Hamburger Hafen

Einschätzungen der Experten Teil-Lockdown: Volkswirte halten Folgen für begrenzt

Stand: 29.11.2020 11:42 Uhr

Der verlängerte Teil-Lockdown in Deutschland wird nach Auffassung von Volkswirten führender Finanz- und Forschungsinstitute kaum gravierende Auswirkungen auf die Wirtschaftskraft in der Bundesrepublik haben.

Die hauptsächlich betroffenen Branchen wie Gastronomie, die Kulturszene oder die Verkehrsbranche hätten einen vergleichsweise geringen Anteil an der Bruttowertschöpfung, sagte die "Wirtschaftsweise" und Inhaberin des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre an der Universität Erlangen, Veronika Grimm.

So habe das derzeit weitgehend geschlossene Gastgewerbe einen Anteil von 1,6 Prozent an der gesamten Bruttowertschöpfung - die gegenwärtig vergleichsweise gut laufende Industrie dagegen einen Anteil von rund 25 Prozent und der ebenfalls geöffnete Einzelhandel von um die 10 Prozent.

Abstand halten - kontaktlos bezahlen
galerie

Hinweisschild: Abstand halten - kontaktlos bezahlen

"Die Wirtschaft wird dadurch nicht stark einbrechen. Es kommt jetzt darauf an, die betroffenen Betriebe gut durch die Krise zu bringen", sagte Grimm in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Deshalb seien die Milliarden-Ausgaben von Bund und Ländern für Hilfsprogramme gerechtfertigt.

"Ein längerer Konjunkturwinter"

Auch Katharina Utermöhl, Volkswirtin bei der Allianz-Gruppe in Frankfurt, geht von einer nur leichten negativen Wirkung des Teil-Lockdowns aus, was auch für die Situation auf dem Arbeitsmarkt gelte. "Der zweite Lockdown wird hier keine nennenswerten Auswirkungen haben", sagte sie mit Blick auf die Arbeitslosenzahlen. Die Bundesagentur für Arbeit wird ihre November-Statistik an diesem Dienstag (1. Dezember) bekanntgeben.

"Wir glauben aber auch, dass es ein längerer Konjunkturwinter wird", sagte Utermöhl. Die wirtschaftliche Erholung im nächsten Jahr werde erst einsetzen, wenn eine ausreichende Zahl von Menschen gegen Covid-19 geimpft worden sei. Nach einem Minus von sechs Prozent im laufenden Jahr rechnet Utermöhl 2021 mit einem Anstieg des Bruttoinlandprodukts (BIP) von nur 2,5 Prozent.

Auto-Konjunktur schwächelt weiter
galerie

Keine nennenswerten Auswirkungen auf den Arbeitzsmarkt?

Marc Schattenberg, Volkswirt bei der Deutschen Bank, glaubt an ein kräftigeres Wachstum von 4,5 Prozent im kommenden Jahr. Allerdings sieht auch er die Anwendbarkeit eines Impfstoffes als entscheidend an.

Und die Staatsverschuldung?

Trotz der wegen der Corona-Hilfen für Wirtschaft und Privatleute höher als geplant ausfallenden Staatsschulden sehen die Experten keine problematische Situation für die deutschen Staatsfinanzen heraufziehen. "Aktuell ist die finanzpolitische Lage so, dass die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen überhaupt nicht in Frage steht", sagte die "Wirtschaftsweise" Grimm.

Die Staatsverschuldung werde zwar vermutlich erst in zehn Jahren wieder Vorkrisenniveau erreichen, sagte Utermöhl. Dies sei aber verkraftbar - vor allem dann, wenn die Politik bei der Refinanzierung nicht ausschließlich auf höhere Steuern, sondern auch auf mehr Wachstum setze.

dpa-AFX

Quelle: boerse.ard.de
Darstellung: