Siemens Healthineers | Unternehmen

Nach Gewinnrückgang im letzten Geschäftsjahr Siemens Healthineers: Hoffnung auf bessere Zeiten

Stand: 02.11.2020 08:23 Uhr

Der Medizintechnikhersteller Siemens Healthineers hat die in ihn gesetzten Hoffnungen bisher nicht erfüllt. Nun soll die Übernahme eines Krebsspezialisten für mehr Wachstum sorgen.

So will Siemens Healthineers im laufenden Geschäftsjahr 2020/21 (Oktober bis Ende September) wieder Wachstum generieren. Der Umsatz soll auf vergleichbarer Basis um fünf bis acht Prozent zulegen, teilte der Konzern am Morgen mit. 2019/20 waren die Erlöse nahezu unverändert geblieben bei 14,5 Milliarden Euro.

Das bereinigte Ergebnis je Aktie sieht Healthineers in einer recht breiten Spanne bei 1,58 bis 1,72 Euro, nach vergleichbaren 1,61 Euro im Vorjahr. Das vierte Quartal (per Ende September) zeigte Verbesserungen im Vergleich zum Vorquartal, als vor allem das Diagnostikgeschäft pandemiebedingt deutlich unter dem Rückgang der Routine-Untersuchungen in den Krankenhäusern gelitten hat.

Umsatz und Gewinn unter Vorjahr

Umsatz und Gewinn lagen deshalb unter dem Vorjahr. So sanken die Einnahmen um 6,4 Prozent auf 3,88 Milliarden Euro. Das Diagnostikgeschäft erholte sich dabei im Vergleich zum dritten Quartal deutlich, lag aber mit einem vergleichbaren Umsatzrückgang von einem Prozent immer noch leicht im Minus. Die Margen blieben jedoch unter Druck.

Unter dem Strich verdiente Siemens Healthineers mit 428 Millionen Euro weniger als im Vorjahr, als noch 502 Millionen Euro zu Buche standen. Der Konzern will dennoch eine unveränderte Dividende von 0,80 Euro zahlen.

Bessere Bedingungen erwartet

In dem seit Anfang Oktober laufenden Geschäftsjahr geht das Management um Konzernchef Bernd Montag davon aus, dass sich die Bedingungen für Routine-Untersuchungen im Krankenhaus trotz der anhaltenden Pandemie verbessert, Siemens Healthineers durch die Pandemie also weniger in seiner Geschäftstätigkeit behindert wird. Zudem soll das Investitionsverhalten in den USA im kommenden Jahr wieder anziehen.

In dieser Prognose ist die Übernahme des US-Krebsspezialisten Varian noch nicht enthalten. Die Siemens-Tochter will die im August angekündigte 16,4 Milliarden Dollar schwere Akquisition in der ersten Hälfte des Kalenderjahres 2021 abschließen. Der Zukauf soll das Wachstum vorantreiben.

Übernahme verursacht hohe Verschuldung

Allerdings verfügt die erst seit knapp zwei Jahren eigenständige Siemens-Tochter nicht über ausreichend Kapital verfügt, um eine derart teure Übernahme zu stemmen. Finanziert werden soll der Deal in etwa je zur Hälfte über Kredite und eine Kapitalerhöhung.

Die Konzernmutter Siemens hat dazu einen Brückenkredit von 15,2 Milliarden Euro bereitgestellt. Der soll zur Hälfte mit neuen Aktien zurückgezahlt werden, wodurch der Anteil von Siemens an der Tochter auf etwa 72 Prozent sinken sollte.

In einem ersten Schritt stemmte der Konzern jüngst eine Kapitalerhöhung über rund 2,7 Milliarden Euro. Dazu erhielt das Unternehmen die kartellrechtliche Freigabe in den USA und die Varian-Aktionäre stimmten die Übernahme. Das Management geht daher weiter davon aus, den Kauf in der ersten Hälfte des Kalenderjahres 2021 abzuschließen.

Weitere Kursinformationen zu Siemens Healthineers

Strategisch sinnvoll

Die Übernahme von Varian schätzen die Analysten als strategisch sinnvoll ein, mit Blick auf die Kursentwicklung sind einige Branchenkenner allerdings skeptisch. In der Strahlentherapie könne sich Healthineers nach dem Zukauf gut schlagen, schrieb etwa Lisa Bedell Clive von Bernstein Research.

Auch die britische Investmentbank Barclays hält den Zukauf grundsätzlich für vernünftig. Ihr Analyst Hassan Al-Wakeel teilt allerdings einige der Bedenken am Markt, insbesondere was den hohen Preis und das Ausmaß der angestrebten Synergien angeht. Da im ersten Halbjahr eine weitere Kapitalerhöhung anstehen dürfte, rechnet der Experte mit einer Stagnation des Aktienkurses. Und auch Bernstein-Expertin Bedell Clive glaubt, dass der Deal für die Anleger vorerst nicht vorteilhaft sein werde. Langfristig jedoch verspreche der Zukauf strategische Vorteile.

lg/dpa-AFX