Roche

Rekordumsatz bei Virustests Roche: Corona beschleunigt hier und bremst da

Stand: 15.10.2020 10:30 Uhr

Die enorme Nachfrage nach Tests zur Diagnose von Infektionen mit dem Coronavirus hat der Diagnostik-Division des Pharmariesen Roche Schub verliehen - sie erreicht Rekordumsätze. Insgesamt sieht es aber trüber aus.

Der Umsatz im Diagnostik-Segment kletterte in den ersten neun Monaten 2020 wechselkursbereinigt um neun Prozent auf den Rekordwerte von 9,7 Milliarden Franken, wie Roche mitteilte. Im dritten Quartal belief sich das Plus gar auf 18 Prozent. Die hohen Wachstumsraten seien vor allem auf das breite Portfolio an Covid-Tests zurückzuführen.

Insgesamt bremst Corona

Konzernweit legten die Umsätze währungsbereinigt lediglich um ein Prozent auf 44 Milliarden Franken zu. Denn die wesentlich größere Pharmadivision des weltweit führenden Baseler Herstellers von Krebsmedikamenten setzte etwas weniger um. Hier bremste die Coronakrise das Geschäft. Krankenhausaufnahmen und Arztbesuche gingen wegen der Angst vor einer Virus-Ansteckung vorübergehend zurück.

Corona Test

Verdachstfälle werden im Labor geprüft

"Nach dem pandemiebedingten Rückgang im zweiten Quartal stabilisierte sich der Umsatz im dritten Quartal aufgrund der anhaltend starken Nachfrage nach unseren neuen Medikamenten und Covid-19-Tests", erklärte Konzernchef Severin Schwan.

Im Schlussquartal erwartet Schwan eine weitere Erholung, so dass er Roche auf gutem Weg zu den Jahreszielen sieht. Im gesamten Jahr rechnet der Manager weiterhin mit einem währungsbereinigten Anstieg des Umsatzes um einen niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbetrag. Das Wachstum des bereinigten Gewinns je Genussschein und Aktie soll weitgehend dem Umsatzplus entsprechen.

"Erwartungen verfehlt"

Die Roche Aktie büßt in der Schweiz mehr als zwei Prozent ein. Das dritte Quartal des Pharmakonzerns habe die Markterwartungen leicht verfehlt, schrieb Bernstein-Analyst Wimal Kapadia. Damit habe sich seine Vorsicht im Vorfeld bestätigt.

Severin Schwan

Severin Schwan, Roche-CEO

Beim Umsatz habe der Pharmakonzern die Erwartungen leicht verfehlt, schrieb auch Goldman-Sachs-Analyst Keyur Parekh. Beruhigend sei unterdessen der bestätigte Gesamtjahresausblick. JPMorgan-Experte Richard Vosser meint, die Enttäuschung sei allerdings nicht so groß, um eine stärkere Korrektur der Aktie zu rechtfertigen.

Roche ist laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY aus dem Juni 2020 nach Umsätzen der größte Pharmakonzern der Welt. Roche überholte damit den US-Konkurrenten Pfizer, der seit 1999 ununterbrochen an der Spitze lag. Der deutsche Branchenvertreter Bayer belegt auf der Rangliste Platz 15.

ts