht 2019 ein maues Jahr.

Vor allem die Industrie leidet

Im Verarbeitenden Gewerbe hat sich das Geschäftsklima laut Ifo "merklich" verschlechtert. Die Unternehmen schätzen ihre aktuelle Lage demnach "nochmals schlechter" ein, auch mit Blick auf die kommenden Monate nahm der Pessimismus zu. Im Dienstleistungssektor dagegen stieg der Index leicht, vor allem wegen optimistischerer Erwartungen.

Im Handel beurteilen die Unternehmen die aktuelle Lage noch immer als sehr gut - korrigierten ihre Erwartungen an die kommenden Monate aber nach unten. Im Bauhauptgewerbe dagegen herrscht beste Stimmung: Die Baufirmen sind laut Ifo mit ihrer bereits sehr guten Geschäftslage "nochmals merklich zufriedener". Allerdings wüchsen auch hier die Zweifel, ob die Hochkonjunktur am Bau andauern werde.

Zunächst keine Belebung zu erwarten

Als größte Belastung für die deutsche Wirtschaft erweist sich die Exportabhängigkeit vieler Unternehmen. Die Bundesregierung rechnet in diesem Jahr nur noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 0,5 Prozent. 2018 hatte es zu 1,4 Prozent gereicht. 2020 soll ein Plus von 1,5 Prozent möglich sein.

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Für Patrick Boldt, Volkswirt bei der Helaba, ist das Stimmungsbarometer enttäuschend ausgefallen. Konjunkturelle Sorgen würden somit nicht gedämpft. Negativ zu werten sei zudem, dass die Erwartungskomponente gesunken ist. Eine deutliche Belebung der konjunkturellen Dynamik zeichne sich somit zunächst nicht ab. Mittelfristig sei aber mit einer Erholung der gesamtwirtschaftlichen Aktivitäten zu rechnen. Darauf weise beispielsweise die ZEW-Umfrage hin.

Wichtigstes Stimmungsbarometer

Das Ifo-Geschäftsklima gilt als wichtigstes Stimmungsbarometer für die deutsche Wirtschaft. Es ergibt sich aus der Befragung von etwa 9.000 Unternehmen. Der Indikator gilt als relativ treffsicher, die künftige Wirtschaftsentwicklung in Deutschland vorherzusagen. Enttäuschende Konjunkturdaten aus Deutschland und Frankreich hatten zuletzt immer mehr Sorgen vor einem abrupten Ende der guten Konjunktur geschürt.

lg

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Das sagen Experten zum Ifo-Index

Patrick Boldt

Patrick Boldt, Helaba
"Das Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft enttäuscht. Konjunkturelle Sorgen werden somit nicht gedämpft. Negativ zu werten ist zudem, dass die Erwartungskomponente gesunken ist. Eine deutliche Belebung der konjunkturellen Dynamik zeichnet sich somit zunächst nicht ab. Mittelfristig ist aber mit einer Erholung der gesamtwirtschaftlichen Aktivitäten zu rechnen. Darauf weist beispielsweise die ZEW-Umfrage hin."

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. April 2019 um 11:00 Uhr.

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