Schriftzug Hapag-Lloyd | Bildquelle: dpa

Gewinn verdoppelt trotz Corona Warum Hapag-Lloyd der Krise trotzt

Stand: 01.09.2020 06:35 Uhr

Vor genau 50 Jahren schlossen sich Hapag und Lloyd zum führenden deutschen Container-Riesen zusammen. Heute ist Hapag-Lloyd weltweit die Nummer fünf der Branche und kommt bisher besser durch die Corona-Krise als viele Konkurrenten. Wie schaffen die Hamburger das?

Von Notker Blechner, boerse.ARD.de

Hapag-Riesendampfer "Amerika"
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Hapag-Riesendampfer "Amerika"

Einst war die Hapag der Stolz der deutschen Schifffahrt. Sie brachte mit ihren Schiffen viele Auswanderer von Europa in die Neue Welt. Um die Jahrhundertwende war Hapag die größte Reederei der Welt. Vor dem ersten Weltkrieg besaß die Firma 190 Seeschiffe. Der damalige Generaldirektor Albert Ballin, ein Freund von Kaiser Wilhelm II., tönte: "Unser Feld ist die Welt!" Größter Konkurrent war jahrzehntelang die Norddeutsche Lloyd aus Bremen. Sie beförderte vor dem ersten Weltkrieg die meisten Passagiere weltweit.

Container-Revolution brachte die Wende

Doch nach dem Zweiten Weltkrieg verdrängte in den 1960er Jahren das Flugzeug den Schiffstourismus. Die Hapag änderte ihre Strategie und setzte verstärkt auf die wachsende Container-Schifffahrt. 1966 wurde in Bremen der erste Container entladen. Eine Revolution! Bis dato mussten Kisten und Säcke einzeln an Bord gebracht werden - von ungelernten Hafenarbeitern. Harry Belafonte besang einst das Schicksal der Bananen-Auflader, der "Tallymann" im legendären "Banana Boat Song".

Der deutlich günstigere Containerverkehr ersetzte nach und nach den Stückguttransport. Im Zuge des zunehmenden Kostendrucks näherten sich die ewigen Rivalen Hapag und Lloyd an und fusionierten am 1. September 1970 zu einem Konzern: der Hapag-Lloyd. Nur zusammen konnte sich eine deutsche Reederei auf dem umkämpften Weltmarkt behaupten.

Sprung zur Nummer fünf weltweit

In den 1980er Jahren musste das Unternehmen mit Sitz am Ballindamm direkt an der Binnenalster in Hamburg eine schwere Krise durchschiffen, bevor es 1997 durch die Preussag (später Tui) übernommen wurde. Zwar entwickelte sich Hapag-Lloyd zu einem der profitabelsten Reedereien, verlor international aber den Anschluss, weil andere Konkurrenten fusionierten. Das änderte sich mit dem Kauf der kanadischen CP Ships 2005, der Hapag-Lloyd zur Nummer fünf unter den weltgrößten Reedereien katapultierte.

Auf diesem Platz hat sich bis heute der Konzern gehalten. Dominiert wird der Containerschiff-Markt von den "Großen Vier": der dänischen Møller Mærsk, der schweizerischen Mediterranean Shipping Company (MSC) mit Sitz in Genf, der französischen CMA-GGM und der chinesischen Cosco. Der Weltmarkt wird in drei Allianzen eingeteilt: die 2M-Allianz mit Maersk und MSC, die Ocean Alliance mit CMA-CGM und Cosco sowie The Alliance mit Hapag-Lloyd. An dieser Konstellation werde sich auf absehbare Zeit nichts ändern, glaubt Schifffahrt-Analyst Thomas Wybierek von der NordLB.

Überkapazitäten und Konsolidierung

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Jahrelang florierte der Containerhandel - im Zuge der fortschreitenden Globalisierung. Die Finanzkrise 2008/09 hat den Boom gestoppt. Überkapazitäten und geringe Frachtpreise sorgten für Milliardenverluste in der Branche. Sie beschleunigten den Preiskampf und eine Konsolidierungswelle. So musste Hapag-Lloyd mit der United Arab Shipping Company und der chilenischen CSAV zusammengehen, um sich im Chaos auf den Weltmeeren zu behaupten. Nun betreiben die Hamburger eine Flotte von 235 Schiffen und kontrollieren gut sieben Prozent der globalen Container-Kapazität.

Die Corona-Krise hat die Branche erneut in raue See gebracht. Erst brach in China das Angebot weg, dann herrschte eine Nachfragekrise in Europa. Der Welthandel dürfte laut der WTO in diesem Jahr um 13 bis 32 Prozent einbrechen. Mehr als 520 Containerschiffe standen zeitweise still - mehr als jedes zehnte Schiff der Weltflotte.

Gewinn verdoppelt trotz Corona

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Trotz des drastischen Rückgangs der Transportmengen hat die Hapag-Lloyd die Krise bisher recht gut umschifft. Sie konnte den Gewinn im ersten Halbjahr sogar verdoppeln auf 285 Millionen Euro. "Wir haben von plötzlich fallenden Bunkerpreisen profitiert, unsere Kapazitäten an die geringere Nachfrage angepasst und weitere Kostensenkungsmaßnahmen umgesetzt", begründet Vorstandschef Rolf Habben Jansen das gute Abschneiden.

Um dem Nachfrageeinbruch zu trotzen, haben viele Reedereien ihre Kapazitäten und Flotten kräftig zurückgefahren. "Von den 120 Liniendiensten haben wir rund 50 angepasst und Abfahrten gestrichen oder andere Schiffe eingesetzt", sagt Hapag-Lloyd-Chef Habben Jansen. Allein im wichtigen Ost-West-Verkehr hat die Reederei im zweiten Quartal 15 bis 20 Prozent weniger Kapazität angeboten. Die Reduzierung der Kapazitäten und die Kostensenkungen verhalfen der Hapag-Lloyd zu höheren Frachtraten. Diese hätten laut NordLB-Analyst Wybierek das Niveau von 2012 erreicht. Darüber hinaus halfen dem Konzern die niedrigeren Treibstoffkosten wegen des Ölpreisverfalls.

"Brauchen keine Staatshilfe!"

Im Gegensatz zum französischen Wettbewerber CMA-CGM braucht Hapag Lloyd denn auch keine Staatshilfen - zumindest nicht in den nächsten paar Monaten. "Wir werden uns mit großer Wahrscheinlichkeit nicht um Staatshilfen bemühen", sagte jüngst Vorstandschef Habben Jansen im Interview.

Analyst Wybierek sieht die Hapag-Lloyd momentan gut aufgestellt. Der Konzern habe frühzeitig Synergie- und Kostensteigerungsprogramme aufgelegt. Mit den Haupteignern CSAV aus Chile, dem Logistik-Milliardär Klaus-Michael Kühne, den Staatsfonds von Katar und Saudi-Arabien sowie der Stadt Hamburg verfüge der Konzern über ein Bollwerk gegen eine Übernahme.

Die Aktien der Hapag-Lloyd sind zuletzt regelrecht in die Höhe geschossen – auf bis 186,40 Euro. Inzwischen haben sich die Papiere bei unter 50 Euro eingependelt. Experten wie Analyst Wybierek vermuten, dass Hedgefonds Short-Positionen aufgebaut hatten und sich dann eindecken mussten, als der Kurs immer weiter stieg. Mit einem Streubesitz von nur noch 3,6 Prozent sind die Titel anfällig für Schwankungen.

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Quelle: boerse.ard.de
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