Das neue Elektroauto ID.3 der Marke Volkswagen wird bei der Volkswagen Group Night auf dem Messegelände der IAA präsentiert.  | Bildquelle: dpa

Autobauer auf der IAA Letzte Ausfahrt grüne Zukunft

Stand: 10.09.2019 06:45 Uhr

Ganz im Zeichen der Klimaschutzdebatte steht in diesem Jahr die IAA. Während vor den Messehallen Umweltschützer protestieren, kämpfen die Autobauer um ein grüneres Image und zeigen so viele Elektro-Modelle wie noch nie. Hat die Autobranche noch eine Zukunft?

Von Notker Blechner, boerse.ARD.de

Wenn am Donnerstag Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die IAA eröffnet, wird sie stolz durch die Messehallen schreiten und in mehreren Elektroautos probesitzen. Noch nie war die Mobilitätswende so greifbar wie diesmal auf der Automesse. Die Hersteller zeigen in diesem Jahr eine Fülle von alltagstauglichen serienreifen Stromern, die es bei der Reichweite mit den aktuellen Tesla-Modellen aufnehmen.

VW und Porsche voll unter Strom

Porsche Taycan Turbo
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Porsche Taycan Turbo

Zu einem der größten Hingucker auf der IAA dürfte in Halle 3 der ID.3 von VW werden, das erste Modell der neuen E-Generation der Wolfsburger. Das knapp 30.000 Euro teure Kompaktauto soll den Durchbruch bei Elektrofahrzeugen bringen und zum "Volksstromer" werden. Deutlich teurer ist das erste reine Elektromodell von Porsche, der Taycan, der ein paar Meter weiter steht. Der Hochleistungs-Stromer soll nächstes Jahr in die Autohäuser kommen und Tesla Konkurrenz machen.

Auch die Marke mit dem Blitz setzt sich unter Strom. Opel enthüllt auf der IAA die E-Version des Corsa - mit 136 PS und 330 Kilometer Reichweite. Eher die Familien als Zielgruppe visiert Mercedes mit seinem Elektro-Van, den EQV an. Der großräumige Stromer der V-Klasse schafft eine Reichweite von 400 Kilometer und soll ab nächsten Jahr auf Deutschlands Straßen rollen.

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Auftakt zur Mobilitätswende?

IAA Frankfurt
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IAA-Schild an der Messe Frankfurt

Mit der IAA als Bühne der künftigen Mobilitätswende wollen die deutschen Autobauer nun endlich durchstarten in die emissionsfreie Zukunft. Denn die politischen Vorgaben der EU zwingen die Hersteller dazu, in batteriegetriebene Fahrzeuge zu investieren. Um die Flotten-Grenzwerte von 60 Gramm CO2 je Kilometer einzuhalten und Strafzahlungen zu vermeiden, will die Industrie bis 2030 gut sieben bis 10,5 Millionen E-Autos auf die Straße bringen. Alleine in den kommenden drei Jahren "stecken die deutschen Hersteller und Zulieferer 40 Milliarden Euro in die Elektromobilität und verfünffachen ihr Angebot an E-Modellen auf 150", sagt VDA-Chef Bernhard Mattes.

ARD-Börse: Autobranche bald wieder Börsen-Liebling?

12.09.2019 12:04 Uhr

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Bisher freilich kommt die Umstellung auf die E-Mobilität schleppend voran. Auf deutschen Straßen fahren laut dem VCD lediglich 200.000 von 47 Millionen Autos batteriegetrieben. Im ersten Halbjahr 2019 war weniger als jedes 50. neuzugelassene Fahrzeug ein Stromer.

Deutsche kaufen lieber SUVs als E-Autos

Stattdessen kaufen die Deutschen lieber SUVs - trotz Klimaschutz-Debatte. Im August waren die Sportgeländewagen erstmals das stärkste Segment in der Zulassungsstatistik und verdrängten mit einem Marktanteil von 22 Prozent die Kompaktwagen. In diesem Jahr könnten in Deutschland mehr als eine Million SUVs zugelassen werden – sehr zum Ärger der Umwelt- und Klimaschützer. Greenpeace kritisiert die SUVs als Klimakiller und fordert die Hersteller zur schnellen Umkehr auf.

Kritik kommt auch von Unternehmensberatern. Die Autobauer halten am geliebten Verbrenner fest und zuckeln "mit angezogener Handbremse" in Richtung Elektromobilität, findet Oliver Greiner von der Managementberatung Horvath & Partner. Er hält die deutschen Autobauer für wenig zukunftsorientiert. Das werde sich erst grundlegend ändern, wenn hohe Strafzahlungen drohen, glaubt Autoexperte Wolfgang Bernhart von Roland Berger. Dann müssten die Hersteller entscheiden, ob sie Strafen in Kauf nehmen oder lieber hohe Rabatte gewähren.

Autobauer im Klima-Dilemma

Bislang versuchen die meisten Autobauer noch, mit einer zweigleisigen Strategie aus dem Klimaschutz-Dilemma herauszukommen. BMW zum Beispiel stellt in seinen Werken immer noch Diesel-, Benziner-, Hybrid- und E-Fahrzeuge her. Lediglich VW setzt künftig alles auf die E-Karte.

Merecedes GLB
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Merecedes GLB

Diese Sowohl-als-auch-Strategie spiegelt sich auf der diesjährigen IAA wider. Neben zahlreichen serienreifen E-Fahrzeugen präsentieren die Hersteller zahlreiche neue SUVs wie den Audi Q3, den VW T-Roc oder den Mercedes GLB. Hinzu kommen noch ein paar so genannte Brot- und Butter-Modelle wie der neue 1er von BMW.

"Größte Krise seit über 20 Jahren"

Selbst die SUV-Welle wird das trübe Autojahr 2019 nicht mehr retten können. Weltweit dürfte der Absatz um vier Prozent auf 81 Millionen Fahrzeuge schrumpfen. In China, dem wichtigsten Markt, dürfte der Rückgang gar bei sieben Prozent liegen. "Die Autoindustrie fährt in ihre größte Krise seit mehr als 20 Jahren", prophezeit Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen.

Tatsächlich häuften sich in jüngster Zeit die Gewinnwarnungen. Hersteller wie Daimler sowie zahlreiche Zulieferer senkten ihre Prognosen. In den nächsten Monaten dürfte eine Reihe von Kostensenkungs-Programmen und Ankündigungen von Stellenstreichungen folgen. Die Autobranche bleibt unter Druck - sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich.

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Die Neuheiten der IAA 2019

Audi AI: Trail

Audi AI: Trail
Neben vielen Serien- und seriennahen Modellen präsentiert Audi auf der IAA den AI:Trail Quattro. Die Studie, die so sicherlich nie in Serie gehen wird, ist auf eine kompromisslose Geländegängigkeit ausgelegt. Es gibt vorn und hinten keine Überhänge. Die Bodenfreiheit liegt bei 34 Zentimetern. Jedes der vier Räder wird von einem eigenen Motor angetrieben. Der Elektromotor leistet 436 PS.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. September 2019 um 10:00 Uhr.

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