Osram | picture alliance / SvenSimon

Machtübernahme auf Hauptversammlung AMS regiert bei Osram durch

Stand: 03.11.2020 14:15 Uhr

Bereits im Juli hatte die österreichische AMS bei der Übernahme des MDax-Unternehmens "Vollzug" gemeldet. Nun wird die Machtübernahme auf der Hauptversammlung auch formell vollzogen. Die restlichen Aktionäre und Aktionärschützer sind nicht restlos begeistert.

Künftig wird die Konzernmutter AMS gegenüber Osram "weisungsbefugt" sein und Osram einen Teil seiner Gewinne an die Österreicher abführen. Ein entsprechender Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag wird auf der heutigen Hauptversammlung eine klare Mehrheit finden. Die zu Beginn der virtuellen Hauptversammlung festgestellte Anwesenheit gibt dem Großaktionär klar die dafür nötige Mehrheit von 75 Prozent der anwesenden Stimmen.

Von Aktionärsvertretern kamen dennoch zahlreiche Fragen - laut Aufsichtsratschef Peter Bauer insgesamt 151 - und teils deutliche Kritik. "Heute ist ein trauriger Tag für die Osram-Aktionäre", kommentierte etwa Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Der Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag sei für Osram der erste Schritt in eine vollständige Abhängigkeit von AMS, sagte sie. Das sei "ein Jammer".

"In anderer Liga spielen"

Kritik kam zudem an der Durchführung der Hauptversammlung als virtuelle Veranstaltung. Mehrere Aktionäre monierten, dass sie während der laufenden Veranstaltung keine neuen Fragen stellen konnten. Aufsichtsratschef Bauer begründete dies mit der Corona-Pandemie und der Rechtslage. Osram-Chef Olaf Berlien warb für den Vertrag. Mit ihm breche eine "neue Zeitrechnung für Osram an. Und ich bin überzeugt, eine sehr erfolgreiche", sagte er. Der Schritt sei kein Bruch mit der "stolzen, 113-jährigen Geschichte" von Osram. Gemeinsam könnten AMS und Osram "der Weltmarktführer für Sensorik und Photonik werden. Und so künftig in einer anderen Liga spielen."

Der österreichische Sensorenhersteller AMS hatte die Osram-Übernahme im Juli abgeschlossen. Der Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag (BGAV) ist eine Notwendigkeit des deutschen Aktiengesetzes. Demnach musste die AMS Offer GmbH, welche 71 Prozent an Osram hält, mit Osram diesen Vertrag abschließen.

Geschäfte laufen wieder besser

Für den Lichtkonzern wurde es zuletzt auch geschäftlich wieder heller. Osram hatte im September kurz vor Ende des Geschäftsjahrs 2019/20 (bis Ende September) eine neue Prognose gewagt. Das Unternehmen wurde wegen zuletzt besser laufender Geschäfte in China und den USA optimistischer. Demnach rechnet das man nun mit einem vergleichbaren Umsatzrückgang von rund 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die bereinigte Marge des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll bei rund acht Prozent liegen. Vor allem die Geschäftsbereiche Automotive und Opto Semiconductors hätten von einer verbesserten Geschäftslage in den Kernmärkten profitiert, hieß es dazu.

Weitere Kursinformationen zu Osram

Die Aktie von Osram reagiert am Morgen kaum auf die bevorstehenden Beschlüsse. Der MDax-Titel notiert derzeit mit 51,42 in etwa auf Vortagesniveau. Damit liegt der aktuelle Kurs auch deutlich über dem Übernahmeangebot von AMS, das 44,65 Euro beträgt.

AB