Autoflaute

Letzte Rettung "Auto-Prämie"? Ifo: Stimmung in der Autobranche auf dem Tiefpunkt

Stand: 04.05.2020 13:14 Uhr

Die Geschäftslage in der Autoindustrie ist laut dem Ifo-Institut so schlecht wie nie. Dennoch bieten die Hersteller zurzeit nur geringe Rabatte auf Neuwagen. Offenbar warten die Autobauer die Verhandlungen mit Berlin über staatliche Kaufanreize ab.

Bundesregierung und Branchenvertreter wollen am Dienstag beim Autogipfel über die Lage in der Industrie diskutieren. Die Hersteller fordern Kaufprämien, um den Deutschen wieder Lust auf Autos zu machen. Diese sollen nicht unbedingt an den Kauf von Elektroautos gekoppelt sein. "Wir brauchen die Prämie unabhängig von der Antriebsart für das gesamte Produktangebot", betonte VW-Chef Herbert Diess in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Weitere Kursinformationen zu Volkswagen VZ

Hälfte der Deutschen für "Autoprämie"

Die Prämie sollte mindestens bei 5.000 Euro liegen, meinen 37 Prozent der Bundesbürger in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Verkehrsplattform Mobile.de. Demnach befürwortet fast die Hälfte der Deutschen (47 Prozent) eine staatliche Prämie - unter anderem auch zur Förderung von umweltfreundlichen Autos. 38 Prozent sagen allerdings, dafür sollten keine Steuergelder ausgegeben werden. Laut Umfrage planen derzeit 14 Prozent der Deutschen, ein Auto zu kaufen. Weitere sieben Prozent wollten eigentlich ein Auto kaufen, haben ihre Pläne wegen der Corona-Krise aber erst einmal verschoben.

Elektro-Auto
galerie

Elektro-Auto

Viele Menschen zögern derzeit wegen Rezession, Kurzarbeit und steigender Arbeitslosigkeit mit teuren Anschaffungen wie Autos. Im März brachen die Pkw-Neuzulassungen in Deutschland um 38 Prozent ein. Und im April dürfte der Einbruch noch größer sein. "Autos werden nicht das Erste sein, was die Kunden nach der durchlittenen Viruskrise kaufen", meint Frank Schwope, Ökonom und Autoexperte von der NordLB, gegenüber boerse.ARD.de.

Momentan keine Rabattschlacht

Da helfen auch keine Rabatte derzeit. Laut der monatlichen Studie des "Center Automotive Research" gibt es bei den deutschen Autohändlern derzeit nur geringe Preisnachlässe auf Neuwagen. Demnach verharrten Hersteller und Händler im April mit ihren Aktionen auf dem bereits niedrigen Niveau der Vormonate. Laut Studienleiter Ferdinand Dudenhöffer gab es zuletzt im Sommer 2014 so niedrige Rabatte wie derzeit.

Er vermutet eine bewusste Zurückhaltung bis zu einer Entscheidung über staatliche Kaufanreize. "Es vermittelt sich der Eindruck, dass die Autobauer vor eigenen Rabatten erstmal auf die Kanzlerin warten", glaubt Dudenhöffer.

Am Dienstag will Kanzlerin Merkel bei einem "Autogipfel" über mögliche Anschubhilfen für die Autoindustrie beraten. Von einer deutschen "Autoprämie" würde absolut VW am meisten profitieren, weil die Wolfsburger den höchsten Marktanteil in Deutschland haben. Relativ gesehen dürften staatliche Kaufanreize besonders ausländischen Kleinwagenhersteller nützen - wie schon bei der Abwrackprämie 2009.

Stimmung in der Branche trübt sich dramatisch ein

Die Geschäftslage in der deutschen Autobranche hat sich dem Ifo-Institut zufolge im April wegen der Corona-Pandemie so stark eingetrübt wie noch nie. Das Barometer brach auf minus 85,4 Punkte ein von minus 13,2 Punkten im März, teilten die Münchner Forscher am Montag mit. "Wir haben noch nie so schlechte Zahlen für diese Schlüsselbranche ermittelt", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. In der Finanzkrise war das Barometer im April 2009 auf den bisher tiefsten Stand, minus 82,9 Punkte gefallen.

Die Aussicht auf eine rasche Trendwende besteht nicht. Denn der Auftragsbestand hat sich nicht gebessert. Dieses ebenfalls vom Ifo-Institut ermittelte Barometer brach im April auf minus 76,7 Punkte ein - von zuvor minus 10,1. Parallel dazu füllten sich die Lagerbestände deutlich, während die Kapazitätsauslastung mit 45 Prozent auf den tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung fiel.

nb

Quelle: boerse.ard.de
Darstellung: