Siemens Brennstoffzellen-Zug Mireo | Siemens

Zusammenarbeit mit Siemens Deutsche Bahn testet Wasserstoffzüge

Stand: 23.11.2020 07:43 Uhr

Die Zeit der Dieselzüge könnte bei der Deutschen Bahn abgelaufen sein. Ab 2024 soll ein von Siemens produzierter Wasserstoffzug in den Probebetrieb gehen. Es wäre angesichts der Masse an Dieselzügen ein Milliardenmarkt – und alles für den Klimaschutz.

"Die klimafreundliche Verkehrswende ist möglich", sagte Bahn-Vorstandsmitglied Sabina Jeschke. Die Bahn will in 30 Jahren klimaneutral unterwegs sein. Dafür müssen unter anderem 1.300 Dieseltriebzüge ersetzt werden. Denn 13.000 Kilometer Schiene haben keine Oberleitung, was etwa 39 Prozent des Netzes entspricht.

Ein Milliardengeschäft winkt

Das Partnerunternehmen Siemens wittert ein gigantisches Geschäft: "Wir sehen in Europa ein Marktpotenzial von 10.000 bis 15.000 Triebzügen, die in den nächsten zehn bis 15 Jahren ausgetauscht werden", sagte der Siemens-Mobility-Chef Michael Peter im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. Ein Zug des Typs Mireo Plus koste je nach Ausstattung fünf bis zehn Millionen Euro. "Das ergibt in Europa ein Marktpotenzial von 50 Milliarden bis 150 Milliarden Euro."

Für 2024 ist zunächst ein Probebetrieb im Raum Tübingen geplant, wie die Deutsche Bahn mitteilt. Der Zug von Siemens soll eine Reichweite von 600 Kilometern haben.

Siemens | picture alliance/Matthias Balk/dpa

Siemens-Zentrale in München Bild: picture alliance/Matthias Balk/dpa

Die Bahn testet

Die Bahn testet auch Hybrid-Loks mit Diesel und Batterie. Es soll zudem reine Batteriezüge geben. Experimentiert wird auch mit sogenanntem Öko-Diesel aus Altfetten. Denn auch mit Strom sind die Züge nicht sauber unterwegs. Der Ökostrom-Anteil im Bahnstrom liegt bei 60 Prozent. Für 2038 werden 100 Prozent angestrebt.

Für den Tübinger Wasserstoffzug rüstet die Bahn das Instandhaltungswerk Ulm um und entwickelt eine mobile Wasserstofftankstelle. Der Wasserstoff solle in Tübingen mit Ökostrom hergestellt werden. Der Zug werde ein Jahr lang einen Dieseltriebwagen zwischen Tübingen, Horb und Pforzheim ersetzen, hieß es. Das ermögliche es, 330 Tonnen Kohlendioxid im Jahr einzusparen.

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Abschied vom Diesel?

Bei der Leistung der Wasserstoffzüge gibt es Siemens-Manager Peter zufolge keine Abstriche. "In puncto Beschleunigung und Geschwindigkeit steht der Mireo herkömmlichen Elektro-Triebzügen in nichts nach und ist Dieselfahrzeugen überlegen." Für schwere Güterzüge wie auf den amerikanischen Langstrecken sehe Peter aber noch keine Einsatzmöglichkeit für Brennstoffzellen, wie Reuters berichtet.  

Auch auf der Straße stehen Dieselkraftstoffe unter Druck - hier ist allerdings die Konkurrenz des Elektroautos der entscheidende Faktor. Nach Einschätzung des Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer sind Dieselautos in Europa ein Auslaufmodell.

In den ersten neun Monaten dieses Jahres seien nur noch 27 Prozent aller Zulassungen in Westeuropa Dieselautos gewesen - gegenüber 31 Prozent im vergangenen Jahr und 58 Prozent 2011. "Die Elektrifizierung des Antriebsstrangs frisst den Diesel auf", schrieb Dudenhöffer in einer Studie.

ts