Bulle Bär Dax Frankfurter Börse | Quelle: picture-alliance/dpa

Untersuchung der Sutor Bank Dax-Prognosen liegen meist daneben

Stand: 10.12.2020 14:19 Uhr

Regelmäßig zum Jahresende verkünden Analysten und Bankvolkswirte ihre Prognosen für die Entwicklung von Dax & Co im kommenden Jahr - und regelmäßig liegen sie daneben.

Wie eine Untersuchung der Hamburger Sutor Bank zeigt, ist die Abgabe von Prognosen auf die Entwicklung des Dax oder anderer Börsenindizes im kommenden Jahr ein Blick in die Glaskugel. So lehrt ein Blick zurück, dass die Dax-Prognosen von Analysten in den letzten 20 Jahren die tatsächliche Entwicklung nur zweimal in etwa getroffen haben: In den Jahren 2004 und 2015 lag die Differenz zwischen Vorhersage und Realität unter zwei Prozentpunkten.

Dagegen wichen die Prognosen in allen anderen Jahren deutlich von dem tatsächlichen Geschehen ab. Besonders kräftig daneben lagen die Experten im Jahr 2002, als die Analysten im Durchschnitt von einem Dax-Anstieg um elf Prozent ausgingen, der Leitindex jedoch 44 Prozent verlor.

Kaum negative Prognosen

Auffallend dabei ist auch ein anderer Aspekt: Zwischen 2000 und 2019 haben die Experten nur einmal einen rückläufigen Dax prognostiziert – nämlich für das Jahr 2000. Alle anderen durchschnittlichen Vorhersagen gingen von einer positiven oder einer gleichbleibenden Wertentwicklung aus.

Tatsächlich hat der Dax in den letzten 20 Jahren sechs Mal im Minus geschlossen (2000 bis 2002, 2008, 2011, 2018), und damit deutlich häufiger als von den Analysten prognostiziert.

Unerschütterlicher Glaube an positive Entwicklung

Ob der Dax 2020 tatsächlich ein Plus oder ein Minus einfährt, ist noch nicht abzusehen – aktuell liegt der Leitindex knapp im Plus. Die Experten hatten für dieses Jahr ein Plus von vier Prozent erwartet.

"Die Betrachtung der Prognosen zeigt, dass Analysten einen unerschütterlichen Glauben an eine dauerhaft positive Entwicklung des Dax haben", stellt Lutz Neumann, Leiter Vermögensverwaltung der Sutor Bank, fest. Dies ließe sich daran ablesen, dass selbst nach allen sechs Jahren mit negativer Kursentwicklung der Ausblick der Analysten auf das jeweils folgende Jahr stets positiv war.

Beispiel 2000 bis 2002: Trotz negativer Dax-Performance in diesen drei Jahren lagen die Analystenschätzungen für das Folgejahr immer wieder im Positiven. Analysten neigten offensichtlich dazu, stets einen positiven Trend zu prognostizieren, egal wie das Vorjahr verlaufen ist.

Appetitanreger für Anleger

Einen positiven Aspekt haben derartige Prognosen laut Sutor Bank dennoch. Sie könnten als "Möhre für Anleger" funktionieren und diese darin bestätigen, langfristig in Aktien investiert zu sein – auch wenn es zwischenzeitlich zu Schwankungen an den Börsen kommen sollte. Damit könnten die positiven Ausblicke der Experten auch eine psychologische Wirkung entfalten.

Und in der Tat: Die Erfahrung zeigt - auch in diesem Jahr - dass Märkte sich nach Rückschlägen rasch wieder erholen können. Generell zeigten die Statistiken, dass Aktienanlagen im langfristigen Durchschnitt Jahr für Jahr im Wert steigen, und damit ein wesentlicher Baustein für den Vermögensaufbau seien, so die Sutor Bank.

Ein einseitiges Engagement in Aktien sei gleichwohl nicht ratsam. Denn nicht nur Aktien, sondern auch Anleihen gehörten zu einem ausgewogenen Portfolio, um Risiken zu reduzieren.

Die Hamburger Sutor Bank wurde 1921 gegründet und ist eine der wenigen unabhängigen Privatbanken Deutschlands.

lg