Griechenland-Flagge vor blauem Himmel | Bildquelle: dpa

Hilfsprogramm läuft aus Schwierige Rückkehr an die Finanzmärkte

Stand: 20.08.2018 06:45 Uhr

Heute verlässt Griechenland den Rettungsschirm. Ab morgen muss das Land erstmals seit über acht Jahren ohne internationale Finanzhilfen auskommen. Kann das gelingen? Und zu welchem Preis?

Von Lothar Gries, boerse.ard.de

Athen hat zwar nach eigenen Angaben keinen unmittelbaren Geldbedarf. Dank früherer Emissionen und aus unerwartet hohen Haushaltsüberschüssen verfügt Land über eine Liquidität von rund 24 Milliarden Euro - genug, um seinen Schuldendienst für die nächsten zwei Jahre zu bedienen. "Das bedeutet, dass wir sogar ohne eine einzige Emission unseren Bedarf decken können", beruhigt Finanzminister Efklidis Tsakalotos.

Tatsächlich hat das Land die Bereitschaft der Finanzmärkte, ihm frisches Geld zu pumpen, längst getestet. Bereits im Februar ist es Griechenland gelungen, trotz der zu dem Zeitpunkt herrschenden Börsenturbulenzen, eine drei Milliarden Euro schwere Anleihe mit einer Laufzeit von sieben Jahren und einer Rendite von 3,5 Prozent an den Markt zu bringen. Einem Regierungsvertreter zufolge hatten Investoren sogar mehr als doppelt so viel geboten.

Anleihen haben Ramsch-Status

Alexis Tsipras
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Alexis Tsipras

Einen ersten Versuch der Rückkehr Griechenlands an den Kapitalmarkt hat es bereits im Juli letzten Jahres gegeben. Dabei war eine fünfjährige Staatsanleihe im Volumen von drei Milliarden Euro platziert worden. Investoren hatten sogar mehr als 6,5 Milliarden Euro nachgefragt. Trotz des großen Interesses musste die Regierung eine im europäischen Vergleich hohe Rendite von 4,6 Prozent anbieten. Allerdings hatte Athen sogar mit 4,75 Prozent gerechnet.

Das Interesse der Investoren darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass griechische Anleihen von den Ratingagenturen immer noch mit der Note "B" oder schlechter bewertet werden, damit also Ramsch-Status haben. Zahlreiche Anleger ließen sich nur von den relativ hohen Renditen locken, hieß es am Markt. "Griechenland hat zwar Fortschritte gemacht, aber ich glaube nicht, dass irgendjemand nun investiert im Glauben, dass die Probleme langfristig gelöst sind", wird ein Hedgefondsmanager zitiert, der seinen Namen aber nicht preisgeben will. Viele Anleger seien in dem niedrigen Zinsumfeld einfach nur auf der Suche nach einer höheren Rendite und spekulierten auf schnelle Gewinne.

Auch der griechische Notenbankchef Giannis Stournaras warnt vor zu viel Optimismus. Ohne die Einhaltung von Sparmaßnahmen, darunter weitere Rentenkürzungen, werde Griechenland keinen Zugang zu den Finanzmärkten zu vernünftigen Zinsen erhalten, sagte er am Sonntag der Athener Zeitung "Kathimerini": "Uns steht noch ein langer Weg bevor."

Weitere Emissionen bis Jahresende

Griechische Staatsverschuldung in Prozent des BIP
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Griechische Staatsverschuldung in Prozent des BIP

Bis zum Jahresende will Griechenland noch zwei weitere Anleihen auf den Markt bringen. Dabei soll es sich um Testballons für länger laufende Papiere handeln. Angepeilt sei ein Schulden-Volumen von bis zu 4,5 Milliarden Euro, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Eine der Emissionen könne ein Zehn-Jahres-Bond von 2,0 bis 2,5 Milliarden Euro sein. Eine solche Anleihe hat Griechenland seit 2008 nicht mehr begeben. Der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest, hängt von der Lage an den Märkten ab. Auch die anderen Euro-Problemländer wie Spanien und Portugal hatten zehnjährige Bonds zum Abschluss der Hilfsprogramme begeben, teils sogar Monate vor dem Ausstieg. Griechenland plant 2018 zudem noch eine Anleihe mit einer Laufzeit von unter sieben Jahren – im Volumen von rund 1,5 bis 2,0 Milliarden Euro.

Was wird aus der Schuldenlast?

Arbeitslosenquote
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Arbeitslosenquoten in Europa

Seit dem drohenden Staatsbankrott 2010 hat Athen laut EU-Kommission Hilfskredite im Umfang von 289 Milliarden Euro erhalten, davon 32,1 Milliarden vom Internationalen Währungsfonds (IWF), der Rest von den Euro-Partnern - im Gegenzug für harsche Spar- und Reformmaßnahmen, darunter erhebliche Lohn- und Rentenkürzungen. Die Wirtschaftskraft des Landes wurde dadurch erheblich geschwächt, noch immer ist jeder Fünfte arbeitslos.

In den vergangenen rund zweieinhalb Jahren setzte Athen die Sparvorgaben weitgehend reibungslos um. Das Land hatte zuletzt Ende Juni eine letzte Hilfszahlung in Höhe von 15 Milliarden Euro zugesprochen bekommen. Damit erhöhte sich der Kapitalpuffer in Athen auf rund 24 Milliarden Euro.

Bleibt die Frage nach der Erleichterung der Schuldenlast, beträgt doch die Staatsverschuldung noch immer 180 Prozent des Bruttoinlandsprodukts - der höchste Wert in Europa. Während in den nächsten Jahren relativ geringe Zins- und Rückzahlungen anfallen, droht die Belastung in späteren Jahren wieder stark anzusteigen, zumal einige Euro-Partner, allen voran Deutschland, einen klassischen Schuldenschnitt weiterhin verweigern. Damit könnte die Fähigkeit des Landes, seine Schulden zu bedienen, erneut in Gefahr geraten. Gut möglich also, dass die Probleme Griechenlands nur vertagt, aber nicht gelöst sind.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete am 20. August 2018 die tagesschau um 05:30 Uhr und tagesschau24 um 09:00 Uhr.

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