Marktbericht negativ

Italiener warnen Spekulanten Dax: Rutscht Italien in eine Finanzkrise?

Stand: 10.10.2018 11:55 Uhr

Die Italiener wollen nicht sparen. Das machen sie auch heute wieder klar. Das ist ein schweres Gewicht für den Dax, der sich unter der Last beugt.

Der Deutsche Aktienindex fällt im Laufe des Vormittags 0,7 Prozent, fast bis auf 11.900 Punkte. Gegen Mittag kann er wieder etwas Boden gut machen bis auf 11.924 Punkte. Anleger werden nervös ob des Starrsinns der Italiener.

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Die wollen trotz des Drucks der Finanzmärkte und der Zentralbank des Landes an den expansiven Haushaltsplänen für das kommende Jahr festhalten. Vize-Regierungschef Luigi Di Maio sagte, alles andere wäre ein "Betrug an den Italienern". Der Chef der rechtsextremen Lega, Matteo Salvini, sagte, einige große Finanzinstitutionen wetteten auf Zugeständnisse aus Rom: "Sie liegen falsch."

Dadurch kam es heute erneut zu kräftigen Kursverlusten bei italienischen Staatsanleihen, im Gegenzug stiegen die Risikoaufschläge. Die Rendite für zehnjährige Papiere legte auf 3,58 Prozent zu. "Die Börsianer werden nicht allzu lange Geduld mit dem europäischen Patienten Italien haben", sagte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.

Börse 7.00 Uhr: Sorgen um Italien
boerse
10.10.2018 15:02 Uhr

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Euro unter 1,15 Dollar

In dieser Gemengelage fällt der Euro heute wieder unter 1,15 Dollar. Die Währung rutscht bis auf 1,1480 Dollar. An den Börsen sind Sorgen aufgekommen, Italien könnte in eine Finanzkrise rutschen. Auch über eine Herabstufung durch Ratingagenturen wird spekuliert. S&P und Moody's dürften Ende Oktober ihre Ratings für Italien überprüfen. Dann müsste Italien mehr Zinsen zahlen für seine Anleihen. Dabei sitzt das Land schon auf einem Schuldenberg von über 130 Prozent.

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Italien-Krise oder Euro-Krise?

Die starken Kursverluste am Markt für Staatsanleihen bleiben indes weiterhin auf Papiere aus Italien begrenzt. Im Handel mit Anleihen aus Spanien, Portugal und Griechenland gab es zuletzt nur minimale Verluste. In der Hochphase der Euro-Schuldenkrise hatte das noch ganz anders ausgesehen. Damals waren in der Regel alle Papiere aus den Staaten der südlichen Peripherie der Eurozone unter starken Druck geraten.

Dax bleibt angezählt

Der Dax hat es in diesem Umfeld schwer. Zwar sehen die Analysten von "Index-Radar"eine anhaltend hohe Nachfrage um 11.700 / 11.800 Punkte. Hier zeigten sich seit Sommer 2017 Stabilisierungstendenzen. Von dieser Marke startende Erholungen seien in der jüngeren Vergangenheit aber immer schwächer geworden und reichten zuletzt kaum mehr über den 200-Tage-Durchschnittskurs hinaus. Mehr als ein Anstieg des Dax an diesen um 12.500 verlaufenden Mittelwert sei vorerst daher auch kaum zu erwarten.

Käufer und Verkäufer liefern sich derzeit ein hitziges Gefecht, das noch Wochen andauern könnte, so CMC Markets. Der Dax bleibe angezählt. Erst über 12.000 Punkten könnte die Kauflaune am deutschen Aktienmarkt wieder zurückkommen.

Wirecard taucht ab

Unter den Dax-Aktien fällt Wirecard auf. Anfangs größter Gewinner im Index, taucht die Aktie wieder ins Minus. Zwar hat die Oddo BHF hat die Aktie nach der gestrigen Investorenveranstaltung zum Kauf empfohlen und das Kursziel drastisch angehoben, auf 230 Euro. Das wäre ein Aufwärtspotenzial von 26 Prozent. Credit Suisse adelte die Aktie mit "Outperform": Die langfristigen Finanzziele unterstrichen eindrucksvoll die Zuversicht des Vorstands in die operative Dynamik und die Zukunftstrends des Zahlungsabwicklers. Die Hochstufung sei zudem eine Reaktion auf die jüngsten Kursverluste.

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Nordex obenauf

Aktien von Nordex sind wegen der guten Auftragslage des Windkraftanlagen-Herstellers sehr gefragt. Das SDax- und TecDax-Unternehmen erhöhte seinen Auftragseingang im dritten Quartal kräftig. Das treibt die Aktien an die Indexspitze. Kursverluste verbucht dagegen die Gea Group. Hintergrund ist: Der neuseeländische Molkereiriese Fonterra hat die Prognose für den Milchpreis gesenkt - eine schlechte Nachricht für den auf die Nahrungs- und Getränkeindustrie spezialisierten Anlagenbauer, der zuletzt sein Engagement im Milchgeschäft verstärkt hatte. Ceconomy leidet nach dem gestrigen Kurseinbruch unter einer Herabstufung durch HSBC auf "Reduce". Die Bank reduzierte zudem das Kursziel auf 4,20 Euro. Die Aktie ist heute einer der Verlierer im SDax.

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Im MDax knüpft die Aktie von Hella an ihre jüngste Talfahrt an, nachdem die Privatbank Berenberg ihre Kaufempfehlung strich. Der Autozulieferer und Lichttechnikspezialist könnte im aktuellen Automarktumfeld einen gewissen Druck auf die Gewinnmargen spüren. Daraufhin gerieten auch andere Aktien aus der Autozuliefererbranche unter Druck, so gaben Dürr und Schaeffler nach.

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Infineon im Sog von VAT

Kurzarbeit in einem Werk des schweizerischen Chip-Zulieferers VAT Group: Das alarmiert Investoren. Aktien von VAT brechen in Zürich um fast zwölf Prozent ein. Aktien der gesamten europäischen Halbleiterbranche geraten in den Sog. Infineon, Pfeiffer Vacuum, Aixtron, STMicroelectronics und ASML stehen auf der Verkaufsliste. Die Kurzarbeit könnte ein Indiz für einen nachlassenden Investitionszyklus in der weltweiten Halbleiterbranche sein, heißt es von Analysten. Die für das dritte und vierte Quartal 2018 erwartete Schwäche der Branche scheine sich in das erste Quartal 2019 hinein zu verlängern.

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Hilft Trump CropEnergies?

Gerade erst musste Südzucker wegen seiner Bioethanol-Tochter CropEnergies sein Jahresziel senken. Das Unternehmen leidet unter den eingebrochenen Ethanol-Preisen und verdient immer weniger. Nun naht Hoffnung aus den USA. Donald Trump erfüllt die Forderung der heimischen Bauern nach mehr Ethanol-Benzin. Er will das landesweite Verbot des Einsatzes von Benzin mit 15 Prozent Ethanol-Anteil (E15) im Sommer aufheben.

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Innogy darf mit den Briten

Die RWE-Ökostromtochter Innogy darf ihr Gemeinschaftsunternehmen in Großbritannien mit dem Konkurrenten SSE vorantreiben. Die Wettbewerbshüter auf der Insel gaben grünes Licht. Mit dem Joint Venture wollen die beiden Firmen ihre Kräfte im hart umkämpften Stromvertrieb bündeln. Innogy will das neue Unternehmen im Premium-Segment der London Stock Exchange listen.

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Fraport sagt Hannover goodbye

Jetzt ist es amtlich: Fraport verkauft seine Beteiligung am Flughafen Hannover an den britischen Finanzinvestor Icon Infrastructure. Früheren Angaben des Frankfurter MDax-Konzerns zufolge wurde der 30-Prozent-Anteil für 109,2 Millionen Euro abgestoßen.

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HSBC kauft sich frei

Die Großbank HSBC kommen dubiose Hypothekengeschäfte teuer zu stehen, die zur jüngsten weltweiten Finanzkrise beigetragen haben sollen. Das Geldhaus gab am Dienstag in New York bekannt, sich mit dem US-Justizministerium auf einen 765 Millionen Dollar (666 Millionen Euro) teuren Vergleich geeinigt zu haben. Mit der Zahlung kauft sich HSBC in einem seit Jahren andauernden Ermittlungsverfahren frei.

Der Bank wurde vorgeworfen, zwischen 2005 und 2007 "faule" Wertpapiere verkauft zu haben, die mit riskanten Immobilienkrediten hinterlegt waren. HSBC war im Markt für Hypothekenanleihen jedoch nur ein relativ kleiner Akteur - anderen Banken wie JPMorgan Chase, Bank of America oder Citigroup wurden von den US-Behörden deutlich höhere Strafzahlungen aufgebrummt.

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LVMH: Luxus bleibt gefragt

Der französische Luxusgüterkonzern LVMH hat seinen Umsatz weiter gesteigert. Im dritten Quartal des laufenden Jahres stiegen die Erlöse um zehn Prozent gestiegen, teilte das Unternehmen mit Marken wie Louis Vuitton, Moet, Hennessy und Fendi mit. Aus Furcht vor einer Abkühlung des wichtigen China-Geschäfts ziehen sich Anleger aber aus europäischen Luxusgüter-Werten zurück. Die Aktien der Louis-Vuitton-Mutter verloren am Mittwoch in Paris fünf Prozent. Die Papiere von Konkurrenten wie Kering, Richemont oder Hugo Boss gaben ebenfalls stark nach. Letztere waren mit 74,44 Franken und 63,12 Euro jeweils so billig wie zuletzt vor rund eineinhalb Jahren. Genährt wurden die Spekulationen von einem Kommentar der US-Bank Morgan Stanley. Sie stufte die Branche auf "Underweight" herunter.

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Viel los bei Google

Google will sich mit neuen Smartphones und einem Display fürs vernetzte Zuhause als Gerätehersteller etablieren. Der Konzert stellt das neue Smartphone "Pixel 3" vor, das unter anderem von allein Selfie-Fotos auslöst, wenn es ein Lächeln erkennt. Außerdem soll der vernetzte Lautsprecher Google Home Hub den Sprachassistenten des Konzerns auch mit einem Bildschirm zuhause nutzbar machen. Es gibt aber auch Konfliktreiches: Google hat beim Gericht der EU Einspruch gegen die von der Europäischen Kommission verhängte Milliarden-Kartellstrafe eingelegt. Google soll 4,3 Milliarden Euro zahlen.

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Mischt Bill Ackman Starbucks auf?

Der aktivistische Investor Bill Ackman hat sich bei der amerikanischen Kaffeehauskette Starbucks eingekauft. Er besitzt 15,2 Millionen Starbucks-Aktien im Wert von knapp 880 Millionen US-Dollar. In der Regel machen aktivistische Investoren Druck bei Unternehmen, mischen sich in die Firmenbelange ein mit der Absicht, den Firmenwert zu steigern. Darauf setzen offenbar auch Anleger. Die Aktien legten zu.

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Jetzt wird's ernst für Knorr-Bremse

Auf den letzten Metern zum Börsengang ist Knorr-Bremse. Heute Mittag endet die Zeichnungsfrist, dann dürfte auch der Ausgabepreis bekannt gegeben werden. Laut der den Börsengang begleitenden Banken zeichnet sich ein Ausgabepreis von 80 Euro ab. Gebote darunter würden voraussichtlich nicht berücksichtigt. Am Freitag soll die Aktie an der Börse starten.

bs

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Die nächsten Börsenkandidaten

Solarstrom

Sonnen
Weiterhin geplant ist der Börsengang des auf Solarenergie-Speicher spezialisierten Batterieherstellers Sonnen aus Bayern. Sonnen stellt Batterien her, mit denen Haushalte Energie speichern können - für Zeiten, in denen die Sonne nicht scheint.

Quelle: boerse.ard.de
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