Hellofresh | Unternehmen

HelloFresh Kochboxen-Anbieter im Aufwind

Stand: 03.11.2020 12:09 Uhr

Gewinn mehr als verdreifacht, Umsatz mehr als verdoppelt: Die aktuellen Zahlen bestätigen HelloFreshs Ruf als Profiteur der Pandemie. Vorstandschef Richter ist davon überzeugt, dass der Kochboxen-Anbieter gekommen ist, um zu bleiben.

"Während der Pandemie hat sich der Trend, mehr Mahlzeiten zu Hause zu essen, verstärkt", sagte Mitgründer und Vorstandschef Dominik Richter anlässlich der heutigen Veröffentlichung des Quartalsberichts. Verbraucher würden sich nach wie vor auf den Online-Handel verlassen.

"Hinzu kommt, dass sie aufgrund der aktuellen Lage weiterhin viel von zu Hause arbeiten und entsprechend mehr Mahlzeiten in ihren eigenen vier Wänden einnehmen werden." Das Management gehe davon aus, dass dieser Trend langfristig erhalten bleibt. Das ist wenig überraschend, da das Geschäftsmodell des Konzerns daran hängt. Außerdem müssen Unternehmen wachsen, um zu überleben.

Dominik Richter | bet-at-home

CEO Dominik Richter Bild: bet-at-home

Lieber im Heim bleiben

Die aktuelle Corona-Lage in Deutschland und Europa ist für den Kochboxen-Anbieter eine ausgezeichnete Gelegenheit, Kunden zu gewinnen, die dann auch bei HelloFresh bleiben. Abgemessene Zutaten plus Rezept, die bequem in einer Kiste an die Tür geliefert werden, erleichtern die Zeit im Home Office, während draußen Restaurants schließen und der Kontakt zu Menschen im Supermarkt als bedrohlich empfunden wird.      

Shoppen in Zeiten von Corona | imago images / photonews.at

Shoppen in Zeiten von Corona: Viele bleiben lieber zu Hause Bild: imago images / photonews.at

Kurzfristig sollte der Trend tatsächlich anhalten: Das vierte Quartal sei wegen neuer Lockdown-Maßnahmen in der Covid-19-Pandemie gesichert, schrieb JPMorgan-Analyst Marcus Diebel. Für das kommende Jahr bleibe er aber skeptisch. Ob sich der Trend verstetigt, bleibt also abzuwarten.

Expansion in weitere Länder?  

Es ist zumindest nicht auszuschließen, dass Kunden nach monatelangem Kochboxenkochen und einer eventuell überstandenen Pandemie sich wieder daran erfreuen, auch beim Einkaufen wieder Menschen zu begegnen. So könnte es wieder modern werden, auf dem Markt einzukaufen, um mit den Händlern persönlich über das Gemüse und dessen Herkunft fachzusimpeln.

Die aktuell atemberaubenden Wachstumszahlen sind ohnehin nur eine Momentaufnahme. Dass HelloFresh dieses Tempo hält, ist unwahrscheinlich, auch wenn Richter unterstreicht, dass es noch großes Potenzial in den USA gebe und die Expansion in weitere Länder angedacht werde. Aktuell ist der Konzern in 14 Ländern aktiv.

Hello Fresh | imago images / Cord

HelloFresh: Warum rausgehen, wenn die Kiste zu Dir kommt? Bild: imago images / Cord

Die Anleger sind verwöhnt

Bislang läuft es aber prachtvoll: Im dritten Quartal steigerte HelloFresh den Umsatz um gut 120 Prozent auf 970 Millionen Euro. Das bereinigte Betriebsergebnis sprang wegen geringerer Marketingausgaben von 15 Millionen auf fast 115 Millionen Euro.

Unter dem Strich erwirtschafteten die Berliner zwischen Juli und Ende September 74,4 Millionen Euro Gewinn. Das war mehr als dreimal soviel wie vor einem Jahr. Von Juli bis September tätigten fünf Millionen Kunden fast 20 Millionen Bestellungen. Die Mitte Oktober zum dritten Mal in diesem Jahr erhöhte Prognose bestätigte das Management.

Weitere Kursinformationen zu HelloFresh

Trotzdem gab die Aktie in einem sehr freundlichen Marktumfeld um rund drei Prozent nach und fiel auf knapp 46 Euro. Unlängst hatten HelloFresh bei 56,40 Euro ein Rekordhoch markiert. Angesichts der fulminanten Kursgewinne der vergangenen Wochen dürften Investoren Gewinne vom Tisch nehmen.

ts        

Über dieses Thema berichtete B5 Börse am 03. November 2020 um 09:15 Uhr.