Frauenquote

Pläne der Bundesregierung Frauenquote würde viele börsennotierte Firmen treffen

Stand: 27.11.2020 12:05 Uhr

Blickt man in deutsche Vorstandsetagen, sind Frauen immer noch die Ausnahme. Doch das soll sich nach dem Willen der Bundesregierung bald ändern. Viele große börsennotierte Unternehmen müssten dann reagieren.

Die geplante verbindliche Frauenquote in Vorständen trifft laut einer Analyse der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG) fast ein Drittel der 100 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland. Denn von diesen Firmen haben 29 mehr als drei Vorstandsmitglieder - darunter aber keine einzige Frau.

Entsprechend müssten bei einer Umsetzung des Gesetzesvorschlags der Bundesregierung nach gegenwärtiger Lage 29 Frauen in die Vorstände einziehen. Hintergrund ist, dass sich die große Koalition grundsätzlich auf eine verbindliche Frauenquote für Vorstände geeinigt hat.

Demnach muss in Vorständen börsennotierter und paritätisch mitbestimmter Unternehmen mit mehr als drei Mitgliedern spätestens ab einer Neubesetzung ein Mitglied eine Frau sein.

Rein männlicher Vorstand weiterhin möglich

Selbst diese Pläne seien eher marginal, kommentierte Nicole Voigt, Partnerin bei der BCG. Um mit den männlichen Kollegen gleichzuziehen, müssten 175 Frauen in die Vorstände aufrücken.

Doch längst nicht für alle großen Unternehmen brächte die geplante Frauenquote Veränderungen, zeigt die BCG-Studie. 27 der 100 Unternehmen mit dem größten Börsenwert könnten demnach weiter einen rein männlichen Vorstand führen, da ihre Vorstände weniger als drei Mitglieder haben. In 44 Konzernen sitzt hingegen schon mindestens eine Frau im Vorstand.

Von zehn auf 16 Prozent Frauenanteil

Durch die Frauenquote würde demnach der Anteil der weiblichen Vorstände an den 100 Unternehmen um sechs Prozentpunkte auf 16 Prozent klettern. Damit würde Deutschland im EU-Vergleich beim Frauenanteil in Vorständen ins Mittelfeld aufsteigen. "Wir wären in zwei Jahren dort, wo Spanien und Portugal heute sind. Die Quote ist ein Schritt in die richtige Richtung", sagte BCG-Expertin Voigt.

Laut der BCG-Studie gibt es genügend potenzielle Kandidatinnen für Vorstandsposten. Bei den 100 größten börsennotierten Unternehmen liegt demnach der Frauenanteil auf der ersten und zweiten Ebene unter dem Vorstand im Schnitt bei 22 Prozent.

Quote allein reicht nicht

Besonders hoch sei der Anteil mit 31 Prozent in der Pharma- und Medizinbranche, gefolgt von Finanzdienstleistern (25 Prozent). Die wenigsten Kandidatinnen gibt es demnach in den klassischen Männerdomänen der IT-Branche (14 Prozent) und im Maschinenbau (11).

"Die Quote allein bringt uns nicht weiter, wir brauchen ein ganzes Bündel von unterstützenden Maßnahmen", meint BCG-Partner Marcus van der Vegte. "Wenn Unternehmen beispielsweise den Frauenanteil nicht nur für den Vorstand, sondern auch für die erste und zweite Ebene darunter veröffentlichen müssen, erhöht sich die Transparenz."

ME/dpa

Quelle: boerse.ard.de
Darstellung: