Thyssen testet Wasserstoff

Thyssenkrupp: Ist grüner Wasserstoff die Lösung? Thyssenkrupp: Ist grüner Wasserstoff die Lösung?

Stand: 13.11.2020 11:28 Uhr

Auf der Suche nach einer guten Story für Investoren hat Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz das milliardenschwere Zukunftsgeschäft mit Wasserstoff im Visier, wie Reuters unter Berufung auf Insider berichtet. Den Anlegern scheint die Idee zu gefallen.

Die Titel von Thyssenkrupp legen an einem relativ unspektakulären Börsentag um mehr als zwei Prozent zu. Vielleicht halten die Anleger die Idee für zukunftsfähig, zumal Wasserstoff als Energieträger eine Schlüsselrolle bei der Energiewende und beim Erreichen der Klimaziele zugesprochen wird. Bis zum Jahr 2050 soll die Industrie in Deutschland klimaneutral werden.

Für Thyssenkrupp sei dabei die Anlagenbau-Tochter Uhde von wesentlicher Bedeutung, wie Insider gegenüber Reuters berichten. Diese sei bereits jetzt in der Lage, Elektrolyse-Anlagen zu bauen, die grünen Wasserstoff produzieren. Wenn das Wasserstoff-Geschäft in Schwung komme, könne Uhde zu einem bedeutenden Gewinnbringer werden. Thyssenkrupp lehnte eine Stellungnahme dazu ab, berichtet Reuters.

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"Erheblicher strategischer Wert"

Die Tochter Thyssenkrupp Uhde Chlorine Engineers gehört zu 66 Prozent Thyssen, den Rest hält der italienische De-Nora-Konzern. Thyssenkrupp hatte Uhde zuletzt in die Sparte Multi Tracks geschoben. Dort bündelt der Konzern zur Disposition gestellte Geschäfte mit insgesamt 20.000 Mitarbeitern, für die er keine nachhaltigen Zukunftsperspektiven in der Gruppe sieht und die in Partnerschaften eingebracht, verkauft oder geschlossen werden könnten.

Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz
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Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz

Bei den Analysten der Deutschen Bank hatte dieser Schritt Verwunderung ausgelöst. Uhde sei immerhin Weltmarktführer bei der Chlor-Alkali-Elektrolyse. Angesichts der in den kommenden Jahrzehnten erwarteten hohen Investitionen in die Wasserstofftechnik könne dieses Asset einen erheblichen strategischen Wert entwickeln, schrieben sie im August. Der Wert könne bei einem Verkauf oder einem Börsengang die Marke von einer Milliarde Euro übersteigen.

Milliardenschwere Fördermittel

In der Stahl- oder Chemieindustrie kann Wasserstoff beispielsweise eingesetzt werden, um Werkstoffe und Chemikalien ohne klimaschädliches Kohlendioxid zu produzieren. "Grüner Wasserstoff gewinnt als Energieträger und CO2-freier Rohstoff für die chemische Industrie weltweit an Bedeutung", hob auch Thyssenkrupp in einer Pressemitteilung im Juni hervor. Die Kapazitäten sollten kontinuierlich ausgebaut werden.

Die Bundesregierung treibt das Thema mit einer Wasserstoffstrategie voran, die Fördermittel in Höhe von insgesamt neun Milliarden Euro vorsieht. Weitere Milliardensummen stellt die EU zur Verfügung.

Thyssenkrupp stellt in der kommenden Woche seine Bilanz für das abgelaufene Geschäftjahr 2019/20 vor. Nicht zuletzt wegen hoher Verluste der Stahlsparte dürften die Zahlen tiefrot sein.

rtr

Quelle: boerse.ard.de
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