Corona in Japan

Wirtschaft schrumpft um ein Viertel Rekordeinbruch in Japan

Stand: 08.09.2020 07:53 Uhr

Die Konjunktur in einer der größten Volkswirtschaften der Welt bricht durch die Corona-Krise ein wie noch nie. Das Land steckt nun in einer tiefen Rezession - und steht gleichzeitig vor einer politischen Neuorientierung.

Japans Wirtschaft hat im Zuge der Corona-Krise einen noch drastischeren Rekordeinbruch erlitten als bislang erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der vor Deutschland drittgrößten Volkswirtschaft der Welt sank im zweiten Quartal dieses Jahres - auf das Jahr hochgerechnet - um real 28,1 Prozent, wie die Regierung in Tokio am Dienstag auf Basis revidierter Daten bekanntgab. Zunächst hatten die amtlichen Statistiker einen Rückgang um 27,8 Prozent ermittelt. Japans Wirtschaft war bereits in den beiden Vorquartalen geschrumpft und steckt damit in einer Rezession. Dass der Einbruch diesmal noch viel heftiger ausfallen würde, hatten Ökonomen allgemein erwartet.

Erholung wird Jahre brauchen

Der Rückgang der wirtschaftlichen Leistung im zweiten Quartal ist der stärkste, den das Land seit 1980, dem Beginn der Aufzeichnung vergleichbarer Daten, verzeichnet hat. Im Vergleich zum vorangegangenen Quartal ergab sich ein Minus von 7,9 Prozent statt der zunächst errechneten 7,8 Prozent. Im laufenden Quartal rechnen Ökonomen zwar wieder mit einem Aufschwung, doch trübt die Sorge über eine neue Infektionswelle im Land die Erholungsaussichten. Experten nehmen an, dass es noch Jahre dauern wird, bis sich Japan vollständig von den Auswirkungen der globalen Pandemie erholt hat.

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Dafür sorgte vor allem sinkender Konsum: Separate Daten zeigten, dass die Haushaltsausgaben im Juli im Vergleich zum Vorjahr um 7,6 Prozent zurückgingen, Analysten hatten mit einem Rückgang von 3,7 Prozent gerechnet. Die Löhne fielen im Juli zum fünften Mal in Folge, was auf einen anhaltenden Rückgang der Verbraucherausgaben hindeutet.

Nachfolger für Abe gesucht

Mitten in der Corona-Krise steht das Land auch politisch vor einem Führungswechsel, nachdem Ministerpräsident Shinzo Abe zurückgetreten war. Drei Kandidaten treten im Rennen um die Nachfolge an. Der Wettbewerb innerhalb der liberaldemokratischen Partei begann am Dienstag. Bei der Abstimmung am 14. September wird festgelegt, wer neuer Parteivorsitzender wird. Letztlich geht es aber auch um den Posten des Ministerpräsidenten, da die Regierungskoalition eine Mehrheit im Parlament hat.

Als Favorit für den Parteichefposten gilt Abes langjährige rechte Hand, Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga. Der 71-Jährige reichte vergangene Woche formell seine Kandidatur für die Führung der liberaldemokratischen Partei ein. Er tritt gegen zwei jüngere Konkurrenten an, Ex-Verteidigungsminister Shigeru Ishiba und Ex-Außenminister Fumio Kishida (beide 63). Abe hatte seinen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen bekannt gegeben.

Quelle: boerse.ard.de
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