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Branche in der Krise Aida: Preiserhöhungen wegen Corona

Stand: 09.11.2020 13:11 Uhr

Die Kreuzfahrtreederei Aida Cruises stimmt ihre Kundschaft angesichts der Corona-Belastungen auf zweistellige Preiserhöhungen ein. Kostenreduktionen würden nicht reichen, um die Umsatzeinbußen auszugleichen. Die aktuelle Nachricht über einen mögIichen Corona-Impfstoff lässt den Kurs des Mutterkonzerns nach oben schießen.

Die Aktie der US-Mutter Carnival klettert um 30 Prozent, Titel des Konkurrenten Royal Carribean steigen um mehr als 20 Prozent. Das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech hatte mitgeteilt, sein Impfstoff biete einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor Covid-19. Biontech und der US-Pharmakonzern Pfizer wollen nun in Kürze die Zulassung bei der US-Arzneimittelbehörde FDA beantragen.

Für die Kreuzfahrtbranche sind das ausgezeichnte Nachrichten, denn sie leidet in besonderer Weise an den Pandemie-Einschränkungen.

Kosten senken reicht nicht

Zuvor hatte die Kreuzfahrtreederei Aida Cruises über mögliche Preiserhöhungen aufgrund der Umsatzeinbußen berichtet: "Moderat steigende Preise sind durchaus möglich. Es ist denkbar, dass Kreuzfahrten 10 bis 15 Prozent teurer werden", sagte Michael Thamm, Chef der Costa Gruppe, zu der Costa Crociere und Aida Cruises gehören, der "Welt am Sonntag". Konzernmutter ist der US-Kreuzfahrtriese Carnival.   

Thamm wies auf massive Einbußen infolge der Corona-Pandemie hin: "Wir haben jeden Monat Umsatzausfälle von 400 Millionen Euro. Das können wir nicht durch Kostenreduktionen ausgleichen. Aus den zurückliegenden Monaten ist bei uns ein mittlerer dreistelliger Millionenbetrag an Verlusten aufgelaufen."

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Umsatzausfälle werden ausgeglichen

Aida Cruises hatte nach siebenmonatiger Unterbrechung im Oktober wieder mit Kreuzfahrten begonnen, allerdings aufgrund der Corona-Schutzvorkehrungen weniger als zur Hälfte belegt. Mit Blick auf den seit Anfang November verfügten Teil-Lockdown sind Fahrten Thamm zufolge nun für vier Wochen ausgesetzt. "Für uns ist das ein Zeichen der Solidarität, auch wenn wir es nicht machen müssen", sagte er. "Allerdings vertrauen wir dabei auf die Zusage des Wirtschaftsministers, dass Umsatzausfälle zu einem Großteil ausgeglichen werden sollen."

Kreuzfahrtschiff AIDADiva
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Restaurant auf dem Kreuzfahrtschiff AIDADiva

Noch nicht entschieden sei, ob sein Unternehmen staatliche Hilfen in Anspruch nehmen werden. "Wir sind mit dem Bund im Gespräch über die Gewährung von Krediten in mittlerer dreistelliger Millionen-Euro-Höhe", sagte Thamm. "Vielleicht werden wir das machen, entschieden ist es aber noch nicht."

Praktisch kein Geschäft  

Vor etwa einem Monat hatte der Mutterkonzern Carnival die Zahlen des dritten Quartals veröffentlicht. Die Corona-Pandemie hat das Geschäft erwartungsgemäß im Sommer praktisch zum Erliegen gebracht. Der Umsatz war verglichen mit dem Vorjahreswert um 99,5 Prozent von 6,5 Milliarden auf 31 Millionen Dollar eingebrochen.

Kreuzfahrtschiff Carnival Glory von Carnival Cruise Line
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Kreuzfahrtschiff Carnival Glory der Schifffahrtslinie Carnival Cruise Line

Unter dem Strich verbuchte Carnival einen Verlust von 2,9 Milliarden Dollar. Vor einem Jahr stand noch ein Gewinn von 1,8 Milliarden Dollar zu Buche.

In den USA wird bald wieder gefahren

Seit Mitte März sind Kreuzfahrten von US-Häfen aus aufgrund der Corona-Pandemie verboten - bald könnte es langsam wieder losgehen. Die Gesundheitsbehörde CDC gab am Ende Oktober bekannt, ihre strikte "No Sail Order" zu lockern und stellte ein Regelwerk für eine schrittweise Rückkehr zum Betrieb vor.

Auf ein rasches Comeback der kriselnden Branche deutet derzeit dennoch wenig hin. Angesichts neuer Corona-Eskalationen in Teilen der USA ist das Timing der CDC-Maßnahme eher etwas überraschend. Laut US-Medienberichten hätte Direktor Robert Redfield das Verbot eigentlich sogar gern verlängert, der Industrie soll es aber gelungen sein, mit verstärkter Lobbyarbeit eine von Vizepräsident Mike Pence geleitete Task Force der US-Regierung auf ihre Seite zu ziehen.

ts

Quelle: boerse.ard.de
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