Marktbericht neutral

Nach Kurseinbruch Dax: Warum ein Lockdown kein Horrorszenario sein muss

Stand: 16.10.2020 07:30 Uhr

An der Börse haben die steigenden Infektionszahlen Ängste vor einem neuen Lockdown geschürt. Dabei wäre ein früher Lockdown aus Perspektive von Wirtschaft und Börse vielleicht gar nicht mal das Schlechteste.

Von Angela Göpfert, boerse.ARD.de

Vorbörslich zeichnet sich nur eine schwache Gegenbewegung nach dem gestrigen Kursdesaster ab. Der Broker IG taxiert die deutschen Standardwerte aktuell 0,5 Prozent höher bei 12.761 Punkten. Am Donnerstag war der Dax zeitweise bis auf 12.600 Punkte abgerutscht. Zu Handelsschluss stand ein Minus von 2,5 Prozent auf 12.704 Zähler.

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Auftritt Realität

Wir hatten an dieser Stelle zuletzt vermehrt die – je nach Lesart – bemerkenswerte Ignoranz respektive Resilienz der Märkte gegenüber den steigenden Infektionszahlen in Deutschland und Europa herausgestrichen.

Nun, am Donnerstag, konnten die Anleger offenbar die infektiöse Realität nicht mehr länger ausblenden. Vor allem die Angst vor erneut scharfen Einschnitten für die Wirtschaft, ja womöglich sogar neuen Lockdowns in Europa, sorgte am Donnerstag für einen veritablen Kurseinbruch.

Die Vorteile eines frühen Lockdowns

Dabei wäre ein Lockdown aus Wirtschaftsperspektive keineswegs nur negativ zu werten. Ein früher Lockdown und die daraus resultierende rasche Ausbremsung der rasant steigenden Infektionszahlen hätte für die Wirtschaft zwar heftige, aber überschaubare Folgen.

Ein solcher Lockdown wäre nämlich deutlich kürzer und effizienter, als wenn man erst dann die Notbremse zieht, wenn die Zahlen ohnehin schon aus dem Ruder gelaufen sind. Die Menschen könnten viel rascher zu ihrer Arbeit zurückkehren, der volkswirtschaftliche Schaden wäre deutlich geringer.

Ein früher, kurzer Lockdown könnte somit dazu beitragen, die Folgen der Corona-Krise für die Wirtschaft abzumildern. Doch es sieht nicht danach aus, als ob sich Deutschland zu einem solchen Schritt durchringen könnte.

US-Konjunktursorgen

Dabei sind die grassierenden Lockdown-Ängste derzeit nicht die einzige Sorge der Anleger: Auch die Signale aus den USA waren zuletzt nicht gerade positiv. Die stockenden Verhandlungen über zusätzliche staatliche Hilfen für die Pandemie-gebeutelte amerikanische Wirtschaft lasten bereits seit Wochen auf den Kursen.

Dass ein zusätzliches Konjunkturpaket dringend nötig ist, haben auch die gestrigen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe gezeigt, die in der vergangenen Woche überraschend auf 898.000 gestiegen waren.

Dritter Minus-Tag an der Wall Street

Trotz dieses wahrlich nicht marktfreundlichen Umfeldes konnten die US-Börsen ihre anfangs deutlichen Verluste im Handelsverlauf stark begrenzen. Der Leitindex Dow Jones Industrial schloss lediglich 0,1 Prozent tiefer auf 28.494 Punkten. Der breit gefasste S&P 500 fiel 0,2 Prozent auf 3483 Zähler.

Die Tech-Werte zeigten dagegen relative Schwäche: Der technologielastige Nasdaq 100 büßte 0,7 Prozent auf 11.899 Punkte ein. Es war der dritte Handelstag infolge, den alle drei Indizes im Minus beendeten.

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Kursverluste auch in Asien

In Asien fallen zum Wochenschluss mehrheitlich die Kurse. Der japanische Nikkei notiert kurz vor Handelsschluss in Tokio 0,5 Prozent tiefer. An der Börse in Shanghai geht es 0,1 Prozent runter. Der Hang Seng in Hongkong kann hingegen 0,8 Prozent hinzugewinnen.

Der Euro kann sich nach seinem gestrigen Kursrutsch im asiatischen Devisenhandel weitgehend stabilisieren. Die europäische Gemeinschaftswährung verliert aktuell 0,1 Prozent auf 1,1705 Dollar. Am Donnerstag hatte die steigende Risikoaversion der Anleger zu einer Flucht in sichere Häfen geführt, zu denen auch der US-Dollar zählt.

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Ölpreise weiter auf Talfahrt

An den Rohstoffmärkten geht es für die Ölpreise angesichts der unsicheren Konjunkturaussichten weiter bergab. Der Preis für die US-Sorte WTI fällt zur Stunde um 1,0 Prozent auf 40,55 Dollar je Barrel. Ein Barrel der Nordsee-Benchmark Brent kostet mit 42,71 Dollar ebenfalls 1,0 Prozent weniger.

Der Goldpreis gibt im frühen Handel 0,1 Prozent auf 1.906 Dollar je Feinunze nach.

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Daimler überrascht mit operativ schwarzen Zahlen

Nach einem starken dritten Quartal sind Daimler-Aktien im frühen Handel die mit Abstand größten Dax-Gewinner. Für das abgelaufene Jahresviertel steht nach vorläufigen Zahlen ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 3,07 Milliarden Euro zu Buche. Analysten hatten lediglich mit knapp zwei Milliarden Euro gerechnet. JPMorgan-Analyst Jose Asumendi sprach von einer "hervorragenden" Entwicklung und einem positiven Signal für die gesamte Branche.

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Planung für Tesla-Wasserleitungen läuft auf Hochtouren

Die geplante Fabrik von US-Elektroautobauer Tesla in Grünheide nahe Berlin soll rund 1,4 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr verbrauchen - die Vorbereitungen für die Leitungen sind bereits in vollem Gang. „Wir müssen sie an unser vorhandenes Netz anschließen“, sagte die Sprecherin des Wasserverbands Strausberg-Erkner, Sandra Ponesky, der dpa. Das Netz verlagere sich wegen des Großabnehmers Tesla in den Süden. Die Genehmigungen verschiedener Behörden und Grundstücksfragen stünden noch aus.

Am Donnerstag hatte Strausberg Erkner Tesla das Wasser abgestellt, weil der US-Elektroautobauer das Geld nicht gezahlt habe. "Da wird Tesla nicht anders behandelt als andere", so Ponesky. Wenn das Geld eintreffe, werde das Wasser wieder angestellt.

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LVMH: Luxusmode und Lederprodukte wieder gefragt

Die Lust auf Luxus nimmt allmählich wieder zu: Im dritten Quartal verzeichnete der französische Luxusgüterkonzern LVMH (Louis Vuitton Moët Hennessy) mit Mode und Lederprodukten, der größten Sparte, ein Umsatzplus von 12 Prozent. Wegen des schwachen Uhrengeschäfts sank aber insgesamt der Konzernumsatz zwischen Juli und Ende September um sieben Prozent. Im bisherigen Jahresverlauf ist die Corona-Krise aber immer noch deutlich zu spüren: In den ersten neun Monaten schrumpften die Erlöse um 21 Prozent auf 30,3 Milliarden Euro.

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Quelle: boerse.ard.de
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