Eine wegen der Corona-Krise menschenleere Königsallee in Düsseldorf | Bildquelle: dpa

GfK-Konsumklima So trübe wie in der Finanzkrise

Stand: 26.03.2020 08:34 Uhr

Die Coronakrise hat die Verbraucherstimmung in Deutschland drastisch einbrechen lassen. Nur auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2009 lag der GfK-Konsumklimaindex niedriger.

Für April prognostizierten die Marktforscher der GfK am Donnerstag einen Rückgang ihres Konsumklima-Barometers um 5,6 Zähler auf 2,7 Punkte. Niedriger war der Wert zuletzt im Mai 2009.

Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur einen Rückgang auf 7,1 Punkte erwartet. Der starke Anstieg der Infektionen und die damit einhergehenden Beschränkungen hätten zu dem plötzlichen Einbruch geführt, so die Erklärung der Nürnberger Forscher.

"Massive Auswirkungen"

"Ein so starker Rückgang ist seit Beginn der Erstellung des Konsumbarometers 1994 beispiellos", sagte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl. "Das Coronavirus hat massive Auswirkungen auf die Verbraucherstimmung in Deutschland."

Handel, Hersteller und Dienstleister müssten sich auf eine Rezession einstellen. Wie schwer diese ausfällt, werde letztlich davon abhängen, wann die Wirtschaft wieder in eine Art Normalität zurückfinde, so Bürkl.

Erwartungen gedämpft

Die Verbraucher sehen laut GfK wirtschaftlich "sehr schwierige Zeiten" auf Deutschland zukommen. Das Barometer für die Konjunkturerwartung büßte aktuell 20,4 Zähler ein und rutschte auf minus 19,2 Punkte. Ein niedrigerer Wert wurde zuletzt im August 2012 gemessen.

Drohende Kurzarbeit und steigende Arbeitslosenzahlen schlügen auf die eigene Einkommenserwartung durch. "Die Angst vor dem Jobverlust hat stark zugenommen", erklärte Bürkl.

Auch die Bereitschaft zur Anschaffung teurer Güter wie etwa Möbel und Autos ging in der Krise deutlich zurück: Das entsprechende Barometer fiel auf 31,4 Punkte von 53,6 Zählern im Februar. "Auf den Handel insgesamt werden schwere Zeiten zukommen", so das Fazit der GfK.

Hamsterkäufe sorgen für Umsatzsprung

Allerdings habe die Viruskrise dem Lebensmitteleinzelhandel Ende Februar noch einen Umsatzsprung beschert - wegen Hamsterkäufen: "Dieser Trend wird auch im März und unter Umständen in den Folgemonaten anhalten."

Die "Stilllegung" des öffentlichen Lebens führe auch zu einer Verlagerung des Außer-Haus-Konsums in den privaten Bereich und lasse die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr steigen, so GfK-Handelsexperte Robert Kecskes: "Mittel- und langfristig wird sich auch der Lebensmitteleinzelhandel auf die wirtschaftlich unsichere Lage der Konsumenten einstellen müssen."

tb/rtr

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. März 2020 um 12:00 Uhr.

Darstellung: