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Was bisher geschah Erst Steinhoff, dann Wirecard - jetzt Grenke?

Stand: 02.10.2020 08:00 Uhr

Die Leasingfirma Grenke hat es binnen weniger Tage von einem Schattendasein an der Börse ins Rampenlicht geschafft. Der britische Shortseller Fraser Perring wirft Grenke Betrug, Geldwäsche und Bilanztäuschung vor. Heute präsentiert Grenke die frischen Neunmonatszahlen.

Die Investorengruppe Viceroy erhebt seit Wochen gravierende Anschuldigungen gegen den Leasingkonzern und hat damit den Börsenkurs in den Keller getrieben. So war es geplant, denn Viceroy hat die Aktie nach eigenen Angaben leerverkauft. Sogenannte Shortseller verdienen an fallenden Aktienkursen, sodass die Vorwürfe interessengetrieben sind.

Das heißt allerdings nicht, dass sie unzutreffend sind, wie das Beispiel Wirecard zeigt. Denn auch Wirecard und den Möbelhändler Steinhoff hatte Perring im Visier – bei beiden Unternehmen bestätigten sich bekanntermaßen die Zweifel an den Geschäftsmodellen.

Die im MDax notierte Grenke-Aktie verlor zeitweise die Hälfte ihres Werts und sackte von rund 55 Euro bis auf weniger als 24 Euro ab. Viceroy-Chef Fraser Perring hatte den Kurssturz Mitte September mit einen 64-seitigen Bericht ausgelöst. Darin war er dem Unternehmen unter anderem Betrug, Bilanzfälschung und Geldwäsche vor. Ferner behauptete er, Grenkes Franchisesystem sei ein Betrugskonstrukt im großen Stil, ein großer Teil der im Geschäftsbericht aufgeführten finanziellen Mittel von knapp 1,1 Milliarden Euro existiere nicht.

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Das Geschäftsmodell der Grenke-Gruppe

Grenkes Geschäftsmodell ist komplex. Der Konzern führt Finanzierungsgeschäfte für Unternehmen, Selbstständige und Start-ups durch. Die Grenke-Gruppe hat knapp 1.700 Beschäftigte weltweit. Aktiv ist das Unternehmen vor allem im sogenannten Small-Ticket-Leasing. Das heißt, der Wert der im Rahmen der einzelnen Verträge angeschafften Software und Geräte, Computer, Telefone, Laptops und so weiter, ist bei Grenke in der Regel gering.

Die Gruppe verfügt auch über eine eigene Bank. Grenke bietet Bankkonten, Kredite und das sogenannte Factoring an. Eine Factoring-Firma kauft anderen Unternehmen üblicherweise deren Forderungen gegenüber Kunden ab und kümmert sich dann gegen Provision selbst um die Abwicklung der Zahlungen.

Wolfgang Grenke lässt Aufsichtsratsmandat ruhen

Eine Veränderung bei Grenke hat Perring möglicherweise bereits erreicht: Der Leasingspezialist prüft die Integration des kritisierten Franchisesystems in den Konzern. Wolfgang Grenke, Unternehmensgründer und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Konzerns, biete dabei die Übernahme der von der Gesellschaft CTP gehaltenen Beteiligungen an den Franchisegesellschaften an und lasse wegen möglicher Interessenkonflikte sein Aufsichtsratsmandat ruhen, bis die Vorwürfe ausgeräumt seien, hieß es.

Das Franchisesystem nutzt Grenke zur Expansion in neue Märkte. Die Kapitalmehrheit der Unternehmen liegt den Angaben von Grenke zufolge bislang bei verschiedenen Finanzinvestoren, darunter der CTP Handels- und Beteiligungs GmbH (CTP), deren indirekter Eigentümer seit Februar 2020 Wolfgang Grenke ist. Nach etwa vier bis sechs Jahren erwirbt Grenke die Franchise-Unternehmen. Der Grenke-Konzern erwägt nun, bereits mit Gründung Gesellschafter der Franchise-Unternehmen zu werden.

Wolfgang Grenke |

Wolfgang Grenke

Wie sich Grenke verteidigt

Bezüglich des Vorwurfs der nichtexistenten Mittel verwies Grenke jüngst auf die Kontensalden bei der Bundesbank und veröffentlichte Kontoauszüge. Demnach befanden sich Ende Juni auf zwei Konten der Grenke AG und der Grenke Bank bei der Bundesbank zusammen gut 850 Millionen Euro. Das seien fast 80 Prozent der ausgewiesenen liquiden Mittel zum fraglichen Zeitpunkt gewesen. Viceroy hatte als Reaktion auf eine jüngste Telefonkonferenz des Managements geantwortet: "Uns ist wohl bewusst, dass rund 800 Millionen von Grenkes Bargeld bei der Bundesbank gehalten werden." Das allein reiche als Nachweis aber nicht aus.

Das Grenke-Management hat ferner ein Sondergutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG angekündigt, das die Vorwürfe ausräumen solle. KPMG prüft seit einigen Jahren die Bilanz des Unternehmens. "Das war ein erster Schritt zur Zurückgewinnung des Vertrauens", erklärte Analyst Andreas Schäfer von Bankhaus Lampe.

Außerdem hat Grenke die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton für eine Sonderprüfung des Franchise-Geschäfts engagiert. Unter anderem werde die Marktüblichkeit der Bewertungen der Franchisefirmen, die Vorteilhaftigkeit für Grenke und die Validierung der Kaufverträge untersucht.

Was tun die Aufsichtsbehörden?

Nach dem Wirecard-Desaster möchten sich natürlich die zuständigen Aufsichtsbehörden nicht vorwerfen lassen, man habe zu lange gezögert. Der Finanzaufsicht wird nachgesagt, bei der Prüfung von Wirecard versagt zu haben und die Bilanzfälschungen, die zur Insolvenz geführt haben, nicht früher erkannt zu haben. Die BaFin will deshalb ganz genau bei Grenke hinschauen.

BaFin-Präsident Felix Hufeld |

BaFin-Präsident Felix Hufeld: Im Wirecard-Fall scharf kritisiert

Während die BaFin bei Wirecard nur Kontrolle über die Wirecard Bank hatte, steht Grenke voll unter der Aufsicht der Bonner Behörde, die eine Sonderprüfung gestartet hat. Die beauftragte Beratungsgesellschaft Mazars untersucht in erster Linie vier Unternehmen innerhalb des Konzerns, die bankaufsichtlichen Vorschriften unterliegen. Dazu zählt beispielsweise die Grenke Bank.

Die BaFin beleuchtet jetzt auch den Konzernabschluss 2019. Bei der Bilanzprüfung will die BaFin nach eigenen Angaben nun unter anderem "Ansatz und Höhe" der in der Grenke-Bilanz ausgewiesenen Guthaben bei Kreditinstituten und Zentralbanken prüfen.

"Wir haben von Anfang an volle Transparenz und selbstverständlich umfassende Kooperation mit den Aufsichtsbehörden zugesagt", sagte Grenke-Chefin Antje Leminsky. Es sei im Interesse aller, die Vorwürfe aus der Welt zu schaffen.

ts