Ausblick

Die Sorge vor dem neuen Lockdown Dax: Anleger fürchten zweite Pandemiewelle

Stand: 18.10.2020 12:02 Uhr

In den nächsten Tagen dürften sich die Anleger eher zurückhalten. Die Furcht vor einem erneuten Corona-Lockdown zwingt zu einer gewissen Vorsicht. Vielleicht hebt aber die kommende Berichtssaison die Stimmung.

In der vergangenen Woche hatte der Dax insgesamt 1,1 Prozent eingebüßt. Der EuroStoxx 50 verlor 0,8 Prozent. Auch die US-Indizes verbuchten auf Wochensicht Verluste.

Derzeit schwinge ständig die Angst mit, dass steigende Virus-Infektionen zusätzliche Restriktionen nach sich ziehen, sagt Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. "Die zweite Welle mit einem drohenden zweiten Lockdown ist das Störfeuer, das die von den Anlegern so herbeigesehnte konjunkturelle Erholung schon wieder im Keim ersticken könnte."

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"Die Dynamik der zweiten Corona-Welle überrascht auch die Börsianer", schreibt Chefvolkswirt Ulrich Kater von der Dekabank. "Ein Einbruch wie im Frühjahr ist zwar nicht zu befürchten, denn die Wirtschaft ist flexibler geworden. Aber erneute Rückgänge in der gesamtwirtschaftlichen Aktivität sind möglich." Insgesamt nähmen die Risiken zu, und in einer solchen Lage würden die Marktteilnehmer vorsichtiger.

"Wie stark die Nerven der Anleger sind, könnte nun einem erneuten Test unterzogen werden, denn nach einer Phase der Entspannung in den Sommermonaten haben die Unwägbarkeiten zuletzt wieder zugenommen", meint Helaba-Experte Markus reinwand. "Die hohe Bewertung, auf die wir bereits des Öfteren hingewiesen hatten, macht Aktien anfällig."

Die US-Wahl steht bevor

Eine erneute Rezession sei aber nicht zu befürchten, betont Commerzbank-Analyst Christoph Weil. "Die Verschärfung der Corona-Beschränkungen trifft vor allem Branchen wie den Tourismus, die schon jetzt weitgehend am Boden liegen. Produktion und Nachfrage anderer Güter dürfte im Gegensatz zur ersten Infektionswelle kaum betroffen sein."

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Donald trump auf einem Monitor der NYSE

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor sei die nahende US-Präsidentschaftswahl, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. US-Präsident Donald Trump liegt in Umfragen zwar hinter seinem Herausforderer Joe Biden. Einige Experten verweisen aber darauf, dass Trump 2016 unter ähnlichen Vorzeichen dennoch gesiegt habe.

Die Berichtssaison beginnt

Daneben halten zahlreiche Firmenbilanzen Investoren auf Trab. Unter anderem legen die Online-Videothek Netflix, der Chip-Hersteller Intel und der Kosmetik-Konzern L'Oreal Zahlen vor.

Unter dem Strich müsse bei europäischen Firmen mit einem Gewinnrückgang von 40 Prozent gerechnet werden, prognostiziert Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. "Dies wäre eine Verbesserung im Vergleich zum zweiten Quartal, als sich das Minus auf rund 50 Prozent belief." Entscheidend für die Kursreaktionen werde aber der Ausblick. Hier erwartet Stephan einen positiven Grundton.

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Nach Auffassung des Analysten Michael Bissinger von der DZ Bank sollte die Berichtssaison zum dritten Quartal zeigen, dass die Unternehmen zwar weiterhin stark unter dem Coronavirus leiden, seit dem Tiefpunkt im zweiten Quartal allerdings deutliche Fortschritte erzielt wurden. Allerdings geht laut Bissinger neben Corona und einer Vielzahl von politischen Risiken auch vom hohen Bewertungsniveau, das Aktien mittlerweile erreicht hätten, eine dämpfende Wirkung für die Kursentwicklung aus.

Wie läuft die Konjunktur?

Natürlich bleiben auch die aktuellen Konjunkturdaten derzeit besonders wichtig. Am Mittwoch wird der Wirtschaftsbericht der US-Notenbank Fed publiziert, das sogenannte Beige Book. Hiervon erhoffen sie sich Rückschlüsse auf die Geldpolitik. Am Donnerstag folgen die US-Frühindikatoren. Ebenfalls am Donnerstag gibt der GfK-Index Auskunft über die Kauflaune der deutschen Verbraucher. Wenige Stunden später folgt der Index des europäischen Verbrauchervertrauens.

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Zum Abschluss der neuen Woche folgt das Stimmungsbarometer der europäischen Einkaufsmanager. Die konjunkturelle Erholung von dem Virus-Einbruch dürfte im dritten Quartal laut Dekabank an Fahrt verlieren. Die Eurozone leide unter dem starken Anstieg der Infektionszahlen. Die wieder stärkeren Restriktionen des öffentlichen Lebens dürften auch die Einkaufsmanagerindizes belasten.

ts

Quelle: boerse.ard.de
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