Industrieanlage

"Ernüchterung" Geht der deutschen Industrie schon die Puste aus?

Stand: 07.09.2020 11:09 Uhr

Die deutsche Industrie hat sich zwar den dritten Monat in Folge von dem drastischen Produktionseinbruch in der Corona-Krise erholt. Der Anstieg fällt aber deutlich schwächer als erwartet aus.

Industrie, Bau und Energieversorger stellten im Juli zusammen 1,2 Prozent mehr her als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Ökonomen hatten hier allerdings mit einem deutlichen stärkeren Plus von 4,7 Prozent gerechnet. Im Juni hatte es noch ein Plus von 9,3 Prozent gegeben, im Mai von 7,4 Prozent.

Peter Altmaier
galerie

Peter Altmaier (CDU), der Chef des Bundeswirtschaftsministeriums

"Im Juli hat sich die seit Mai zu beobachtende Erholung der Produktion fortgesetzt, wenngleich mit niedrigerem Tempo", teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. In der Industrie habe die Produktion zuletzt fast 90 Prozent ihres Niveaus vom vierten Quartal 2019 erreicht, der Zeit vor Ausbruch der Corona-Pandemie.

"Die wieder bessere Stimmung in den Unternehmen und die gesunkene Kurzarbeit sprechen dafür, dass sich der Aufholprozess in den kommenden Monaten fortsetzt, wenngleich er noch einige Zeit in Anspruch nehmen dürfte", erwartet das Ministerium.

Wurzel, V, L, U, W, oder I?

"Die Daten bestätigen unser Bild einer 'wurzelförmigen' konjunkturellen Erholung", kommentiert Martin Moryson, Chefvolkswirt Europa bei der DWS. "Nach dem dramatischen Einbruch im April und Mai, folgte eine rasante Erholung unmittelbar nach dem Lockdown. Nun liegt der dynamische Teil hinter uns und die Erholung biegt in die zweite Phase einer sehr langsamen Normalisierung ein." Moryson spricht von Ernüchterung.  

Die Produktionsdaten aus dem Juli seien "schon eine ziemliche Enttäuschung", sagte Ökonom Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg. "Die Erholung der Industrie kommt ins Stocken", meinte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank die Produktionsdaten.

alt VUWL

Von V bis L - wie erholt sich die deutsche Konjunktur?

Deutschland droht 2020 die schwerste Rezession der Nachkriegsgeschichte. Danach sollte es allmählich wieder aufwärts gehen. Volkswirte rätseln, ob die Erholung in Form eines V, U, W oder L ausfällt. Was ist am wahrscheinlichsten?

Von Notker Blechner, boerse.ARD.de

Hoffnungsschimmer China

Trotz des enttäuschend schwachen Produktionsanstiegs rechnet der Chefvolkswirt der VP Bank weiter mit einem "kräftigen Wachstum" der Gesamtwirtschaft im dritten Quartal. Zwar seien die Verbraucher und Konsumenten nach wie vor verunsichert, was den Konsum und die Investitionen belaste. Dagegen sorge die starke konjunkturelle Erholung beim wichtigen Handelspartner China für einen Hoffnungsschimmer. "Die deutschen Unternehmen können zumindest auf Bestellungen aus Asien setzen", sagte Gitzel.

Weitere Kursinformationen zu Dax

Der Dax reagiert unbeeindruckt und notiert solide in der Gewinnzone.

ts  

Quelle: boerse.ard.de
Darstellung: