Vapiano

Aktie fällt auf Rekordtief Vapiano stoppt weltweite Expansion

Stand: 18.02.2019 11:55 Uhr

Enttäuschende Gesamtjahreszahlen haben Vapiano am Montag den zweitgrößten Kurssturz seit dem Börsengang eingebrockt. Der neue Chef der Restaurantkette will nun aufräumen - mit einem drastischen Umbau.

Wegen eines schwachen vierten Quartals wird Vapiano auch die bereits reduzierten Ziele nicht erreichen, teilten die Kölner am Wochenende mit. Ersten Berechnungen zufolge ging der Umsatz 2018 auf etwa 370 Millionen Euro zurück und hinkte damit den Planungen hinterher. Statt angestrebter Erlöse zwischen 375 und 385 Millionen Euro werden demnach nur 370 Millionen Euro erwirtschaftet.

Auch das operative Ergebnis (Ebitda) liege mit 29 bis 31 Millionen Euro niedriger als gedacht, nach bisher angekündigt 34 bis 38 Millionen. Hinzu kommen außerplanmäßige Abschreibungen in Höhe von 33 Millionen Euro, so dass sich der Nettoverlust gegenüber dem Vorjahr (minus 29,6 Millionen Euro) deutlich ausweiten wird.

Den Anlegern ist endgültig der Appetit vergangen. Die Zahlen sorgten am Montag für den zweitgrößten Kurssturz seit dem Börsengang Mitte 2017. Die Aktien der Schnellrestaurant-Kette fielen am Montag in der Spitze um 13,5 Prozent auf ein Rekordtief von 5,36 Euro. Damit haben die Papiere seit dem Rekordhoch Anfang 2018 fast 80 Prozent an Wert eingebüßt.

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Vapiano in der Krise

Erst im November hatte die Restaurantkette ihre Prognose für das vergangene Jahr 2018 wiederholt einkassiert. Begründet wurde der gesenkte Ausblick damals mit der hinter den Erwartungen liegenden Umsatzentwicklung in Europa sowie Problemen bei einigen neu eröffneten Restaurants in Schweden.

Das Unternehmen hatte daraufhin ihre Spitze ausgetauscht. Jochen Halfmann war durch Cornelius Everke ersetzt worden, der zuvor für die internationalen Märkte der Kette verantwortlich war. Die Wende gelang ihm jedoch nicht.

Vapiano-Koch in Bonn
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Vapiano-Koch in Bonn bei Essenszubereitung

Unter anderem lange Wartezeiten in den Filialen schrecken viele Kunden ab. Everke will sich nun wieder auf Klassiker der Karte beschränken und komplizierte Gerichte, die für verlängerte Kochzeiten sorgen, abschaffen. Verbesserte IT-Systeme sollen außerdem den digitalen Bestellprozess in den Restaurants optimieren.

Drastischer Umbau geplant

Es sei ein "sehr enttäuschendes" Geschäftsjahr gewesen, sagte Everke. Um den Konzern schlanker und effizienter aufzustellen, will er jetzt das Wachstumstempo im Kernmarkt Europa deutlich drosseln. Die Geschwindigkeit von Neueröffnungen werde verlangsamt und neue Restaurants künftig nur noch in Metropolen hochgezogen.

Vapiano-Restaurant in Münster
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Besucher sitzen in der Sonne vor einem Vapiano-Restaurant in Münster

Die geplante Ausweitung der Mitnahme- und Lieferangebote soll ebenfalls noch einmal überdacht werden. Stattdessen will Everke bereits bestehende Restaurants verbessern. "Unsere vorrangige Priorität ist es, die Profitabilität des Unternehmens zu steigern", so Everke.

Darüber hinaus prüft Vapiano offenbar den Verkauf des außereuropäischen Geschäfts. Vorbild ist dabei der bereits eingeschlagene Weg in den USA, wo im vergangenen Jahr sieben Filialen an Franchisepartner abgegeben wurden. Die Kette besitzt unter anderem Restaurants in China, Ägypten, Saudi-Arabien, Brasilien und Mexiko.

Langfristige Finanzierung über Banken

Die geplante Abkehr von der aggressiven Expansionsstrategie sei notwendig, schrieb Analystin Rebecca Lane von der Investmentbank Jefferies. Für eine Überarbeitung ihrer Prognosen wolle sie weitere Details zur Strategie und zu den Verhandlungen über eine langfristige Finanzierung mit den Banken, die Vapiano ebenfalls ankündigte, abwarten.

Einst galt Vapiano als Hoffnungsträger der Systemgastronomie in Deutschland. Everkes Vorgänger Halfmann hatte ehrgeizige Wachstumspläne versprochen und die Kette bis 2020 von 231 in 33 Ländern auf 330 Standorte ausbauen wollen.

tb

Quelle: boerse.ard.de
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