Grenke-Unternehmenszentrale in Baden-Baden |

Reaktion auf Vorwürfe von Shortseller Grenke lässt Franchise-Geschäfte überprüfen

Stand: 24.09.2020 11:31 Uhr

Der britische Leerverkäufer Fraser Perring wettet weiter gegen Grenke Leasing. Er habe keine Zweifel, dass der Kurs weiter falle. Derweil hat der Leasing-Spezialist einen Wirtschaftsprüfer beauftragt, das Franchise-System unter die Lupe zu nehmen.

Für das Anfang der Woche angekündigte Vorhaben sei die Gesellschaft Warth & Klein Grant Thornton mandatiert worden, gab der MDax-Konzern am Donnerstag in Baden-Baden bekannt. Offenbar bewusst verzichtete Grenke auf eine der großen vier Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, nachdem EY wegen des Wirecard-Skandals in Verruf geraten war. Warth & Klein Grant Thornton sieht sich als eine der führenden mittelständischen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in Deutschland - mit 1.350 Mitarbeitern an Standorten. Die 1958 gegründete Gesellschaft ist Teil des internationalen Netzwerks von Grant Thornton.

Verschleierte das Franchising-System Scheingewinne?

Warth & Klein Grant Thornton soll die Franchise-Geschäfte und deren Übernahmen untersuchen. Grenke will nach den Anschuldigungen des Leerverkäufers Viceroy Research klären lassen, ob die übernommenen Gesellschaften eine marktübliche Bewertung hatten und ob die eingefädelten Deals für Grenke vorteilhaft waren. Dabei geht es auch um die Gültigkeit von Kaufverträgen und um die jeweils beteiligten Parteien.

Viceroy hatte behauptet, das Franchising-System des Konzerns sei ein Dickicht, mit dem Grenke Scheingewinne verschleiere, die bei der Übernahme von Einzelgesellschaften dann mit überhöhten Bewertungen in der Grenke-Bilanz landeten. Viceroy hat die Grenke-Aktien nach eigenen Angaben "geshortet" und dürfte so an fallenden Kursen verdienen.

Kontoauszüge veröffentlicht

Außerdem hat der Leasingspezialist am Donnerstag im Zuge der Anschuldigungen rund um angeblich zu hoch ausgewiesene Bargeldguthaben Kontoauszüge veröffentlicht. Demnach befanden sich Ende Juni auf zwei Konten der Grenke AG und der Grenke Bank bei der Bundesbank zusammen gut 850 Millionen Euro, wie aus den am Donnerstag auf einer Webseite des Konzerns bereitgestellten Auszügen hervorgeht. Am ersten Tag im Juli kamen auf einem der Konten noch 80 Millionen Euro per Überweisung hinzu. Der Grenke-Konzern hatte im Zwischenbericht für den Stichtag Ende Juni ein Kontenguthaben von 849 Millionen Euro bei der Bundesbank ausgewiesen. Zuletzt sprach Grenke von einem Guthaben von 761 Millionen Euro per Mitte September.

Die Investorengruppe Viceroy Research wirft dem Konzern unlautere Geschäftspraktiken rund um Scheingewinne und zu hoch ausgewiesene Geldbestände vor. Viceroy hatte in einem Bericht den Vorwurf verbreitet, ein bedeutender Teil der von Grenke zum Halbjahr auf knapp 1,1 Milliarden Euro taxierten finanziellen Mittel existiere gar nicht. Grenke versucht, sich der Vorwürfe mit dem Hinweis auf die Kontensalden bei der Bundesbank zu erwehren. Das seien fast 80 Prozent der ausgewiesenen liquiden Mittel zum fraglichen Zeitpunkt gewesen.

Fraser Perring glaubt an weiter fallende Kurse

Viceroy hatte als Reaktion auf eine Telefonkonferenz des Managements vom vergangenen Freitag geschrieben: "Uns ist wohl bewusst, dass rund 800 Millionen von Grenkes Bargeld bei der Bundesbank gehalten werden." Der Gruppe reicht das aber nicht. "Zeigen Sie uns, dass das Geld aus Ihrem sehr profitablen Geschäft existiert, das für mehr als 95 Prozent der Umsätze und Gewinne von Grenke steht."

Der britische Spekulant und Leerverkäufer Fraser Perring wettet weiter gegen den Baden-Badener Leasingspezialisten. "Ich kann nur Geld verdienen, wenn ich meine Positionen schließe, aber bei Grenke ist das noch nicht der Fall", sagte Perring der "WirtschaftsWoche". Er habe "keinen Zweifel" daran, dass der Kurs weiter falle, sagte Perring.

Einige Fondsgesellschaften vom Kurssturz betroffen

Die Grenke-Aktien verlieren rund ein Prozent. Seit den Vorwürfen Anfang vergangener Woche ist der Kurs um gut 40 Prozent abgestürzt - von 55 Euro auf 33,20 Euro. Nach der Short-Attacke durch Fraser Perring kündigte Grenke eine Sonderprüfung der eigenen Bilanzen durch den regulären Buchprüfer KPMG an. Vom Kurssturz von Grenke sind mehrere Fondsgesellschaften und Value-Investoren betroffen. Die Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, hält knapp 4,6 Prozent Anteile an Grenke, die Allianz Global Investors ist mit rund drei Prozent beteiligt. Union Investment überprüft die Validität der Vorwürfe und hat Kontakt mit Grenke aufgenommen. Gegebenenfalls sollen Anpassungen in den Fonds vorgenommen werden.

Weitere Kursinformationen zu Grenke

Die Vermögensverwalter Acatis, der ebenfalls stark in Grenke-Aktien investiert ist, stärkt dem Leasingspezialisten den Rücken. "Wir halten das Unternehmen und sein Geschäftsmodell weiterhin für solide und sehen keine Veranlassung für eine Reduzierung der Grenke-Positionen in unseren Fonds", teilte Acatis mit. Grenke sei kein zweites Wirecard, betonte Acatis-Chef Hendrik Leber. Der Vermögensverwalter hat sogar Aktien nachgekauft.

nb