Hamburger Hafen

Fünfter Anstieg in Folge Exporte mühen sich aus Corona-Tief

Stand: 09.11.2020 10:29 Uhr

Die Erholung der Exporteure hat sich im September kräftiger fortgesetzt als gedacht. Allerdings sollte man von einer Momentaufnahme sprechen, denn die zweite Corona-Welle könnte den Traum von der schnellen Rückkehr zum Wachstum platzen lassen.

Im September stiegen die Ausfuhren bereits den fünften Monat in Folge. Diesmal liegt das Plus bei 2,3 Prozent verglichen mit dem Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Plus von 2,0 Prozent gerechnet, nachdem es im August noch um 2,9 Prozent nach oben gegangen war.

Exporte nach China gewachsen

Im Vorjahresvergleich gingen die Exporte im September um 3,8 Prozent zurück, wie die Statistiker mitteilten. Gestiegen allerdings sind im Vorjahresvergleich die Exporte deutscher Waren und Dienstleistungen nach China, wo die Wirtschaft wieder kräftig wächst. Die Ausfuhren legten laut Statistik um 10,6 Prozent im Vergleich zum September 2019 auf 8,5 Milliarden Euro zu.

In die USA dagegen gingen 5,8 Prozent weniger Produkte made in Germany als vor einem Jahr, der Wert der Exporte erreichte hier 9,3 Milliarden Euro.

Chinesischer Arbeiter

Chinesische Wanderarbeiter auf einer Baustelle in Jiujiang

"Exportmotor läuft"

Von Januar bis September blieben die Exporte ungeachtet der jüngsten Aufholjagd weit unter dem Vorjahresergebnis. Sie sanken um 11,7 Prozent auf 880 Milliarden Euro. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) geht davon aus, dass im Gesamtjahr 2020 unterm Strich ein Minus von 13 Prozent herauskommen wird.

"Der Exportmotor der deutschen Wirtschaft läuft, die Phase der Erholung wird jedoch noch länger andauern", meint BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. Im September allein blieben die Ausfuhren um 7,7 Prozent unter dem Niveau von Februar 2020, also dem Monat vor dem Beginn der Corona-bedingten Einschränkungen.

"Dunkle Wolken"

Aber es gibt Gründe dafür, trotz der an sich positiven Entwicklung skeptisch zu bleiben, da die aktuelle Corona-Lage Anlass zur Besorgnis gibt: "Am Horizont ziehen bereits schon wieder dunkle Wolken auf. Die vom Ifo-Institut erhobenen Exporterwartungen trübten sich im Oktober empfindlich ein. Die zweite Corona-Welle und die damit einhergehenden Eindämmungsmaßnahmen bremsen die wirtschaftliche Erholung in den europäischen Nachbarländern deutlich ein", kommentiert Thomas Gitzel Chefvolkswirt bei der VP Bank.

VW-Produktion

VW-Mitarbeiter mit Mund-Nase-Schutz

Alexander Krüger, Chefvolkswirt beim Bankhaus Lampe, ist etwas optimistischer: Das sei ein erneut solider Zuwachs. Die Exporte halten gegen den Lockdown-bedingten Rezessionsdruck im Inland. Sie profitieren von der weltweiten Konjunkturerholung, vor allem in China. Auch aufgrund der guten Stimmungslage besteht Hoffnung, dass wenigstens der Außenhandel die Wirtschaft im laufenden Quartal stützen wird." Aber auch Krüger räumt ein: "Von Export-Normalisierung kann dabei aber keine Rede sein."

ts