Wirecard | imago images / Overstreet

Vor dem Untersuchungsausschuss KPMG erhebt schwere Vorwürfe gegen Wirecard

Stand: 26.11.2020 18:02 Uhr

Vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss hat der Wirtschaftsprüfer KPMG dem kollabierten Finanzdienstleister Wirecard vorgeworfen, seine Arbeit behindert zu haben. Doch auch gegen Konkurrent EY teilt KMPG aus.

"Im Verlauf der Untersuchung sind wir auf erhebliche Hürden und Hindernisse gestoßen, die in der mangelnden Kooperationsbereitschaft von Wirecard begründet lagen", sagte Alexander Geschonneck von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG heute im Untersuchungsausschuss des Bundestags.

Dokumente seien teils mit mehrmonatiger Verspätung zur Verfügung gestellt, Interviewtermine verschoben und der Zugang zu IT-Systemen nicht ermöglicht worden. Das Ergebnis sei trotzdem klar gewesen: Für die Geschäfte mit Drittpartnern in Asien habe Wirecard keine ausreichenden Nachweise zur Existenz von Kundenbeziehungen und daraus angeblich erzielten Umsätzen vorgelegt.

Mehr als die Hälfte des Umsatzes

Diese Geschäfte sollen bei Wirecard zuletzt mehr als die Hälfte des Umsatzes und einen Großteil des Gewinns ausgemacht haben. Es habe aber keine ausreichenden Nachweise zur Höhe der Umsätze, zu Kontoständen oder Zahlungseingängen gegeben, berichtete Geschonneck.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG war im Oktober 2019 mit der Sonderprüfung beauftragt worden, nachdem es mehrere Berichte über Unregelmäßigkeiten bei dem Tech-Konzern gab. Ihr Untersuchungsbericht brachte den Skandal erst richtig ins Rollen. Im Sommer räumte der inzwischen insolvente Dax-Konzern dann Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro ein.

"Desaströses Zeugnis für EY"

Der Untersuchungsausschuss des Bundestages hat laut SPD-Politiker Jens Zimmermann zahlreiche Dokumente von KPMG erhalten. Der eigentliche Wirecard-Bilanzprüfer EY (Ernst & Young) habe bis zum April 2020 an die Existenz von Wirecard-Treuhandkonten im Umfang von 1,9 Milliarden Euro geglaubt, die in der Bilanz fehlen.

"Das suggerieren zumindest Unterlagen, die wir gesichtet haben", so Zimmermann. KPMG müsse den Ruf der Branche retten. FDP-Politiker Florian Toncar ergänzte, KPMG sei entscheidend für die Aufklärung des Falls.

Daniel Bayaz, Obmann der Grünen-Bundestagsfraktion im Untersuchungsausschuss, ging noch einen Schritt weiter: "Für den Abschlussprüfer EY sind die Aussagen von Herrn Geschonnek (dem KPMG-Partner) über fehlende Nachweise von zentralen Kundenbeziehungen, Umsätzen und Kontonachweisen ein desaströses Zeugnis“

lg/dpa/rtr