Gucci-Shop in Hongkong

Unruhen in Hongkong Schadet der Protest dem Luxushandel?

Stand: 14.11.2019 09:20 Uhr

Seit Monaten protestieren zahlreiche Menschen in Hongkong gegen den wachsenden Einfluss Pekings. Zu den Leidtragenden der Unruhen gehört die Luxusindustrie, die zweistellige Einbußen verzeichnet. An der Kauflust der Chinesen haben die Proteste jedoch nichts geändert.

Von Lothar Gries, boerse.ARD.de

Mit Sorge blicken die Manager der europäischen Luxusgüterhersteller nach Hongkong, wo die Proteste gegen den wachsenden Einfluss Pekings immer öfter in Gewalt umschlagen - und dem Einkaufstourismus einen kräftigen Schlag versetzt haben. Glaubt man Regierungschefin Carrie Lam, ist die Zahl der Touristen in der ersten Oktoberhälfte um 50 Prozent eingebrochen.

Eine fatale Entwicklung, ist doch Hongkong für Louis Vuitton, Versace & Co nicht irgendeine Stadt in Asien: Sie gehört zu den fünf Top-Adressen weltweit für Luxusgüter. Alleine die Schweizer Uhrenindustrie erzielt dort 14 Prozent ihres globalen Umsatzes.

Besuchermassen bleiben aus

Tatsächlich strömten noch vor wenigen Monaten Massen von Festland-Chinesen in die Shopping-Malls und Einkaufsstraßen der Sonderverwaltungszone, besonders an Sonn- und Feiertagen war der Ansturm groß. Die Besucher pilgerten in die Läden der Luxusmarken - zu Dior, Cartier, Burberry und viele andere, wo Sicherheitspersonal wie Türsteher vor Diskotheken den Zustrom regulieren mussten.

Doch das ist Geschichte - zumindest vorerst. Seit Beginn der Unruhen gehen die Umsätze der Hongkonger Einzelhändler stetig zurück. Allein im September sind die Einnahmen im Jahresvergleich um 18,3 Prozent auf umgerechnet 3,4 Milliarden Euro gefallen. Im August schrumpften sie sogar um 22,9 Prozent.

Von Krisenstimmung keine Spur

Besonders die Schweizer Uhrenindustrie, die in den beiden Konzernen Richemont und Swatch konzentriert ist, musste in den letzten Monaten in Hongkong Umsatzeinbußen von 25 Prozent und mehr hinnehmen. Aber auch LVMH, Hermès, Kering und Burberry sind betroffen.

Herrscht in den Konzernen deshalb nun Krisenstimmung mit fallenden Aktienkursen und um ihre Stellen bangenden Beschäftigten? Mitnichten. Der Luxusgüterbranche geht es so gut wie lange nicht. Die Firmen verdienen Milliarden, und die Aktien notieren nahe ihrer historischen Rekorde.

So sind zwar die Umsätze von Richemont (Cartier, A.Lange & Söhne, IWC) und Burberry in Hongkong aufgrund der Ausschreitungen im ersten Halbjahr im zweistelligen Prozentbereich gefallen. Dies konnte jedoch durch bessere Geschäfte in Festland-China und Korea aufgefangen und dank des gestiegenen Online-Handels mehr als wett gemacht werden.

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LVMH auf Rekordniveau

Noch besser hat die weltweite Nummer eins der Luxusbranche, der französische LVMH-Konzern, die Unruhen überstanden. Auch die weltweite Abkühlung der Konjunktur scheint dem Konzern mit seinen zahlreichen Marken von Dior über Louis Vuitton bis Veuve Clicquot nichts anhaben zu können.

In den Monaten Juli bis September kletterte der weltweite Umsatz um 17 Prozent auf 13,3 Milliarden Euro. Selbst bereinigt um Währungsschwankungen und Veränderungen im Konzernportfolio wuchsen die Erlöse um elf Prozent. Der Konzern machte nach eigenen Angaben "gute Fortschritte“ in den USA, Europa und - trotz der "schwierigen Bedingungen in Hongkong" - auch in Asien. In dieser Region, der wichtigsten für den Konzern, sind die Umsätze zuletzt um 18 Prozent gestiegen.

Louis Vuitton-Shop in Hongkong
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Louis Vuitton-Shop in Hongkong

In den mit Abstand umsatzstärksten Sparten Mode und Lederwaren schaffte LVMH in den ersten neun Monaten sogar ein Plus von 22 Prozent auf bemerkenswerte 15,9 Milliarden Euro. Und die Aktionäre glauben, dass das so weiter geht. Deshalb haben sie massiv Papiere des Unternehmens gekauft. Die LVMH-Aktie ist allein seit Jahresbeginn um gut 50 Prozent gestiegen, deutlich schneller als der Gesamtmarkt.

Online-Handel wird immer wichtiger

Damit ist die noch in den Sommermonaten vorherrschende Sorge um die Auswirkungen der Unruhen in Hongkong wie weggeblasen. Auch die anderen Luxuskonzerne wie die Gucci-Mutter Kering oder der italienische Jackenhersteller Moncler konnten Einbußen in Hongkong durch verstärkte Verkäufe in anderen asiatischen Märkten sowie dank des immer stärkeren Online-Handels ausgleichen, kamen also glimpflicher davon als gedacht.

Denn die Kauflust der Chinesen ist ungebrochen. Wenn sie nicht mehr nach Hongkong fahren können, shoppen sie eben zunehmend am Computer - auch Luxusartikel. So hat der diesjährige Shopping-Aktionstag "Singles' Day" wieder alle Rekorde gebrochen: Wie der Online-Konzern Alibaba berichtete, sei innerhalb von 68 Sekunden die Umsatzschwelle von einer Milliarde Dollar geknackt worden.

Für die Luxusgüterbranche sind die guten Zeiten also noch lange nicht vorbei. Daran dürften auch die anhaltenden Proteste in Hongkong nichts ändern.

Quelle: boerse.ard.de
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