Fußball

Auf den Spuren des BVB Wenn Tore die Börse bewegen

Stand: 30.07.2019 18:49 Uhr

Anders als in Italien oder Dänemark mieden die deutschen Fußball-Klubs bisher die Börse - außer Borussia Dortmund. Das scheint sich zu ändern. Mit der SpVgg Unterhaching stürmt heute ein zweiter deutscher Verein aufs Parkett. Es könnte Nachahmer geben. Lohnen sich Fußball-Aktien doch?

Von Notker Blechner, boerse.ARD.de

"Manni" Schwabl hat schon einiges geschafft in seiner Fußball-Karriere. Mit dem FC Bayern wurde er drei Mal Meister und einmal DFB-Pokal-Sieger. Vier Mal kam der 1,70 Meter kleine Mittelfeldspieler in der deutschen Nationalmannschaft zum Einsatz.

Ein Drittligist an der Börse

Nach einem misslungenen Ausflug in die Bauwirtschaft und einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren kehrte Schwabl ins Fußballgeschäft zurück. Seit 2012 ist er Präsident der Spielvereinigung Unterhaching. Mit einem Gesellschafterdarlehen bewahrte er den Klub damals vor der drohenden Insolvenz. Der Klub, der 1999/2000 mit einem 2:0-Sieg Bayer Leverkusens Titelträume platzen ließ, rutschte bis in die vierte Spielklasse, die Regionalliga Bayern ab. Mit "Manni" Schwabl kam die Wende Vor zwei Jahren gelang die Rückkehr in die Dritte Liga. Nun hatte Schwabl eine neue Idee: einen Börsengang.

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Aktie mit glänzendem Debüt

Heute ist der Drittligist an der Münchner Börse gestartet. Die Aktien wurden zum Festpreis von 8,10 Euro breit gestreut, wie der Verein und die Börse München mitteilten. Der Start verlief vielversprechend. Nach der Erstnotiz bei 8,30 Euro ging es fulminant bergauf. Mit 10,69 Euro schloss das Papier fast 32 Prozent über dem Ausgabekurs.

2,7 Millionen Euro hat Unterhaching mit dem IPO eingenommen. Bis zum Herbst sollen weitere Aktien ausgegeben werden. Als kleiner Verein müsse man innovativ sein, sonst habe man im Haifischbecken des Profifußballs nichts verloren, sagt Schwabl.

Kein Zittern mehr um die Lizenz

SpVgg Unterhaching-Trainer Manfred Schwabl
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SpVgg Unterhaching-Trainer Manfred Schwabl

Mit dem Gang aufs Parkett will der Drittligist die Schulden abbauen, die Infrastruktur verbessern und in Nachwuchsspieler investieren. Schwabls Kalkül: Mit der Börsennotierung "brauchen wir in Zukunft keine Angst mehr um die Lizenz zu haben, der Börsengang gibt uns Planungssicherheit für die nächsten Jahre."

Das offene Bekenntnis von Unterhaching zur Börse ist neu. In den letzten Jahren lehnten mehrere Großklubs ein IPO ab. Der FC Bayern setzte lieber auf reiche Sponsoren wie Adidas und Audi, Schalke 04 zapfte den Kapitalmarkt über eine Mittelstandsanleihe an. Und Hertha BSC sammelte Geld über Private-Equity-Investoren ein.

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Der BVB machte den Anfang

Borussia Dortmund war lange Zeit der einzige deutsche Klub, der sich an die Börse traute - im Jahr 2000 wurden die Titel für 11,00 Euro ausgegeben. Das ist lange her, Die anfängliche Euphorie wich schnell der Ernüchterung. Die Aktien stürzten bis auf 82 Cents ab, zeitweise drohte dem BVB gar die Pleite.

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Inzwischen hat sich der Revierklub wieder gefangen - und ist zum Erzrivalen des FC Bayern geworden. Die BVB-Aktie machte einen Sprung nach oben. Auf Ein-Jahres-Sicht hat der Kurs gut 50 Prozent zugelegt.

Abhängig vom sportlichen Erfolg

Das Beispiel von Borussia Dortmund zeigt aber auch, wie volatil Fußball-Aktien sind. Gerät der Klub in eine Krise und verpasst die internationalen Wettbewerbe, geht es auch mit der Aktie talwärts. Gelingt dagegen der Einzug in die Champions League, springt der Kurs hoch. Auch teure Transfers bewegen den Kurs.

SpVgg Unterhaching
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Spieler der SpVgg Unterhaching

Mit Unterhaching wagt nun erstmals den Klub aus dem Unterhaus des deutschen Fußballs das Experiment Börse. Hier spielt das internationale Geschäft keine Rolle. Entscheidend für den Aktienkurs dürften der sportliche Erfolg in der dritten Liga und die wirtschaftliche Situation des Vereins sein. In der Dritten Liga mache Haching jährlich einen operativen Verlust von 2,5 Millionen Euro. Daher sei ein Börsengang "alternativlos", meint Schwabl. Der Aufstieg in die Zweite Liga sei für eine gute Entwicklung der Aktie zwingend erforderlich, weiß der Präsident. Dort lockten dann relevante TV-Erlöse. "Der Börsengang ist für Anleger und uns attraktiv", glaubt Präsident Schwabl.

Vorbild für kleinere Vereine?

Insofern könnte Unterhaching ein Modell für andere Underdogs in der deutschen Fußball-Landschaft werden. Jörg Flechtner, geschäftsführender Gesellschafter der Portfolio Control, die den Hachinger IPO begleitet, könnte der Börsengang eine Art "Leuchtturm für kleinere Fußballvereine" werden.

Der Blick ins Ausland zeigt, dass mit Fußball-Aktien bislang kaum Geld zu verdienen war. Von den europaweit zwei Dutzend börsennotierten Klubs notieren nur wenige über dem Ausgabekurs. Sie hängen zu stark von Titeln und dem sportlichen Erfolg ab. Bleibt der sportliche Erfolg aus, droht eine Abwärtsspirale. Fußball-Aktien sind oft eher Liebhaber-Aktien für Fans.

Unterhaching an die Börse?

31.07.2019 10:46 Uhr

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Viele Fußball-Aktien europaweit im Abseits

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Wie schnell Höhen und Tiefen beim Aktienkurs liegen, hat zuletzt Ajax Amsterdam bewiesen. Als Ajax im Halbfinale der diesjährigen Champions League ausschied, verlor die Aktie binnen eines Tages ein Drittel ihres Wertes

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete B5 Sport am 15. Juli 2019 um 08:54 Uhr.

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