Lufthansa Maschinen im Hangar

Wandelanleihe überzeichnet Lufthansa besorgt sich frisches Geld und neuen Finanzvorstand

Stand: 11.11.2020 09:21 Uhr

Die schwer angeschlagene Lufthansa nimmt sich ihre Finanzen vor. Sowohl beim Kontostand als auch beim Personal gibt es Änderungen.

Die Fluggesellschaft hat eine Wandelanleihe mit einem Volumen von 600 Millionen Euro bei institutionellen Anlegern platziert. Der Zinssatz liegt bei 2,0 Prozent pro Jahr. Am Morgen hatte der Konzern noch damit gerechnet, den Geldgebern einen Zinssatz von 2,25 bis 2,75 Prozent bieten zu müssen. Angesichts der hohen Nachfrage setzte die Lufthansa die Konditionen für die Anleger im Tagesverlauf aber herab und erhöhte das Volumen von 525 Millionen auf 600 Millionen Euro. Demnach war die Wandelanleihe mehr als sechsfach überzeichnet.

Die Lufthansa wertete die große Nachfrage als Vertrauensbeweis der Geldgeber. Die Anleihe sei für den Konzern ein weiterer Schritt, um bestehende Verbindlichkeiten und die staatlichen Hilfsgelder zu refinanzieren. Die Wandelanleihe hat eine Laufzeit bis 17. November 2025. Dann will Lufthansa den Investoren ihr Geld zurückzahlen, sofern sie die Papiere nicht zuvor zurückgekauft hat oder sie in Aktien gewandelt wurden.

Die Anleger haben die Möglichkeit, die Anleihe gegen neue oder bestehende Aktien der Lufthansa einzutauschen. Der anfängliche Wandlungspreis wurde nun auf 12,96 Euro festgelegt, was einer Wandlungsprämie von 40 Prozent über dem Referenzkurs von 9,2545 Euro entspricht. Am Morgen notierte die Lufthansa-Aktie bei rund 9,60 Euro.

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Flugzeuge statt Schokolade

Die Lufthansa hat zudem einen neuen Finanzchef gefunden. Remco Steenbergen, derzeit Finanzchef des Schweizer Schokoladen-Konzerns Barry Callebaut, wechselt zum ersten Januar kommenden Jahres zur Lufthansa, wie die beiden Konzerne am Mittwoch mitteilten. Das Finanzressort der Lufthansa wird nach dem Ausscheiden von Ulrik Svensson und Thorsten Dirks aktuell von Konzernchef Carsten Spohr geführt. Steenbergen ist seit drei Jahren Finanzchef von Barry Callebaut. Vor seinem Wechsel zu dem Schweizer Schokoladen-Konzern war der 52-jährige Niederländer für Philips und KPMG tätig. Steenbergen bringe exzellente Finanzexpertise aus verschiedenen Unternehmen und Branchen mit, sagte Lufthansa-Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley.

Die wird Steenbergen auch brauchen. Denn der Zusammenbruch des Flugverkehrs während der Pandemie macht der Lufthansa und der gesamten Branche schwer zu schaffen. Der Verlust des MDax-Konzerns wuchs im dritten Quartal auf knapp zwei Milliarden Euro. Der operative Abfluss von Barmitteln beschleunigte sich zudem wieder und soll im vierten Quartal auf maximal 350 Millionen Euro pro Monat begrenzt werden. Die Lufthansa-Gruppe verfügte nach jüngsten Angaben Ende September über liquide Mittel in Höhe von 10,1 Milliarden Euro. 6,3 Milliarden Euro daraus stammen aus der gemeinsamen Staatshilfe von mehr als neun Milliarden Euro von Deutschland, Österreich, der Schweiz und Belgien.

ME/dpa

Quelle: boerse.ard.de
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