Siemens | picture alliance/Matthias Balk/dpa

Corona bremst Siemens: Weniger Geld für Aktionäre

Stand: 12.11.2020 09:15 Uhr

Siemens hat dank eines robusten Industriegeschäfts im vierten Quartal der Corona-Krise getrotzt. Einbußen gab es allerdings beim Gewinn. Das bekommen auch die Aktionäre zu spüren.

So werden die Aktionäre für das im September beendete Geschäftsjahr 2019/20 eine Dividende von 3,50 Euro je Aktie bekommen, nach 3,90 Euro im Vorjahr. Es ist das erste Mal in seiner siebenjährigen Amtszeit, dass der scheidende Konzernchef Joe Kaeser die Ausschüttung kappen muss.

Denn der Nettogewinn ist im abgelaufenen Geschäftsjahr um ein Viertel auf 4,2 Milliarden Euro gesunken. Dabei kam Siemens ein Buchgewinn von 900 Millionen Euro vor Steuern aus der Abspaltung von Siemens Energy zugute, der die operativen Milliardenverluste der ehemaligen Tochter zum Teil ausglich. Dem gegenüber standen rund 500 Millionen Euro Kosten für den laufenden Personalabbau.

Ausgleich für Aktienrückkaufprogramm

Unter dem Strich kämen die Siemens-Aktionäre trotz der geringeren Ausschüttung nicht schlechter weg als ein Jahr zuvor, argumentiert der Konzern: Die Differenz entspreche dem Wert der Siemens-Energy-Aktien, die man ihnen Ende September ins Depot gebucht hatte. Einen Teil der Dividende sieht Siemens auch als Ausgleich für das im Frühjahr auf Eis gelegte Aktienrückkaufprogramm. Dennoch geriet die Aktie am Morgen heftig unter Druck.

"Nach der Abspaltung von Siemens Energy und der Veräußerung von Flender ist das neue Siemens hervorragend aufgestellt, um die gewaltige industrielle Transformation zu gestalten", sagte Kaeser, der im Februar 2021 endgültig den Hut nimmt.

Wertzuwachs durch Zukauf

Er hatte bereits im Frühjahr den Tiefpunkt in der Corona-Krise im dritten Quartal (April bis Juni) vorausgesagt, aber das Tempo der Erholung offengelassen. Im letzten Geschäftsquartal lag der Umsatz noch um sechs Prozent unter Vorjahr, der Auftragseingang um ein Prozent. Das operative Ergebnis stieg sogar um zehn Prozent und übertraf die Erwartungen der Analysten damit deutlich. Der Nettogewinn machte einen Sprung um 28 Prozent auf rund 1,9 Milliarden Euro.

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Begünstigt wurde dieser Anstieg durch den 800 Millionen Euro schweren Wertzuwachs der Beteiligung an der US-Softwarefirma Bentley Systems, die Ende September an die US-Börse Nasdaq ging. Im gesamten Geschäftsjahr ging der Umsatz des Konzerns - ohne Siemens Energy - um zwei Prozent auf 57,1 Milliarden Euro zurück. Der Wert der Aufträge schrumpfte um sieben Prozent auf 60,0 Milliarden.

Fast eine halbe Milliarde Euro Abschreibungen

"Wir haben ein Konglomerat in ein fokussiertes Technologieunternehmen gewandelt", sagte Kaesers Nachfolger Roland Busch, der bereits seit Anfang Oktober die Fäden zieht.

Doch es gab auch erhebliche Rückschläge. So muss Siemens fast eine halbe Milliarde Euro auf sein Elektroauto-Gemeinschaftsunternehmen mit dem französischen Autozulieferer Valeo abschreiben. Das Joint Venture schreibe seit seiner Gründung 2016 Verluste, begründete Finanzvorstand Ralf Thomas die Wertberichtigung von 453 Millionen Euro. "Wir gehen davon aus, dass sich daran auch mittelfristig nichts ändert."

Leichte Besserung erwartet

Im neuen Geschäftsjahr soll es wieder leicht aufwärts gehen: Der Umsatz soll dann ebenso moderat - also um drei bis fünf Prozent - steigen wie der Nettogewinn. Der Auftragseingang soll erneut höher ausfallen als der Umsatz.

Die größten Zuwächse erwartet Siemens dabei in der Zugsparte Mobility, die auf einem großen Auftragsbestand sitzt, aber die geringsten Margen aufweist. Der Umbau dort geht weiter: Die Sparte Intelligent Traffic Systems, die mit Verkehrssteuerungssystemen für Straßen und Städte 600 Millionen Euro umsetzt, soll ausgegliedert werden. Ein Verkauf sei aber nicht geplant, betonte ein Sprecher.

lg/rtr/dpa