Gamescom

Gamescom Megatrend Cloud Gaming

Stand: 20.08.2019 06:45 Uhr

Der Gaming-Markt wächst jährlich, genau wie die wichtigste deutsche Spielemesse Gamescom. Der neueste Branchentrend ist das Cloud Gaming: Google, Sony und Microsoft wollen Spiele künftig über das Internet streamen, dann kann jeder immer, überall, alles zocken.

Von Thomas Spinnler, boerse.ARD.de

Innerhalb der Unterhaltungsindustrie wird ein erbitterter Kampf um unsere Freizeit geführt – und vor allem um unser Geld. „Wir konkurrieren mehr mit Fortnite als mit HBO“, hat Netflix-Vorstandschef Reed Hastings mit Blick auf die Spielebranche längst festgestellt. Und wir verlieren mehr an Fortnite, fügte er hinzu.

Fortnite
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Fortnite: Wer zockt, kann nicht glotzen

Denn wer intensiv zockt, hat keine Zeit mehr für Komaglotzen von Serien oder Spielfilmen bei Disney+, Amazon, HBO, Hulu oder Netflix. Das Online-Spiel Fortnite war der größte Renner der vergangenen Jahre und wurde 2018 von rund 200 Millionen jugendlichen Spielern weltweit gespielt: Ein Zeit- und Eurograb, wie viele Eltern mittlerweile erfahren mussten.  

Asien, der wichtigste Markt

Aber bei Spielen sind längst nicht mehr ausschließlich Kinder oder Jugendliche die Zielgruppe. Nach Angaben von „Game“, dem Verband der deutschen Games-Branche, liegt das Durchschnittsalter der Nutzer von Computer- und Videospielen hierzulande mittlerweile bei 36,1 Jahren. Jeder zweite Deutsche spiele, entweder auf dem Smartphone, dem PC oder auf der Spielekonsole. Weltweit sollen es mehr als zwei Milliarden Zocker sein.

Weil die Basis so breit ist, kommen auch die erstaunlichen Umsatz- und Wachstumszahlen zustande. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wuchs der Umsatz in Deutschland um elf Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Weltweit kratzte der Umsatz im vergangenen Jahr an der Marke von 140 Milliarden Dollar. In diesem Jahr sollen die 150 Milliarden locker überschritten werden. Zum Vergleich: An den weltweiten Kinokassen wurden 2018 insgesamt knapp 42 Milliarden Dollar eingenommen.

Deutscher Spiele-Markt wächst im ersten Halbjahr 2019 um elf Prozent
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Deutscher Spiele-Markt wächst im ersten Halbjahr 2019 um elf Prozent

Mobile Games, also Spiele für das Smartphone oder das Tablet, sind mittlerweile der wichtigste Sektor. Gerade in der Region Asien/Pazifik, also etwa Indien, Indonesien oder China, sind Konsolen oder PCs nur wenig verbreitet. Aber auch in Deutschland hat nach Daten des Digitalverbands Bitkom das Smartphone die Konsole als beliebtestes Spielgerät abgehängt.  

Konsole, the next Generation…

Überhaupt werden die Milliarden zunehmend weniger mit dem simplen Verkauf von Spielen verdient. Viele Online-Spiele sind zunächst kostenfrei. Die Kassen klingeln dank des Verkaufs von Zusatzinhalten oder virtuellen Gütern, wie besonderer Bekleidung der Spielfiguren oder dem Kauf bestimmter Fähigkeiten oder Hilfsmittel, die den spielerischen Fortschritt beschleunigen oder erleichtern: „Mehr bezahlen, um weniger zu spielen“, wie man sagt. Selbst die klassischen Spielehersteller verdienen mit sogenannten In-Game-Shops Milliarden, da die Spieler selbst bei Konsolenspielen meistens online sind, und der Kauf der virtuellen Güter auch dort nur einen Klick entfernt ist.  

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Immer schon war es der in der Spielebranche der technische Fortschritt, der den Umsatz befeuert. Und aktuell sieht alles danach aus, als stehe die Industrie vor einem wirklich umgreifenden Wandel. Die großen Konsolenhersteller Microsoft und Sony werden auf der Gamescom keine neuen Konsolen präsentieren, obwohl sie bereits mit Hochdruck an der kommenden Generation arbeiten.

Junge chinesische Spieler mit Smartphones
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Junge chinesische Spieler mit Smartphones

Erste Infos über technische Daten der bislang in den Medien als „PS5“ oder „Xbox Scarlett“ bezeichneten Konsolen kursieren längst im Netz. Die meisten Fachleute rechnen damit, dass die Konsolen im ersten Halbjahr 2020 auf den Markt kommen. Eventuell erfährt man auf der Gamescom Neuigkeiten über Zeitplan und Technik.

oder the last Generation?

Experten schließen übrigens keineswegs aus, dass es sich um die letzten klassischen Konsolen der beiden Hersteller handelt. Die Zukunft könnte im Cloud Gaming und im Streaming-Bereich liegen. „Games ziehen in die Cloud“, unterstreicht Bitkom-Präsidiumsmitglied Olaf May. Google hatte vor einigen Monaten für Furore gesorgt und den Einstieg in den Videospiele-Bereich verkündet. Mit dem Streaming-Dienst Stadia sollen Nutzer direkt und sofort online spielen können. Geeignet sei die Streamingplattform laut Google für alle vernetzten Endgeräte, also Smartphones, Tablets und Computer.

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Die Idee ist für die gesamte Branche deshalb so charmant, weil Cloud Gaming die Einstiegshürden für die Verbraucher senken und damit auch die Zielgruppe, siehe Asien, erweitern würde. Konsolen oder teure Gaming-PCs würden überflüssig, da die technischen Grundlagen selbst für höchste Ansprüche in der Cloud zur Verfügung gestellt werden.

Medion will mitspielen

Sony Playstation
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Sony Playstation: Konsole, the last Generation?

Die Furcht vor Google treibt sogar die ärgste Konkurrenz zusammen: Die beiden Konsolenhersteller Sony und Microsoft, die mit Playstation und Xbox den Markt seit Jahren prägen, hatten im Mai eine strategische Kooperation beim Spiele-Streaming angekündigt. Mit „Playstation Now“ verfügt Sony bereits über einen Streaming-Dienst, um ihn zu nutzen ist aber die Konsole erforderlich. Und Microsoft wird in den nächsten Monaten den Streaming-Dienst „xCloud“ starten.

Knackpunkt ist zumindest in Deutschland das schnelle Internet: Die neue 5G-Mobilfunktechnik könne den Markt „ganz sicher weiter beflügeln“, meint May.

Sogar Medion, hierzulande vor allem als Aldi-Lieferant für Computer bekannt, wird in den Streaming-Markt für Spiele einsteigen. Medion ist ein Tochterunternehmen des weltgrößten PC-Herstellers Lenovo. Medion ist auf der Gamescom ebenso vertreten wie Google, Sony, Microsoft und mehr als 1.000 weitere Aussteller aus über 50 Ländern. Die Messe in Köln wird bis zum 24. August gehen.

ARD-Börse: Spielfieber in Köln - Gamescom beginnt

20.08.2019 11:17 Uhr

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Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 20. August 2019 um 11:18 Uhr.

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