Geely-Chef Li Shufu

Spekulationen über Halbierung der Anteile Hat Geely genug von Daimler?

Stand: 11.01.2019 10:46 Uhr

Vor knapp einem Jahr stieg überraschend der Chef des chinesischen Autoherstellers Geely bei Daimler ein. Nun gibt es Gerüchte, dass der Investor seine Beteiligung verringern will. Die Chinesen dementieren.

Was hat Li Shufu vor? Der chinesische Milliardär und Geely-Eigner soll angeblich einen Käufer für einen Teil seiner Aktien suchen. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider meldete, habe Li seinen im Februar 2018 erworbene Anteil von rund 9,7 Prozent um mehr als die Hälfte reduziert. Der Daimlöer-Großaktionär habe 5,4 Prozent der Aktien verkauft, hieß es.

Aus einer Stimmrechtsmitteilung an der Börse ging hervor, dass die Investmentbank Morgan Stanley über Finanzinstrumente knapp 5,4 Prozent der Stimmrechte an dem Stuttgarter Autobauer hält. Das hatte die Spekulationen über einen Teil-Ausstieg des Geely-Eigentümers bei Daimler angeheizt. Vor knapp einem Jahr hatten Morgan Stanley und die Bank of America den Einstieg von Li Shufu beim Stuttgarter Autobauer durch eine geschickte Finanzkonstruktion ermöglicht - und umgingen Meldepflichten.

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Geely dementiert

Eine halbe Stunde nach der Bloomberg-Meldung kam prompt das Dementi aus China. "Als langfristiger Investor hat die Zhejiang Geely Holding keine Pläne, ihre Beteiligung an Daimler zu liquidieren", teilte ein Geely-Sprecher mit. Daimler lehnte eine Stellungnahme ab.

Der überraschende Einstieg des chinesischen Milliardärs hatte damals eine Debatte ausgelöst, ob Transparenz-Regeln verschärft werden sollen. Das als "Anschleichen" gewertete Vorgehen hatte sogar die BaFin auf den Plan gerufen. Die Aufseher hatten nach anfänglichen Zweifeln jedoch keine Verstöße festgestellt. Die Ermittlungen wurden kurz vor Weihnachten eingestellt.

Bundesregierung prüft chinesische Beteiligungen genauer

Inzwischen schaut sich Übernahmen und Beteiligungen chinesischer Investoren zunehmend genauer an. Ende 2018 hat das Kabinett sein Veto-Recht ausgeweitet. Bislang konnten Beteiligungen von einem Anteil von 25 Prozent an aufwärts geprüft und gegebenenfalls auch verhindert werden. Nun wird die Schwelle, ab denen geprüft wird, auf zehn Prozent gesenkt. Die schärferen Kontrollrechte haben chinesische Investoren abgeschreckt. 2018 ging die Zahl der Zahl der Übernahmen aus Fernost deutlich zurück. Chinesische Wirtschafts-Lobbyisten kritisieren die deutschen Abwehrstrategien. Im Sommer wollte der chinesische Staatskonzern SGCC 20 Prozent des deutschen Netzbetreibers 50 Hertz erwerben. Das verhinderte die Bundesregierung. Die staatseigene KfW übernahm das Paket.

Noch immer ist unklar, was Li mit seinem Einstieg bei Daimler wirklich will. Die Chinesen haben anfängliche Spekulationen zurückgewiesen, dass sie beim Stuttgarter Autobauer die Kontrolle übernommen wollen. Inzwischen gibt es erste Kooperationen zwischen Geely und Daimler. In mehreren chinesischen Städten wollen Daimler und Geely gemeinsam Mobilitätsdienste mit Premium-Autos anbieten. Geely-Eigentümer Li Shufu würde sich auch ein gemeinsames Engagement bei Batteriezellen wünschen.

nb

Quelle: boerse.ard.de
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