Airbus Werk Finkenwerder

Aktie steigt trotzdem Airbus tief in den Miesen

Stand: 29.10.2020 09:16 Uhr

Der Umsatz bricht ein, das Ergebnis sinkt dramatisch, der Stellenabbau verschlingt Milliarden: Airbus leidet stark unter der Krise der Luftfahrtindustrie. Aber es gab zuletzt auch positive Zeichen, die von den Investoren honoriert werden.

Die ums Überleben kämpfende Flugindustrie und der geplante Abbau von mehr als 15.000 Stellen halten Airbus tief in den roten Zahlen. In den ersten neun Monaten lief ein Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 2,2 Milliarden Euro auf. Im Vorjahr hatte der deutsch-französische Flugzeugbauer operativ noch plus 3,4 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Der hohe Verlust kommt unter anderem auch deshalb zustande, weil Airbus Rückstellungen von 1,2 Milliarden Euro für den Stellenabbau gebildet hat, mit dem sich Airbus auf eine längere Absatzkrise einstellt.

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Viele Flieger stehen auf Halde

Der Umsatz lag von Januar bis September mit 30,2 Milliarden Euro um mehr als ein Drittel unter dem Vorjahresniveau. Viele Fluggesellschaften verschieben die Abnahme bereits bestellter Flugzeuge oder stornieren Orders, weil ihnen angesichts des brachliegenden Flugverkehrs das Geld auszugehen droht. Airbus hatte seine Verkehrsflugzeug-Produktion wegen des Einbruchs im Flugverkehr und der Notlage vieler Fluggesellschaften um rund 40 Prozent heruntergefahren.

Von Januar bis September lieferte Airbus nur noch 341 zivile Flugzeuge aus, 40 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. 135 fabrikneue Maschinen, die von den Kunden bisher nicht abgenommen wurden, standen Ende September immer noch auf Halde.

Guillaume Faury
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Guillaume Faury, Airbus

Aber es gibt auch kIeine Lichtblicke: Im jüngst abgeschlossenen dritten Quartal brach der Umsatz nur noch um 27 Prozent ein. Ohne die Kosten für den Stellenabbau hätte Airbus trotz des anhaltenden Umsatzeinbruchs für einen operativen Gewinn von 820 Millionen Euro gereicht.

"Wir sehen Fortschritte"

"Nach neun Monaten sehen wir Fortschritte bei der Anpassung unseres Geschäfts an das neue Corona-Marktumfeld", sagte Airbus-Chef Guillaume Faury. Dass der Konzern die voraussichtlichen Kosten für den Stellenabbau nun beziffern könne, zeige, dass man in den Gesprächen mit den Arbeitnehmern gut vorankomme. Dabei rechnet er damit, dass es länger dauern wird, bis sich die Luftfahrt von der Krise erholen wird.

Die Anleger konzentrieren sich vor allem auf die positiven Aspekte. Im frühen Handel klettert die Aktie um mehr als ein Prozent. Zeitweise hatte sie über drei Prozent im Plus gelegen. Mit dem operativen Ergebnis (Ebit) und den Barmitteln liege der Flugzeugbauer über den Erwartungen, schrieb Goldman-Analyst Chris Hallam. Hierin spiegele sich eine bessere Kontrolle der Kosten wider sowie ein besserer Einsatz des Betriebskapitals.

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Bereits gestern hatte der Rivale Boeing Quartalszahlen präsentiert. Zum vierten mal in Folge machte das US-Unternehmen einen Quartalsverlust. Vorstandschef Dave Calhoun hatte mitgeteilt, dass die Mitarbeiterzahl bis Ende 2021 auf rund 130.000 reduziert werden dürfte. Anfang 2020 hatte Boeing noch ungefähr 160.000 Beschäftigte.

ts

Quelle: boerse.ard.de
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