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Berichtssaison tritt in den Hintergrund Die Börse im Bann des Virus

Stand: 02.02.2020 12:22 Uhr

Wie reagiert die globale Konjunktur auf die weitere Ausbreitung des Coronavirus? An den Finanzmärkten steigen die Risiken, die Anleger dürften sich in der kommenden Woche tendenziell zurückhalten.

In der vergangenen Woche büßte der Dax um rund vier Prozent ein und schloss am Freitag unterhalb von 13.000 Punkten. Es war die schwächste Börsenwoche seit August des vergangenen Jahres. Für den Monat Januar steht für den Dax ein Minus von zwei Prozent zu Buche. Der Dow verlor auf Wochensicht 2,5 Prozent. Allein am Freitag knickte er um mehr als zwei Prozent ein. Für die Börse wird das Coronavirus in den nächsten Tagen das bestimmende Thema sein.    

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Auswirkungen auf die Konjunktur?  

"Das Coronavirus muss nicht Millionen von Menschen töten, um einen signifikanten Einfluss auf die Kapitalmärkte zu haben", warnt Richard Flax, Chef-Anleger beim Vermögensverwalter Moneyfarm. "Die Ausbreitung muss nur monatelang anhalten und das Verhalten von Verbrauchern und Unternehmen ändern." Hierzu gehörten abgesagte Shopping-Touren oder stornierte Reisen.

Edgar Walk, Chefvolkswirt Metzler Asset Management meint, bei einer ähnlichen Entwicklung wie bei einer "normalen Grippewelle" und Business as usual würde die Konjunktur nur einen leichten Dämpfer versetzen. Dagegen sei mit stärkeren negativen Effekten auf die Weltwirtschaft zu rechnen, falls das Virus umfangreichere Quarantäne- und sonstige Abwehrmaßnahmen erfordern sollte

Wann ist der Höhepunkt erreicht

Coronavirus
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Zwei junge Chinesinnen mit Mundschutz in Bejing, China

Gibt es eine Chance auf steigende Kurse? Bei vergleichbaren Epidemien in der Vergangenheit hätten sich die Börsen stets dann wieder erholt, wenn die Zahl der Ansteckungen und der Nachrichten darüber den Höhepunkt erreicht hätten, sagte Aktienstratege Mixo Das von der Investmentbank JPMorgan.

Hendrik Tuch, Anleihechef beim Vermögensverwalter Aegon, verwies darauf, dass bei früheren Krisen wie dem Ausbruch des Sars-Erregers die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft allerdings gering gewesen seien. "Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis der Wuhan-Virus aus den Nachrichten verschwindet, doch die Finanzmärkte sind möglicherweise schon bald gewillt, ihn zu ignorieren", sagte Tuch.

Eine Erleichterungsrally ist möglich

Außerdem sei eine Erleichterungsrally denkbar, sollte China der erwarteten Wachstumsverlangsamung mit einem Konjunkturprogramm entgegentreten, sagte Anlagestratege Felix Herrmann vom weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock.

Chinesische Notenbank in Peking
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People's Bank of China - Chinesische Notenbank in Peking

Tatsächlich hat die chinesische Zentralbank am Sonntag mitgeteilt, dass sie die Wirtschaft des Landes mit Milliardensummen vor den Folgen des sich rasant ausbreitenden neuartigen Coronavirus schützen wolle. Sie werde zur Öffnung der Finanzmärkte nach den verlängerten Neujahrsferien am Montag 1,2 Trillionen Yuan (156 Milliarden Euro) bereitstellen. Ziel sei es, das Bankensystem mit ausreichend Geld zu versorgen und den Devisenmarkt stabil zu halten.

US-Arbeitsmarktdaten stehen an

Der Alltag geht natürlich weiter: Neben diesen Fragen werden die Anleger aber auch Konjunkturdaten im Blick behalten. Am Freitag werden die gewöhnlich vielbeachteten US-Arbeitsmarkt-Daten veröffentlicht.  

In der Eurozone stehen am Montag das deutsche und das europäische Barometer für die Stimmung der Einkaufsmanager in der Industrie auf der Liste. Am Donnerstag folgen die deutschen Auftragseingänge und am Freitag die Industrieproduktion. Nach einem schwachen November erwarten die Experten der Dekabank einen Anstieg bei den Neubestellungen. Die Industrieaufträge waren seit geraumer Zeit gefallen. "Derzeit fressen sich die vormals außenwirtschaftlichen Probleme immer mehr in die Binnenkonjunktur hinein, während sich die außenwirtschaftliche Entwicklung stabilisiert", heißt es in dem Ausblick. Bei den Unternehmen stehen mit Siemens und Infineon zwei Dax-Schwergewichte auf der Agenda.

ts

Quelle: boerse.ard.de
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