IBM

34-Milliarden-Dollar-Deal IBM will Red Hat kaufen

Stand: 29.10.2018 07:44 Uhr

Der Radikal-Umbau des Computer Urgesteins IBM vom Hard- zum Softwareanbieter tritt in eine neue Phase. Das Unternehmen plant die größte Übernahme seiner Geschichte: den Linux-Anbieter Red Hat.

IBM legt für den Kauf des Linux-Spezialisten Red Hat insgesamt 34 Milliarden Dollar auf den Tisch. Software von Red Hat kommt unter anderem für den Betrieb von Cloud-Anwendungen zum Einsatz.

Mit 190 Dollar je Aktie bietet IBM einen satten Aufschlag von gut 60 Prozent auf den Schlusskurs von Red Hat von Freitag. An dem Tag waren die Papiere von Red Hat 116 Dollar wert, womit das Unternehmen mit rund 20,5 Milliarden Dollar bewertet wurde. Der Preis von 34 Milliarden Dollar schließt auch Schulden von Red Hat ein, IBM will dafür neben seinen Geldreserven auch auf Kredite zurückgreifen. Mit dem Abschluss des Deals rechnen die Unternehmen im zweiten Halbjahr 2019.

IBM steht unter Druck

IBM-Chefin Ginni Rometty hat sich zu dem Deal entschlossen, um die Zukunft des Computer-Urgesteins, einst Big Blue genannt, zu retten. Dazu gehört, dass wenig profitable alte Geschäftsbereiche abgestoßen werden, dafür zukunftsträchtige Aktivitäten wie Künstliche Intelligenz und Cloud-Dienste ausgebaut werden.

Der Umbau ist bereits seit Jahren im Gange und hat den Umsatz gewaltig schrumpfen lassen. Romettys Sanierungskurs schien Früchte zu tragen, weil IBM drei Quartale in Folge mit Wachstum schaffte. Doch zuletzt gab es wieder ein Vierteljahr mit sinkenden Erlösen, das setzte auch die Aktie unter Druck.

Neue Marktanteile gewinnen

Das Betriebssystem Linux, mit dem zum Beispiel viele Server in Rechenzentren laufen, ist eine sogenannte quelloffene Software. Das heißt, ihr Programmiercode ist öffentlich und kann von allen eingesetzt werden. Auf dieser Basis können Softwareanbieter aber Instrumente zur besseren Nutzung von Linux entwickeln. Red Hat wurde nach der Gründung vor rund 25 Jahren zu einem führenden Spezialisten in diesem Geschäft.

Mit dem Kauf von Red Hat könnte IBM auf einen Schlag seine Marktanteile im wachsenden Cloud-Geschäft deutlich ausbauen. Alle rund 12.600 Mitarbeiter von Red Hat sollen übernommen werden, sagte Rometty dem "Wall Street Journal". Im Cloud-Markt gehören unter anderem Microsoft, Google und Amazon zu den größten Konkurrenten. Microsoft hatte jüngst die von vielen Linux-Programmierern genutzte Entwicklerplattform GitHub gekauft.

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Die Cloud-Landschaft verändern

"Diese Übernahme wird den Cloud-Markt völlig verändern", erklärte Rometty. "IBM wird damit zur Nummer eins." Die IBM-Chefin sieht in der Cloud noch großes Potenzial, das IBM ausschöpfen will. Bei Cloud-Angeboten kommen Software und Dienste direkt aus dem Internet. Unter Hybrid-Cloud versteht man einen gemischten Betrieb von Cloud-Anwendungen und selbst betriebenen Servern.

In der Geschichte der IT-Industrie waren nur zwei Deals noch größer als die nun angekündigte Übernahme von Red Hat: 2016 fusionierten für 67 Milliarden Dollar der Computerhersteller Dell und der Speicherspezialist EMC. Im Jahr 2000, kurz vor dem Platzen der Dot-Com-Blase, schluckte das Netzwerkunternehmen JDS Uniphase für 41 Milliarden Dollar den Spezialisten für optische Bauteile SDL.

In Rechenzentren eingesetzt

Red Hat startete vor 25 Jahren mit einer eigenen Variante des Open-Source-Betriebssystems Linux, die vor allem auf Servercomputern verwendet wird. Heute erzielt das Unternehmen seinen Umsatz vor allem mit seinem Softwarepaket und Serviceangebot Red Hat Enterprise Linux sowie anderen Technologien, die häufig in Rechenzentren eingesetzt werden. Mit dem Börsengang von Red Hat im Jahr 1999 wurde auch Linux-Erfinder Linus Torvalds zum Millionär, da ihm Red-Hat-Gründer Marc Ewing aus Dankbarkeit Aktienoptionen zugesprochen hatte.

lg/dpa

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Oktober 2018 um 07:35 Uhr.

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